Fr., 04.03.2016

Fußball: Collegesport Neun Ex-Münsteraner wagen sich ins Soccer-Land

Maximilian Schulze-Geisthövel genießt es, im Urlaubsparadies Florida Fußball spielen zu dürfen. Leon Schwarzer (kleines Bild, Mitte) hat es an die University of South Carolina Upstate verschlagen.

Maximilian Schulze-Geisthövel genießt es, im Urlaubsparadies Florida Fußball spielen zu dürfen. Leon Schwarzer (kleines Bild, Mitte) hat es an die University of South Carolina Upstate verschlagen. Foto: WN/Florida

Münster - 

Dieser Weg scheint immer beliebter zu werden: Fußballer, die in Deutschland (im Speziellen in Münster) als Junioren höherklassig unterwegs waren, zieht es in die USA. Dort erhalten sie Stipendien an diversen Unis und kicken parallel professionell in College-Teams. Eine heimische Agentur tritt dabei vermittelnd auf.

Von Sohrab Dabir

Der Traum von der großen weiten Welt. Für viele bleibt er Illusion, einige hingegen erfüllen ihn sich und beginnen ein neues Leben in einem fernen Land. Neun junge Fußballer aus dem Münsterland sind dieses Abenteuer eingegangen und haben ihr sportliches Glück in den USA gefunden.

Einer von ihnen ist Maximilian Schulze-Geisthövel. Der 21-Jährige spielte in der Jugend von RW Ahlen und Preußen Münster. Heute schnürt der Drensteinfurter seine Fußballschuhe für die Saint Leo University in Florida.

Collegesport ist in den Staaten eine große Nummer. „Die Wertschätzung ist an den Universitäten ziemlich hoch, die Studenten finden eine Plattform, ihrem Stolz und ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen“, erzählt Schulze-Geisthövel, der seit drei Jahren im „Sunshine State“ lebt. Zu besonderen Spielen kämen schon mal bis zu 8000 Zuschauer. Dies sei zwar noch kein Vergleich zum Basketball und American Football, für junge Fußballer, die am Anfang ihrer Karriere stehen, dennoch ein großes Erlebnis.

Auf dem Weg nach Kalifornien

Marco Gatzke hat einst für die SCP-Reserve gekickt. Die neue Heimat des einstigen Münsteraners: die Winthrop University in South Carolina. Der Hiltruper Leon Schwarzer, bis zur U 19 für Preußen am Ball, hat sich zunächst für eine kleine Uni in einer kleineren Stadt entschieden. „Damit man nicht von Beginn an überwältigt wird und sich auch aufs Studium konzentrieren kann“, erklärt der 20-Jährige. Auf der University of South Carolina Upstate studiert er derzeit Business-Management. Bald soll es jedoch weiter an eine Hochschule nach San Francisco gehen.

Der Fußball in den Staaten ist ein anderer als in Europa, erzählen die Kicker. „Er ist qualitativ nicht so gut wie in Deutschland. Das liegt vorrangig daran, dass Spieler taktisch und technisch nicht so gut ausgebildet sind“, sagt der Hiltruper Lennart Zeugner vom Boston College. Es werde viel mehr Wert auf die Physis gelegt. „Mehr Fitness-, mehr Ausdauer- und mehr Sprinttraining“, berichtet der frühere Spieler der U 23 des VfL Bochum, der auch für die Preußen und Borussia Dortmund in der Jugend spielte und für die U-18- und U-19-Nationalelf unter Coach Christian Ziege auflief.

Scholarships vermittelt Stipendien

Der Kontakt zu den amerikanischen Unis wird durch die münsterische Agentur Sport Scholarships hergestellt. „Die Athleten bewerben sich bei uns. Wir erstellen dann Spielerprofile samt Videomaterial“, erklärt Mitarbeiter Malte ­Voigt die ersten Schritte.Auf diese Profile können die Trainer der US-Unis zugreifen. „Zudem veranstalten wir jährlich ein großes Sichtungsturnier in Leipzig“, so Voigt. Dort entstehe der direkte Kontakt zwischen Trainern und Spielern. Auch die Münsteraner sind über das Turnier in Sachsen in den Staaten gelandet. Bekommt man ein Stipendium für eine Universität, übernehmen die Hochschulen die Gebühren für die Studenten. „Wir begleiten den Spieler so lange, bis er in den USA ist“, sagt Voigt. Zuvor steht die Suche nach passenden Unis an. Mit der WM 2014 und dem Titel der US-Frauen im vergangenen Jahr habe der Fußball im Land einen Boom erfahren. „Es ist bei uns die Sportart, die am häufigsten vermittelt wird“, so Voigt.

Besonders in Kalifornien herrscht bei vielen Menschen Fußball-Interesse, wie Alexander Tombach (früher 1. FC Gievenbeck) berichtet, der an der Academy of Art University in San Francisco kickt. „Jedoch sind NBA und NFL für die Amerikaner noch immer viel wichtiger. Das wird auch noch lange so sein“, sagt Leon Schwarzer.

Auch Diego Menendez de Miguel (Virginia Tech, früher SC Münster 08, U 19 des BVB und Preußen II), Lukas Sommer (University of South Carolina Upstate, früher Preußens U 19) und Henning Dirks (George Mason University, früher Jugend und U 23 des SCP) haben es an die Colleges geschafft. Julian Büscher, ehemaliger Preuße, ist sogar der Sprung in die MLS gelungen, die erste Liga im US-Fußball. Der Mittelfeldspieler ist in der Hauptstadt für D.C. United aktiv und machte jüngst mit schönen Toren Schlagzeilen.

Auch Gatzke träumt von der MLS

Wohin der Weg für die College-Kicker führt, ist noch ungewiss. „In der MLS zu spielen wäre ein Traum“, sagt Gatzke. „Aber ich bin auch realistisch und weiß, dass es nicht jeder schafft. Wichtig ist, dass ich einen guten Abschluss mache“, so der 23-Jährige. Bis eine Entscheidung ansteht, gehen die jungen Fußballer einem geregelten Alltag im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nach. Fußball, Krafttraining, Vorlesungen. „Die Wochen sind komplett durchstrukturiert“, so Gatzke. Für Athleten bleibe neben Uni und Sport wenig Zeit für andere Aktivitäten.

Dennoch fühlen sich die Ex-Münsteraner wohl. „Ich mag die Offenheit und Lockerheit der Amerikaner. Auch die Hilfsbereitschaft ist ziemlich ausgeprägt“, findet Zeugner. Die sportliche und berufliche Zukunft steht für die Auswanderer noch in den Sternen. Doch die einmalige Erfahrung kann ihnen niemand mehr nehmen.

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