Fr., 29.01.2016

Boxen: Mittelgewicht Leo Horstmann – ein ehemaliger Flemmer im Ring

Muss beim Training schon mal Sandsäcke schleppen: Leo Horstmann. Beim Boxsportclub Münster wird schließlich noch immer selbst Hand angelegt.

Muss beim Training schon mal Sandsäcke schleppen: Leo Horstmann. Beim Boxsportclub Münster wird schließlich noch immer selbst Hand angelegt. Foto: Peter Leßmann

Münster - 

Einen ungewöhnlichen Weg hat Leo Horstmann vom BC 23 Münster hinter sich. Jahrelang war er als Fußballer unterwegs, ehe er den Weg in die Boxhalle fand. Und dort hat der Mittelgewichtler gute Perspektiven – und den nötigen Ehrgeiz.

Von André Fischer

War es purer Leichtsinn? Vielleicht eine Portion Übermut? Die Neugier auf was Neues? Pech? Schlicht die eigene Schlu­drigkeit? Das Ergebnis jedenfalls war ernüchternd – und äußerst schmerzvoll. Eine blutige Nase und ein Veilchen unter dem linken Auge holte sich Leo Horstmann, ambitionierter Mittelgewichtsboxer (bis 75 Kilogramm) des BC Münster, jüngst beim Sparring mit einem echten Schwergewicht aus der Kaderschmiede des heimischen Boxsport-Clubs ab. Der erwischte ihn unangenehm mit der Handschuhkante. Kein Wirkungstreffer, aber einer mit Folgen für die Optik. Sei’s drum. „Das passiert. Ich habe die Deckung vernachlässigt“, sagt der 20-Jährige trotzig – und holt zum nächsten Schlag aus: „Bei der Kreismeisterschaft werde ich angreifen.“ Am 7. Februar steigt er in der Beverhalle in Ostbevern wieder in den Ring. Dann gegen einen Rivalen seines Kalibers.

Ältester Boxverein der Stadt

Der Boxsportclub Münster, kurz BC, ist der älteste Boxverein in der Domstadt. Er wurde 1923 gegründet. 225 Mitglieder tummeln sich nach der jüngsten Zählung im und um den Ring in der Sporthalle der Geistschule. Besonders Frauen sind willkommen. Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass sich speziell das weibliche Geschlecht von dieser vermeintlichen „Männerdomäne“ angezogen fühlt. Informationen zu Trainingszeiten oder einem kostenlosen Probetraining gibt es unter ✆ 02 51/53 01 87 51 oder im Internet unter:  

Horstmann ist Kummer gewohnt. Ein Kerl mit Nehmerqualitäten. 2014 bei der NRW-Meisterschaft zum Beispiel. Nach einem unerlaubten Kopfstoß seines Gegenübers taumelte er mit einem Cut über dem rechten Auge durch den Boxring. Fünf Stiche waren notwendig, um die Blutung zu stoppen. Mehr als ein Fingerzeig. Gezeichnet zog er sein Ding durch, scheiterte erst im Finale. „Dort oben bin ich ein anderer Mensch, da kenne ich keinen Schmerz“, erzählt der Westfalenmeister von 2015. Und deutet mit seiner Rechten auf einen weiteren Cut über dem linken Auge. „Drei Stiche“, lächelt er.

Freundin Nadja Shadid streicht ihm derweil liebevoll durchs Gesicht. Die 19-Jährige hat ihren Leo beim Training hier in der alten Sporthalle der Geistschule an der Grevingstraße kennengelernt. In den Wänden des altehrwürdigen Gemäuers, das schon zahlreichen Faustkämpfern eine sportliche Heimat gegeben hat. Shadid, die ab und an selbst beim BC die Boxhandschuhe just for fun überstreift, weiß (aus eigener Erfahrung), dass ihr Freund mit Herzblut und verdammt viel Ehrgeiz einen Sport betreibt, der gefährlich ist. Und mitunter auch Narben hinterlässt. Aber eines, das weiß sie noch besser: „Hinter der harten Schale steckt bei Leo ein weicher Kern.“

Soziales Jahr

Einer, der sich unter anderem für Schwächere einsetzt. Zurzeit leitet Horstmann im Rahmen seines sozialen Jahres eine Koordinations- und Konzentrations-AG an einer Förderschule für sozial-emotional benachteiligte Kinder. „Das macht so viel Spaß“, sagt der. „Darin gehe ich richtig auf.“ Noch bis September. Dann will er studieren. Oder ins Ausland. Abwarten. Und das Boxen? „Wird darunter nicht leiden. Ich liebe es, mich zu messen, an meine Grenzen zu gehen“, gesteht er.

Zwölf Kämpfe auf Amateurebene hat er bislang absolviert, neun gewonnen, drei verloren. Da ist reichlich Luft nach oben. Fünf Siege fehlen zum Aufstieg in die Eliteklasse A.

Dabei ist der junge Mann von Haus aus ein Flemmer. In der Jugend spielte es ausnahmslos für den TuS Hiltrup. Jahrelang war es der Fußball, der ihn so sehr faszinierte. Und dann? „Dann fehlte mir plötzlich etwas“, erinnert er sich an das letztes Jahr bei den B-Junioren. Das Leder hatte seinen Reiz auf mal verloren. „Ich wollte was Individuelles machen.“ So simpel ist das manchmal. Horstmann hielt seine Nase neugierigerweise mal beim Kickboxen rein – und blieb hängen. Mit Erfolg – im Leichtkontakt. NRW-Meister und Zweiter bei der Deutschen Meisterschaft wurde er – 2013 war sein Jahr.

Trainer Rainer Fränzschky, begeistert von seinem Schützling, förderte im Speziellen aber auch seine boxerische Ader – und öffnete ihm so die Pforte zum Boxsportclub. Und Leo Horstmann? Der machte aus seiner Sicht das einzig Richtige, das einzig Vernünftige – er trat ein.

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