Mi., 24.02.2016

Volleyball Ein Coach im Wartestand – Axel Büring hat viel Zeit und viele Ideen

Axel Büring war fast 20 Jahre das Gesicht am Berg Fidel, ehe sein Vertrag nicht verlängert wurde.Noch immer sucht er eine neue Anstellung, aktuell betreut er ehrenamtlich die Beachvolleyballer Fuchs und Windscheif (kl. Foto)

Axel Büring war fast 20 Jahre das Gesicht am Berg Fidel, ehe sein Vertrag nicht verlängert wurde.Noch immer sucht er eine neue Anstellung, aktuell betreut er ehrenamtlich die Beachvolleyballer Fuchs und Windscheif. Foto: Peperhowe

Münster - 

Fast 20 Jahre lang stand Axel Büring an der Seitenlinie und gab den Bundesliga-Volleyballerinnen des USC Münster die Taktik und Marschroute vor. Im Frühjahr 2015 aber verlängerte der Club den auslaufenden Vertrag nicht, seitdem befindet sich der Coach im Wartestand.

Von Wilfried Sprenger

Vor der Haustür stehen rustikale Trekkingschuhe, an denen frischer Lehm klebt. Axel Büring ist gerade mit Jagdhund Rocky länger in Wald und Wiesen unterwegs gewesen. Das macht er dreimal am Tag, der 48-Jährige hat viel Zeit. Das war früher anders, fast zwei Dekaden trainierte der Amelsbürener die Bundesliga-Volleyballerinnen des USC Münster. Da führten seine Wege regelmäßig zur Sporthalle Berg Fidel und seltener in die Natur.

Früher – dieser bemerkenswert lange Lebensabschnitt endete im Lenz 2015. Damals entschied der Club, den Vertrag mit dem Coach nicht zu verlängern. „Nüchtern betrachtet“, sagt Büring, „ist das alles in Ordnung gewesen.“ Nur eines stößt ihm noch heute bitter auf. „Wenn mir der Verein schon im Dezember oder Januar reinen Wein eingeschenkt hätte, hätte sich vielleicht ein anderer Bundesligist für mich interessiert. Im April waren alle Stellen besetzt.“

„Alles gut“

Heute, zehn Monate später, wartet Axel Büring, der mit dem USC mehrfach Meister und Pokalsieger wurde und sogar international triumphierte, noch immer auf eine Festanstellung. Er ist arbeitslos gemeldet, eine Abfindung, die ihm die Unabhängigen zahlen mussten, ermöglicht es ihm noch, seinen Lebensstandard zu halten. „Alles gut“, sagt er auf die Frage, wie es ihm gehe. Alles gut, das trifft zumindest auf sein privates Umfeld zu. Mit Freundin Andrea Berg, die einst Kapitän der Erstligamannschaft war, ist er inzwischen verlobt. Irgendwann will das Paar heiraten. „Aber nicht solange ich keine Arbeit habe“, stellt Büring fest.

Der Volleyball-Trainer stand lange auf der Sonnenseite. Jetzt wirft das Leben Schatten. Büring versucht damit umzugehen, so gut es geht. Er denkt positiv – trotz Absagen. Bewerbungen um den Posten des Nationaltrainers und die Nachfolge von Alberto Salomoni in Potsdam hatten keinen Erfolg. Abgehakt, zuversichtlich bleiben. „Ich weiß, was ich kann“, sagt Büring. Aber wissen das auch andere?

Blick ins Ausland

Axel Büring ist in den vergangenen Monaten nicht untätig gewesen. Er hat sich vielerorts weitergebildet, auch im Ausland (Polen, Österreich, Holland). Und zudem in anderen Sportarten (Fußball, Tennis) hospitiert. Aktuell betreut er die Beachvolleyballer Sebastian Fuchs und Stefan Windscheif. Das Duo steht auf Platz drei der deutschen Rangliste. „Richtig gute Jungs“, sagt Büring. Die Krux: Die Jungs haben kein Geld, um den Coach zu bezahlen, es ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. „Aber es macht Spaß und es ist wichtig, um im Geschäft zu bleiben“, sagt Büring.

Seit fast einem Jahr ist Büring nicht mehr wirklich im Geschäft. Manchmal hat er daran gedacht, komplett umzuschulen. „Aber mit bald 50?“, fragt er und gibt die Antwort selbst. Nein, der bodenständige Münsteraner möchte im Sport bleiben. Am liebsten bei den Volleyballern. Auch im Ausland? „Kein Problem, wenn das Paket stimmt“, erklärt der Suchende. Axel Büring hat auch andere Ideen. „Vielleicht kann ich mich selbstständig machen, als Dienstleister im Sport arbeiten, in einem Verein oder einem Verband Strukturen aufbauen und auf diesem Wege meine Erfahrungen weitergeben. Es wäre doch wirklich einen Versuch wert.“

Büring bleibt optimistisch. Er hadert nicht mit seiner aktuell misslichen Situation. „Ich war Mitte 20, als ich ganz auf die Karte Volleyball gesetzt habe. Im Grunde genommen“, erklärt Büring, „musste ich damit rechnen, irgendwann einmal an einem Punkt zu stehen, wo es eben nicht sofort weitergeht.“



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