So., 13.03.2016

Fußball: 3. Liga Preußen-Tristesse nach erneuter Auswärtsniederlage

Viel Arbeit, wenig Ertrag: Nach einem harten, aber glanzlosen Arbeitstag herrschte bei den Preußen Ratlosigkeit. (v.l.) Mehmet Kara, Marco Pischorn, Benjamin Schwarz, Stephane Tritz und Björn Kopplin konnten nicht zufrieden sein.

Viel Arbeit, wenig Ertrag: Nach einem harten, aber glanzlosen Arbeitstag herrschte bei den Preußen Ratlosigkeit. (v.l.) Mehmet Kara, Marco Pischorn, Benjamin Schwarz, Stephane Tritz und Björn Kopplin konnten nicht zufrieden sein. Foto: Jürgen Peperhowe

Stuttgart - 

Und wieder ein Rückschlag für die Preußen. Die Mannschaft tritt auf der Stelle, die 0:1-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers förderte zu Tage, dass es nach wie vor viele Baustellen gibt. Trotzdem ist tabellarisch Platz drei oder vier in Sichtweite – was seltsam genug klingt.

Von Ansgar Griebel

Da kniet die halbe Liga nieder, legt demütig die Hände ineinander für eine prächtige Räuberleiter – und die Preußen kommen einfach nicht in den Sattel. Mit 0:1 (0:1) unterlag der Drittligist bei den abstiegsbedrohten Stuttgarter Kickers und machte statt drei kleine Schritte voran wieder einen großen zurück. Und was macht die Konkurrenz? Sie verzeiht´s. Münsters Aufstiegshoffnungen haben offensichtlich sieben Leben – vor allem immer wieder beseelt von den Ergebnissen auf den anderen Plätzen.

Eine Tatsache, die am Samstagnachmittag im Gazi-Stadion zu Stuttgart allerdings nicht als Trostpflaster taugte. „Wenn wir selber nicht die Ergebnisse abliefern, dann ist es völlig Wurst, wie die anderen spielen“, sagte nach der zweiten Nullnummer in Folge Preußen-Stürmer Marcel Reichwein. Er stand wie so oft in dieser Saison 70 Minuten lang auf dem Platz – erstmals allerdings die letzten, weil sich Frontmann Adriano Grimaldi nach 20 Minuten mit einer Oberschenkelverletzung vorzeitig vom holprigen Acker machte.

Akt der Verzweiflung

Am Ende des Spiels waren dann auch noch Rogier Krohne (als Ersatz für den enttäuschenden Philipp Hoffmann/62.) und Cihan Özkara, der Benjamin Schwarz ablöste (73.), in vorderster Front zu finden. Wie schon gegen Osnabrück hatte Trainer Horst Steffen alle verfügbaren Offensivkräfte aufgeboten, was beide Male wohl eher ein Akt der Verzweiflung denn Ausdruck taktischer Finesse war. Im Gegensatz zum Osnabrück-Spiel vergab Preußen Münster in Stuttgart immerhin längst nicht mehr so viele Chancen – dafür aber zuverlässig die wenigen Gelegenheiten, die sich in 90 hart umkämpften, aber glanzlosen Minuten auf der Waldau ergeben hatten.

Und so siegte schließlich das Team, das am Samstag den einen Sonntagsmoment erwischte: Als nämlich in der 42. Spielminute Stuttgarts Alessandro Abruscia das Leder volley aus knapp 20 Metern vom rechten Strafraumeck über den machtlosen Keeper Niklas Lomb im Preußentor hinweg ins lange Ecke beförderte. Bis dahin spielten die Gastgeber bestenfalls mit, entwickelten aber keinerlei ersichtliche Ambitionen in Richtung Preußen-Tor. „Und dann dieser Treffer aus dem Nichts“, wie auch Kickers-Trainer Tomislav Stipic freimütig zugestand. Er bescheinigte der Mannschaft im Anschluss, dass sie alles gezeigt habe, was sie kann, „und das ist nicht viel“. Die Vorstellung des Teams habe ihn nicht im geringsten „berührt“. Stipic ging hart mit der Mannschaft ins Gericht – mit der eigenen wohlgemerkt. Das war – nur zur Erinnerung – die, die mit 1:0 gewonnen hatte. Dem Verlierer aus Münster attestierte er eine starke Vorstellung, nach grober Schätzung einen Ballbesitz von etwa 70 Prozent und den erbrachten Nachweis, eine „absolute Spitzenmannschaft“ zu sein. Bei aller Würdigung des großen Einsatzes und der unermüdlichen Laufbereitschaft der Preußen eine etwas befremdliche Analyse.

Wiedersehen für Steffen

Horst Steffen hatte alle Hände voll zu schütteln an diesem Samstag an seiner alten Wirkungsstätte. Zwei größtenteils gute Jahre verbrachte der 46-Jährige als Trainer bei den Kickers, ehe er im September nach sechs Niederlagen in Serie entlassen wurde. Jetzt war er wieder da – und erlebte nach besagten sechs Niederlagen wieder einen Sieg der Kickers. Zur falschen Zeit gegen den falschen Gegner: Und dennoch hatte diese Tour in die Vergangenheit nette Seiten: „Das war ein schönes Wiedersehen. Das hat Spaß gemacht – und dann kam das Spiel.“ Steffen hat noch Kontakte, weniger zum Team, als vielmehr zu den Personen im Hintergrund: „Und das ist mir wichtig“, betont er. „Die Mannschaft fehlt mir nicht. Es geht um die Menschen. Da habe ich hier in Stuttgart sehr viele, sehr nette kennengelernt. Die fehlen mir jetzt schon.“ Vor Spielbeginn steuerte Steffen aus alter Gewohnheit die Bank der Hausherren an – fand dann aber doch den rechten Weg. Seine Mannschaft tat sich da mit der Oreintierung auf dem Feld schon schwerer – und ermöglichte den Stuttgarter Kickers vor 3560 Zuschauern den 1000. Sieg ihrer Nachkriegsgeschichte.

„Ja, was der Tomislav Stipic da sagt. Naja“, sagte Kollege Steffen im Anschluss. „Ich glaube, ich bin in der Lage, so ein Spiel selbstständig zu analysieren.“ Zu Protokoll gab er dann die höfliche offizielle Version, die mit dem „guten Start“, die mit „viel gearbeitet und investiert“ und die mit dem „Gegentor, das in dieser Liga Spiele entscheidend verändert“. Alles schon mal gehört, im kleinen Kreis wird der Trainer offenere Worte finden. Und: Vom Aufstieg dürfte da sicher nicht mehr die Rede sein.



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