Mi., 04.11.2015

Fußball: 3. Liga Ex-Preußen Sowislo startet in Magdeburg als Spätberufener durch

Spielte drei Saisons für die Preußen:  Marius Sowislo erzielte dabei in Punktspielen zwischen 2006 und 2009 insgesamt 23 Tore. Aktuell ist er der Kapitän (kleines Bild rechts) beim Aufsteiger 1. FC Magdeburg.

Spielte drei Saisons für die Preußen:  Marius Sowislo erzielte dabei in Punktspielen zwischen 2006 und 2009 insgesamt 23 Tore. Aktuell ist er der Kapitän (kleines Bild rechts) beim Aufsteiger 1. FC Magdeburg. Foto: Jürgen Peperhowe / Imago

Münster - 

Seine Zeit beim SC Preußen war keine schlechte zwischen 2006 und 2009, die Fans kreierten ihm sogar einen Song. Doch sie nicht vergleichbar mit der, die Marius Sowislo aktuell beim 1. FC Magdeburg erlebt. Mit dem Traditionsclub stieg er im Sommer auf – als Kapitän. Nun mischt der Club die 3. Liga auf. Am Samstag kommt es zum Wiedersehen

Von Alexander Heflik

Eigentlich, sagt Marius Sowislo , hätte es für ihn nicht mehr schöner als Fußballer sein können als beim SC Preußen . Aber der Spätberufene gibt offen zu, dass er im fortgeschrittenen Fußballalter von 32 Jahren seinen Traum leben kann: Magdeburg , Mannschaftskapitän, Meister, fast ein Märchen. „Das ist noch einmal eine Nummer größer. 25 Jahre nach dem letzten Aufstieg mit Magdeburg als Kapitän in die 3. Liga, in den Profifußball zu kommen – ich weiß nicht, wie ich das noch toppen könnte.“

Unvergessene Zeiten

Die Nummer kleiner in Münster weiß er zu schätzen. Unvergessen waren die drei Saisons an der Hammer Straße mit der Oberliga-Meisterschaft sowie Regionalliga-Qualifikation 2008 unter Coach Roger Schmidt. Dessen Vorgänger Georg Kreß hatte ihn nach Münster geholt, das war 2006. „Es war der erste Spieler, den ich verpflichten durfte“, blickt auch Münsters Sportvorstand Carsten Gockel auf seine ersten Schritte am Verhandlungstisch zurück.

In zwei Oberliga-Spielzeiten erzielte Sowislo, obwohl alles andere als ein „Knipser“, 19 Tore in 51 Einsätzen. Nicht selten schallte es von den Rängen: „Wir gewinnen, wir gewinnen, wir gewinnen Sowislo.“ Nicht viele Spieler, eigentlich kein Preuße, hat seine eigene Singsang-Zeile beim Anhang erhalten. Die dritte Spielzeit in Münster (2008/09) lief dann nicht mehr so toll mit vier Treffern in 28 Partien. Aber auch darüber verliert Sowislo kein böses Wort. Er habe viel von Trainer Schmidt gelernt, er habe Respekt vor dem Verein, Münster sei eine tolle Stadt, und: „Es flossen Tränen zum Abschied.“

Die nachfolgenden Stationen beim 1. FC Kleve und bei den Sportfreunden Siegen ließen dann nicht den Verdacht zu, dass es der gebürtige Oberschlesier noch einmal in die eingleisige 3. Liga schaffen würde.

Hartnäckig geblieben

Doch Trainer Andreas Petersen wollte Sowislo unbedingt in Magdeburg. „Das war eine Chance für mich. Ich bin immer drangeblieben und war hartnäckig, auch als ich in Kleve und Siegen spielte“, sagt er. Und er nutzte sie, die Chance beim Traditionsclub. Auch weil Petersen aus dem Angreifer einen „Sechser“ bastelte. Sowislo rückte in die Mittelfeldzentrale zurück, agierte viel defensiver, übernahm Aufgaben und Verantwortung. Und plötzlich wurde es die Mission Magdeburg für ihn, als Kapitän führte er den Europapokalsieger der Pokalsieger von 1974 aufs Feld, der seit dem Ende der DDR-Oberliga 1990 vergeblich Anschluss an den großen Bundesliga-Fußball gesucht hatte.

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Als ich Münster verließ, da flossen auch Tränen. Das ist eine tolle Stadt.

Ex-Preuße Marius Sowislo

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Sowislo ist glücklich in Sachsen-Anhalt, nicht nur, weil unlängst seine erste Tochter Daria geboren wurde. Gerne würde er den Kontrakt beim Aufsteiger verlängern. Mit 108 Pflichtspielen (18 Tore) verbringt ihr hier seine längste Zeit als Fußballer. Es ist auch seine beste, sein Stellenwert für die Mannschaft ist enorm, sein Wort gilt. Am Rande verfolgen durchschnittlich 18 000 Zuschauer die Heimautritte des FCM. Gibt es etwas Schöneres? Sowislo fällt darauf wenig ein.

Tuchfühlung nach oben

Auch wenn die Momentaufnahme Rang sieben mit Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen anzeigt, bleibt Sowislo Realist und bescheiden. „Wir haben mit 21 Punkten die Hälfte des Weges geschafft.“ Er meint die für den Klassenerhalt wohl notwendigen 40 Zähler. Am Samstag kommen die Preußen, Sowislo freut sich, er ist fit und trifft Mehmet Kara und Max Schulze Niehues wieder, mit denen er beim SCP spielte. Seine Geduld hat sich ausgezahlt, mit 32 Jahren ist er jetzt da, wo er immer sein wollte als Fußballer. Mittendrin.



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