So., 17.12.2017

Serie: 24 Stunden in Greven Die Kunst – unsichtbar zu sein

Vanessa Arlt ist stets bestens informiert und bereitet sich sorgsam auf ihre Partien – hier Preußen Münster II gegen TuS Hiltrup – vor.

Vanessa Arlt ist stets bestens informiert und bereitet sich sorgsam auf ihre Partien – hier Preußen Münster II gegen TuS Hiltrup – vor. Foto: Günter Benning

Greven - 

Seit nunmehr 2007 tanzen Fußballspieler nach ihrer Pfeife. Oder auch nicht. Vanessa Arlt, ambitionierte Schiedsrichterin, definiert ihre Aufgabe etwas anders: „Ich begleite die Spiele ja eigentlich nur. Der Schiedsrichter steht nicht im Mittelpunkt des Geschehens.“ Ein Gespräch über ihre Karriere, den Aufwand und ihre Einstellung gegenüber den Spielern.

Von Martin Weßeling

Sonntags tanzen 22 Männer – wahlweise auch Frauen – nach der Pfeife von Vanessa Arlt. Ein Klischee – verstaubt, längst überholt, entliehen aus dem großen Buch der Nachkriegs-Fußballweisheiten. Es passt so gar nicht in die heutige Zeit. Und auch nicht zur 26-jährigen Schiedsrichterin, die ihre sportliche Wochenend-Leidenschaft ganz anders interpretiert. Die Polizeibeamtin sieht sich eher in einer neutralen Position, die in der Wahrnehmung der kickenden Protagonisten gar nicht stattfindet – im besten Fall. „Ich begleite die Spiele ja eigentlich nur. Der Schiedsrichter steht nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Und wenn nach dem Spiel nicht über ihn gesprochen wird, ist das ein gutes Zeichen“, lächelt Arlt, die jede Menge Zeit und Energie darauf verwendet, am Wochenende möglichst unsichtbar zu sein.

Das ist dann quasi der Gegenentwurf zu den trikottragenden Torjägern, Ballzauberern und blitzschnellen Technikern, die Woche für Woche im Rampenlicht stehen (möchten). „Für mich zählt da schon eher der gegenseitige Respekt, die Akzeptanz und das gute Gefühl, mit den passenden Eigenschaften dafür zu sorgen, dass alles funktioniert“, sagt die Grevenerin, die an der Pfeife bereits eine steile Karriere hingelegt hat – und viel dafür opfert.

Begonnen hat die Schiedsrichterlaufbahn von Vanessa Arlt im Jahr 2007. Nach einem ersten Lehrgang (DJK BW Greven) blieb die damals 16-Jährige beim Schiedsrichterwesen hängen. Auch deshalb, weil neben dem Sport das Abitur näher rückte und Vanessa Arlt auf der anderen Seite sportlich gesehen nach Höherem strebte. Was ihr dann auch eindruckvoll gelang. Die Polizeibeamtin sammelte erste Erfahrungen in verschiedenen Jugendklassen, absolvierte weitere Tests und Lehrgänge, schaffte mehrere Aufstiege und gehört mittlerweile dem Perspektiv-Kader des Verbandes an. Im Herrenbereich pfeift Arlt bis zur Westfalenliga und assistiert bis zur Regionalliga. Bei den Frauen leitet sie unter anderem Spiele in der Zweiten Liga und ist in der Pyramide des Leistungssports schon sehr weit oben angekommen.

Der Aufwand, den die junge Grevenerin betreibt, ist entsprechend groß. Neben ihrem ganz normalen Fulltime-Job bei der Polizei sind die allermeisten Wochenenden im Jahr mit Fußball belegt. Oftmals stehen zwei Punktspiele an, unter anderem reist Arlt bis nach Süddeutschland, um Partien bei den Frauen zu leiten. „Das Privatleben baut man so um den Fußball drum herum“, zuckt die 26-Jährige mit den Schultern. „Es ist halt ein besonderer Reiz, in diesen Ligen mitzumischen. Das macht riesigen Spaß.“

Zumal das Ende der sportlichen Fahnenstange bei Vanessa Arlt noch lange nicht erreicht ist. Sollte sie ihre sportlichen Karriereziele weiter so zielstrebig verfolgen, könnte es bald weiter nach oben gehen. Vanessa Arlt schaut aber lieber von Spiel zu Spiel und versucht sich stetig zu verbessern. „Klar wäre es schön, auf den Spuren von Bibiana Steinhaus unterwegs zu sein“, lacht Arlt. „Man muss das Ganze aber realistisch sehen, die Luft ganz oben wird immer dünner. Ich bin dankbar für jede Erfahrung, die ich machen kann.“



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