Fr., 11.03.2016

Fußball-Bezirksliga Bei Wacker kommt Training jetzt vor Vorlesung

Kein Grund, so zerknirscht dreinzuschauen: Sven Lewandowski steckt mit Wacker Mecklenbeck mitten im Abstiegskampf der Fußball-Bezirksliga. Die Hoffnung aber hat der Coach noch nicht aufgegeben.

Kein Grund, so zerknirscht dreinzuschauen: Sven Lewandowski steckt mit Wacker Mecklenbeck mitten im Abstiegskampf der Fußball-Bezirksliga. Die Hoffnung aber hat der Coach noch nicht aufgegeben. Foto: Stefan Bamberg

Münster - 

Bezirksligist Wacker Mecklenbeck hatte zuletzt mehr Trainer als Punkte, das soll sich im Saisonfinale und im verschärften Abstiegskampf jetzt ändern.

Von Uwe Niemeyer

Rückenwind erhoffen sich die „Veilchen von der Egelshove“ durch Sven Lewandowski. Nach Mario Zohlen und Andreas Höppner ist er der dritte Trainer in der laufenden Saison – und der nächste Hoffnungsträger. „Wir haben noch nichts abgeschrieben. Es sind noch 33 Punkte zu vergeben. Wir werden uns jedenfalls nicht freiwillig den Stempel eines Absteigers aufrücken“, versichert der Coach.

Dabei wirft der 29-Jährige fast unbemerkt eine Eigenschaft in die Waagschale, die der Schlüssel sein könnte: Lewandowski ist Student. Schließlich hält sich hartnäckig das Gerücht, Wacker sei aufgrund (zu) vieler Studenten untrainierbar. „Ja, wir haben acht bis zehn. Aber den Eindruck kann ich im Moment nicht bestätigen“, entgegnet Lewandowski, der in einem Jahr sein Studium auf Lehramt abgeschlossen haben will. Unbekannt ist ihm das Thema nicht. Das der mangelnden Bereitschaft im 25er-Kader auch nicht: „Ich erinnere mich an Zeiten im Herbst, als ich noch mit der Zweiten trainierte, dass sich auf der anderen Seite bei der Ersten acht oder neun Spieler tummelten.“ Derzeit sind es in der Regel schon 14 Akteure, zum Spiel am Sonntag, zu dem Dominic Briel (Knieverletzung) ausfällt, 16 Kicker.

Jedenfalls setzt Wacker nun auf einen Studenten, der die „Gleichgesinnten“ am Nerv trifft. Stallgeruch kommt hinzu. Seit 1991 ist er im Verein. Als Jugend- und Seniorenspieler sowie als Trainer. In der E-Jugend betreute er Tom Niermann und Milan Brügge, in der B-Jugend Thomas Kroker und Lasse Saerbeck. Dahinter verbirgt sich ein Ansatz. Er will sie in die Pflicht nehmen, an das Wir-Gefühl und gemeinsame Zeiten appellieren: „Es geht nur über den Zusammenhalt und den Bock, in der Ersten spielen zu wollen.“

„Viele setzen andere Prioritäten“

Ähnlich dachte schon Mario Zohlen: „In der zweiten Saison haben wir sogar den Kader vergrößert, doch der Effekt war gleich null. Viele setzten andere Prioritäten.“ Keine Exklusiv-Entwicklung bei Wacker, aber eine dort bisweilen stark ausgeprägte. Zohlen, der über 20 Jahre im Club aktiv war, sagt auch: „Es geht nur über jeden einzelnen.“ Potenzial sieht er: „Wenn sie auf 15 oder 16 Mann kommen, ist die Qualität da.“ Nicht von ungefähr stehen Spieler auf den Wunschzettel anderer Vereinen – so wie Luca Jungfermann bei der SG Telgte und Westfalia Kinderhaus.

Einstellung ist also das Stichwort. So eröffnete ein Akteur in der Winter-Vorbereitung, dass er nur noch einmal, dienstags, trainieren könne. Kurze Zeit später, an einem weiteren Trainingstag, kletterte er beim Besuch des Kreispokal-Titelsponsors in den Bus. „Das ist ja Hobby und Freizeit“, wird seine Begründung überliefert. Ein Mannschaftskamerad hatte sich zuvor bis Mai eine Auszeit genommen. Nicht aber für die Brauereifahrt.

Andere Parameter im Abstiegskampf

„Das war bestimmt nicht immer so. Im Abstiegskampf müssen aber grundsätzlich andere Parameter gelten“, sagt Andreas Höppner. Nach einem Spiel im Dezember und einer Trainingswoche sowie vier zu Jahresbeginn zog er die Reißleine. Auch weil sich einige Spieler nicht mit seiner im Abstiegskampf erforderlichen Arbeitsweise anfreunden konnten – oder wollten.

Mehr denn je stehen sie nun im Fokus. „Die Mannschaft ist jetzt in der Pflicht. Sie muss liefern“, weiß Lewandowski. Erste Ansätze hat er ausgemacht. Vielleicht wird es unter Trainer Nummer drei ja doch noch zu einer runden Sache, gibt es im Sommer Grund zum feiern – den Klassenerhalt, den Vereinsgeburtstag und das Zehnjährige in der Liga.



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