So., 10.01.2016

Fußball: 3. Liga Preußen Münsters Trainer Horst Steffen im Interview: „Ein etwas anderer Plan“

Angespannt, aber nicht verspannt: Horst Steffen hat in Andalusien viele Erkenntnisse sammeln können – auch viele gut und erfolgversprechende.

Angespannt, aber nicht verspannt: Horst Steffen hat in Andalusien viele Erkenntnisse sammeln können – auch viele gut und erfolgversprechende. Foto: Jürgen Peperhowe

Horst Steffen ist seit gut einer Woche Trainer des SC Preußen. Der Nachfolger von Ralf Loose sprach im Trainingslager in Estepona über seine ersten Eindrücke mit unserem Redaktionsmitglied Alexander Heflik.

Wie war es, welches Gefühl hatten sie, als sie erstmals den Spielern in die Augen geblickt haben und die ersten Trainingseinheiten stattfanden?

Horst Steffen: Für mich ist das so, dass die Mannschaft zunächst schaut, was ist das für ein Trainer. Da ist eine Zurückhaltung da, ein vorsichtiges Gucken. Ich möchte schon, dass die Mannschaft sich noch öffnet, freier wird. Dementsprechend soll sie diese Freiheit auch auf dem Platz ausleben, wir brauchen eine Mannschaft, die offen, die mutig ist, damit wir kreativ Fußball spielen können. Diese Offenheit versuche ich vorzuleben und auch zu fordern.

Was bedeute Offenheit für Sie?

Steffen: Dass man mal einen Spaß macht, einfach von der Körpersprache gerade dasteht, offen in die Runde schaut – und das kann noch etwas besser werden.

Ausloten, wie der Neue tickt

Das klingt ein bisschen nach Verunsicherung innerhalb des Teams?

Steffen: Das würde ich so nicht sagen. Es ist ein bisschen Respekt und ausloten, was kann ich machen, wie tickt der Neue. Das wirkt jetzt so auf mich. Vielleicht ist das so normal.

Wie fällt nach einer Woche Ihr Resumee aus?

Steffen: Ich denke schon, dass die Mannschaft aufnahmebereit ist, willig, die von mir geforderten Dinge umzusetzen. Dazu ist sie auch in der Lage, Qualität ist da. Läuferisches Vermögen ist vorhanden, alles andere wird das Training noch bringen. Es ist ein etwas anderer Plan als vorher, darauf muss sich die Mannschaft einstellen. Das dauert noch ein paar Tage. Jeder wird anhand von Videoanalysen merken, wie ich ihn einschätze und was zu korrigieren ist.

Ordentlich, aber könnte besser sein

Wie ist der körperliche Zustand des Teams?

Steffen: Der Laktattest war vor dem letzten Punktspiel. Die Werte waren gut, sie waren im Schnitt gut, wenige waren nicht so gut. Für mich ist aber vor allem entscheidend, was ich auf dem Platz sehe. Können sie auch wirklich laufen? Da sind Werte ein Maßstab, aber entscheidend ist was ich auf dem Platz sehe. Das ist bislang ordentlich, das kann aber noch besser sein.

In Münster wurde bei Ihrer Vorstellung die Stunde Null ausgerufen, würden Sie das auch so bezeichnen?

Steffen: Ich richte mich überhaupt nicht danach, was vorher war. Natürlich gibt es eine Analyse, wie die Spieler vorher agiert haben. Jetzt kommen meine eigenen Trainingseindrücke dazu. Ich werde natürlich Qualität aufstellen. Und wenn einer der Jungen gewaltig Qualität zeigt, dann kann es sein, dass er unter den ersten elf ist. Jeder hat die Chance, sich zu zeigen.

Kommentar

Das waren andere Preußen, die man im Trainingslager in Estepona sah. Trainer Horst Steffen hat in den vergangenen sieben Tagen seinem Team gleich eine neue Strategie verpasst. Gegen Korce war es das Modell der hohen Verteidigung, des Gegenpressings – mit der Erkenntnis: Die können das auch. Was Steffen will ist aggressiv und auch risikoreich. Die Blaupause von Estepona befeuert nun die Fantasie der Anhänger der Preußen, da war eine Menge Bewegung und neuer Schwung zu erkennen, die Lethargie der letzten Wochen im alten Jahr wurde durchbrochen. Jeder Spieler wittert eine Chance, in knapp zwei Wochen in Würzburg erste Wahl sein zu dürfen. Die Ungewissheit treibt sei an. Das, was man allgemein mit einem Trainerwechsel erreichen will, Dinge anders zu machen, frischen Wind zu bringen und die Hinterbänkler aus der Reserve zu locken, ist gelungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Preußen Münster wurde zuletzt vorgeworfen, dass defensive Kontrolle vor Tempo am Ball geht. Was ist Ihr Plan?

Steffen: Es gibt ja die Idee, tief zu stehen und über Konter erfolgreich zu sein. Das hat Hannover 96 unter Mirko Slomka sehr häufig gemacht, das ist eine Option. Und es gibt die Option, etwas aktiver zu sein und zu pressen, den Gegner im Spielaufbau zu hindern. Das wird sicherlich die Idee sein, die ich habe. Aber es muss flexibel gestaltet sein. Da will ich mich nicht so festlegen, nur das eine machen und das ziehen wir dann komplett durch.

Wie bewerten Sie die Qualität der 3. Liga an sich in dieser Saison?

Steffen: Sie ist extrem ausgeglichen, in dieser Saison vielleicht noch ein bisschen mehr als in der abgelaufenen Spielzeit. Es gibt kaum eine schwache Mannschaft, die weit hinter den anderen ist. Dresden marschiert etwas vorne weg, dann gibt es zwei, drei, die sehr konstant spielen. Und die anderen kämpfen darum mitzuhalten.

„Wir kämpfen darum, oben dran zu bleiben.“

Wo sehen Sie sich mit dem SCP?

Steffen: Ich würde sagen, wir kämpfen darum, oben dranzubleiben.

Das Wort „Gegenpressing“ ist ein schönes Thema, das war beim SCP in dieser Saison wenig zu sehen. Nicht wenige glauben bislang, dass diese Mannschaft das auch nicht liefern kann?

Steffen: Die können das auch, sie müssen halt nur schnell umschalten und laufen. Das ist nicht so schwierig. Dafür muss man nur mutig sein und vorne attackieren.

Wissen Sie, dass Ihre Verpflichtung so etwas wie Euphorie ausgelöst hat?

Steffen: Nein, das weiß ich nicht. Wir haben zwei Testspiele hinter uns – da haben wir eine Euphorie? Ich weiß nicht.

Alles entscheidet sich doch auf dem Spielfeld, oder?

Steffen: Eben, eben, letztlich sind Erfolge am Ende entscheidend.

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