Mi., 10.01.2018

Fußball: Landesliga Sprünge zurück ins Leben

Claus Klipp genießt Respekt und Wertschätzung bei Spielern und Trainern des SV Burgsteinfurt. Seit fast 23 Jahren ist er Betreuer beim SVB.

Claus Klipp genießt Respekt und Wertschätzung bei Spielern und Trainern des SV Burgsteinfurt. Seit fast 23 Jahren ist er Betreuer beim SVB. Foto: Thomas Strack

Burgsteinfurt - 

Claus Klipp ist seit über 22 Jahren Betreuer beim SV Burgsteinfurt. Der 61-Jährige hat dem Fußball viel zu verdanken. Auf der anderen Seite gibt er den Akteuren, die Fußball praktizieren, aber auch eine Menge. Das ist umso bemerkenswerter, weil Klipp erst einen harten, unbequemen Weg nehmen musste, der ihn zu seinem Ehrenamt führte.

Von Heiner Gerull

Es war am 23. September des vergangenen Jahres. Als Lars Kormann das 2:0 für den SV Burgsteinfurt im Spiel der Fußball-Landesliga gegen den SV Mesum erzielt hatte, hielt es auch Claus Klipp nicht mehr auf der Bank. Er hob ab zu einem Jubelsprung, der manch einem Leichtathleten zur Ehre gereicht hätte. Da war es wieder, das Feuer der Begeisterung, das immer noch in ihm lodert. Klipp lebt in erster Linie für seine Familie – und für den SV Burgsteinfurt. Seit fast 23 Jahren kümmert er sich beim SVB um die Belange auf und neben dem Platz – und hat sich in dieser Zeit längst den Ruf des „Jahrhundert-Betreuers“ erworben.

Emotionale Erlebnisse graben sich besonders tief und detailreich ins Gedächtnis ein. „Ich kann mich noch gut an die Saison 1995/96 erinnern. Da habe ich als Betreuer angefangen. Das erste Jahr war gleich ein besonders schönes, da sind wir nämlich unter Rolf Kosakowski in die Kreisliga A aufgestiegen“, sagt Klipp. Das war damals noch mit der DJK Rasensport. Der fühlte er sich eng verbunden, weil Klipp schon als Spieler für den Club auf Torejagd gegangen war. Und er war kein schlechter. „Bezirksliga“, so der heute 61-Jährige, „hätte ich mir schon zugetraut.“

Doch seine sportlichen Ambitionen traten in den Hintergrund, weil in zunehmendem Maße der Alkohol seinen Tagesrhythmus bestimmte. Klipp kellnerte in der elterlichen Gastwirtschaft am Bahnhof. Zwangsläufig hatte er somit täglich mit berauschenden Getränken zu tun. Er spürte in dieser Zeit, wie sehr der Alkohol nicht nur den Fußball, sondern vielmehr alle Bereiche seines Lebens zerstörte. Als er schließlich vor der grundsätzlichen Entscheidung stand, wie es mit ihm weitergehen soll, entschied er sich für das Leben und unterzog sich einer sechswöchigen Therapie. Seitdem ist er „trocken“, wie er sagt, „ein trockener Alkoholiker.“

Den Wiedereinstieg in den Fußball verdankte er ehemaligen Weggefährten, allen voran Manfred Oeing. „Der hat mich damals ermuntert, doch mal wieder vorbeizukommen“, erinnert sich Klipp. Rasch fand er Gefallen an seinem neuen, alten Umfeld und fungierte zunächst bei den Alten Herren, als Fußball-Obmann und schließlich als Betreuer. „Es war das, wonach ich gesucht habe. Nach der Therapie brauchte ich endlich wieder eine Aufgabe.“ Dass daraus eine Jahrzehnte andauernde Liaison werden würde, hat Claus Klipp damals nicht geahnt.

Seinen Wert als „Mann für alle Fälle“ wussten alle Trainer zu schätzen. „15 habe ich in dieser Zeit bestimmt erlebt“, erläutert er und zählt – ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – Namen wie Uwe Göbel, Ingo Pielage, Uwe Laurenz, Marco Antwerpen, Thomas Remberg, Christian von der Lippe, Stefan Dinkhoff, Wolfgang Schütte, Klaus Bienemann, Helge Wolff und Dirk Bültbrun auf. Ob Trainer oder Spieler – Klipp sah sie kommen und gehen. Nur einer ist immer geblieben – und das nun schon seit fast 23 Jahren: Der Mannschaftsbetreuer, den man mit Fug und Recht als die „gute Seele“ des SV Burgsteinfurt bezeichnen kann.

Klipp braucht nicht lange zu überlegen, um das schönste und zugleich aufregendste Kapitel seiner Amtszeit zu benennen. „Das war sicherlich der Aufstieg in die Landesliga mit Wolfgang Schütte im Jahr 2010.“ Im Fernduell mit Preußen Borghorst bescherte ein Treffer von Isuf Asllani den Gelb-Roten an jenem 30. Mai noch das 3:2 bei SW Esch und den Aufstieg. „So etwas vergisst du dein ganzes Leben nicht mehr“, hat Klipp die dramatische Wendung dieses Herzschlagfinales noch immer vor Augen.

Wenn es darum geht, seinen Wert für den Verein und die Mannschaft herauszustreichen, dann findet Christoph Klein-Reesink klare Worte. „Spieler sind sicherlich austauschbar. Aber wenn Klippi uns verließe, wäre das undenkbar. Ich wüsste nicht, wie das dann funktionieren sollte.“

Der aktuelle Trainer des SVB sagt das nicht nur, weil Klipp stets der Erste in der Kabine ist und frisch gewaschene und gebügelte Trikots für die Spieler parat hält. Oder weil er kleinere Verletzungen im Training oder Spiel medizinisch versorgt. „Wenn einer von uns in Münster am Bahnhof stünde und nicht wüsste, wie er nach Hause kommt, dann würde Claus auch mitten in der Nacht aufstehen und ihn abholen.“

Inzwischen könnte Klipp tatsächlich solch ungewöhnliche Aufträge erledigen. Auch deshalb, weil er mehr Zeit hat, denn im März vergangenen Jahres verabschiedete sich der ehemalige Angestellte einer Zellstofffirma in den Ruhestand. Beim SVB macht er aber weiter. „Solange ich noch die Sprache der Spieler spreche“, sagt er.

Die verstehen ihn. Und wissen seine Fürsorglichkeit zu schätzen. Klipp steht für Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Standhaftigkeit – Werte, die er in der harten Schule des Lebens gelernt hat. Vor 30 Jahren, als es darum ging, seinem Leben eine neue Richtung zu verleihen. Klipp geht mit seiner Vergangenheit offen um. Nicht zuletzt deshalb genießt er Respekt im Kreise von Spielern und Trainern. Und wenn er nach einem Spiel in der Kabine sitzt, dann befinden sich auch stets eine oder zwei Flaschen Cola in der Bierkiste. „Für Claus, ohne den unser Verein gar nichts wäre“, betont Klein-Reesink.



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