Fr., 29.01.2016

Beschwerde stattgegeben Durchsuchungsbeschluss gegen Preußen-Sicherheitsbeauftragten aufgehoben

Landgericht Münster. Foto: Friso Gentsch/dpa

Die 2. Strafkammer des Landgerichts Münster gab am Freitag der Beschwerde von Roland Böckmann, Sicherheitsbeauftragter des SC Preußen, gegen den gegen ihn vor 14 Tagen erwirkten Durchsuchungsbeschluss statt. Foto: Friso Gentsch/dpa

Münster - 

Der Durchsuchungsbeschluss gegen den Sicherheitsbeauftragten des SC Preußen wurde aufgehoben.

Von Thomas Rellmann

Das ist ein harter Schlag für Staatsanwaltschaft und Polizei. Die 2. Strafkammer des Landgerichts Münster gab am Freitag der Beschwerde von Roland Böckmann, Sicherheitsbeauftragter des SC Preußen, gegen den gegen ihn vor 14 Tagen erwirkten Durchsuchungsbeschluss statt – ein seltener Vorgang in der Justiz. Weitere Rechtsmittel stehen nicht zur Verfügung. Oberstaatsanwalt Heribert Beck verwies als Pressedezernent auf „eine andere Rechtsauffassung“ als sie das Amtsgericht hatte.

Böckmann darf sich freuen, dass der Durchsuchungsbeschluss aufgehoben ist, eine Anklage wegen des Verdachts der Strafvereitelung ist theoretisch noch denkbar, gilt aber als unwahrscheinlich. „Mein Mandant darf sich nach dem Beschluss von Freitag als rehabilitiert betrachten“, sagt Rechtsanwalt Detlev Ströcker. „Es war nicht mal ein Anfangsverdacht erkennbar, die Ermittlungen waren an den Haaren herbeigezogen.“ Dennoch hat Böckmann beschlossen, nicht mehr auf seinen Posten beim Fußball-Drittligisten zurückzukehren. Ströcker: „Jede Vertraulichkeit zu den Sicherheitsbehörden ist dahin nach 13 Jahren Tätigkeit in dieser Position.“

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Deeskalation nicht in Sicht

Bei dem Verfahren ging es um die Auswertung des Videomaterials vom Skandalspiel des SCP gegen Hansa Rostock am 16. Oktober, das wegen massiver Pyrotechnik-Einsätze kurz vor dem Abbruch stand. In einer Polizei-Niederschrift des Vernehmungsprotokolls hieß es, der Preußen-Mitarbeiter habe keine relevanten Hinweise gegeben. Das hatte die Staatsanwaltschaft offenbar falsch interpretiert, denn der Sicherheitsbeauftragte hatte sehr wohl Personen erkannt und benannt – nur eben solche, die die Beamten bereits identifiziert hatten, wie Daniel Stenner, Pressesprecher des Landgerichts bestätigte. „Dass der Beschuldigte wahrheitswidrig gehandelt hat, trifft nicht zu.“ Der vorliegende Beschluss liest sich fast wie ein Freispruch.

Warum also die Ermittlung gegen den 45-Jährigen? Jurist Ströcker hat einen klaren Verdacht. Zwar dürfen die auf PC, Handy oder Laptop sichergestellten Daten nicht mehr gegen Böckmann verwendet werden – wohl aber gegen Mitglieder der Fanszene, gegen die ebenfalls Verfahren laufen. „Erste Konsequenzen haben Teile der Ultras bereits zu spüren bekommen“, so der Anwalt. „Alles spricht dafür, dass der Sicherheitsbeauftragte ein Bauernopfer war. Der Staatsanwaltschaft muss klar gewesen sein, dass es so wie jetzt kommt.“ Konfrontiert mit dieser Interpretation sagte Beck: „Das ist schlichtweg unrichtig.“ 

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