Mo., 22.02.2016

Leichtathletik: Weitsprung Preußen-Talent Klehn lässt alle hinter sich und hat alles vor sich

Mutig, fleißig, ehrgeizig: Für Björn-Ole Klehn hat sich der Wechsel nach Münster gelohnt. In Dortmund wurde er am Samstag U-20-Meister, am nächsten Wochenende startet er erstmals für Deutschland.

Mutig, fleißig, ehrgeizig: Für Björn-Ole Klehn hat sich der Wechsel nach Münster gelohnt. In Dortmund wurde er am Samstag U-20-Meister, am nächsten Wochenende startet er erstmals für Deutschland. Foto: Iris Hensel

Münster - 

Der Satz auf 7,62 Meter hatte für Björn-Ole Klehn ungeahnte Folgen: Gold bei der U-20-DM in Dortmund. Dabei verlief das erste Jahr im Dress des SC Preußen nicht ohne Anlaufschwierigkeiten. Doch inzwischen hat sich der Schritt aus Rostock nach Münster bezahlt gemacht.

Von Wilfried Sprenger

Das Talent wurde Björn-Ole Klehn in die Wiege gelegt. Die Oma war DDR-Meisterin im Hürdenlauf, die Mutter brachte es im Basketball zum Meistertitel und der Vater glänzte als erfolgreicher Segler. Nun hat der jüngste Spross der Familie die schöne Geschichte fortgeschrieben: In Dortmund ließ sich Björn-Ole Klehn am Wochenende als Deutscher U-20-Meister im Weitsprung feiern. Fabelhafte 7,62 Meter legte er auf seiner Luftfahrt vom Abflug bis zur Landung zurück. Die strahlende Trainerin Elke Bartschaft sprach hernach von einem Quantensprung. Und der glückliche Athlet sagte: „Es hat sich alles gelohnt.“

Alles? Das ist im Fall des Teenagers tatsächlich sehr viel. Mit 16 zog er zu Hause im fernen Rostock aus, weil er mit den Trainingsbedingungen dort nicht mehr zufrieden war. Münster um Bundestrainerin Elke Bartschat wurde sein neuer Lebensmittelpunkt. Umzug ins Sportinternat, Schulwechsel ans Pascal-Gymnasium, fast alles neu im Leben des jungen Leistungssportlers. Heute, fast genau ein Jahr später, weiß der 17-Jährige, dass sich sein Mut ausgezahlt hat. In Dortmund tat er den bisher weitesten Satz seiner Karriere, Eltern und Freunde aus der Trainingsgruppe beim SC Preußen zählten zu den ersten Gratulanten.

Zähe Momente

Klehn fielen die Dinge nicht in den Schoß. Die erste Freiluft-Saison im neuen Umfeld hatte zähe Momente. Es ging nicht recht voran, mit 7,07 Metern stand er in den Statistiken. Das war weniger als erwartet. Trainerin und Schützling mussten sich in Geduld üben.

Es hat sich gelohnt, dieser Winter brachte dem Gymnasiasten den Durchbruch. Die Meisterschaft in Dortmund wird Klehn immer in Erinnerung behalten. „Ich war gut in Form und wusste, dass es zu einer Medaille reichen könnte. An Gold habe ich nicht gedacht“, sagt der Überflieger. Elke Bartschat vielleicht schon: „Björn hat viel Tempo im Anlauf und seine Technik deutlich verbessert. Mir war schon klar, dass es weit hinausgehen würde, wenn es am Brett passt.“ Nun, es passte ganz hervorragend. Mit seinem dritten Versuch schockte der Münsteraner die Konkurrenz. Silber ging am Samstag mit 7,29 Metern weg. Da lagen am Ende satte 33 Zentimeter zwischen Rang eins und zwei.

Verzicht auf Leipzig

Und was jetzt? Obwohl Klehn in Dortmund auf Platz vier der deutschen Bestenliste flog, verzichtet er auf die Hallen-DM der Aktiven am Wochenende in Leipzig. Der junge Mann hat etwas noch Besseres vor. Freitagmorgen düst er mit seiner Trainerin zum U-20-Länderkampf nach Padua. Es ist seine Premiere im DLV-Trikot. „Ein Traum“, sagt Klehn, „mein erster Start für Deutschland. Ich freue mich.“

Elke Bartschat freut sich mit. Die Frage, wie weit es irgendwann für ihren Zögling gehen könnte, beantwortet sie nicht. „Das ist von so vielen Komponenten abhängig, es wäre reine Spekulation.“ Schon der Länderkampf sei neben Lust auch Last. „Das Nationaltrikot ist noch einmal viel schwerer als irgendein anderes. Da muss man regelrecht reinwachsen.“

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