So., 20.03.2016

Fußball: 3. Liga „Steffen-Effekt“ bei Preußen Münster schon verpufft?

Horst Steffen hat sein System noch nicht in den Köpfen seiner Spieler verankern können – wie die Ergebnisse beweisen.

Horst Steffen hat sein System noch nicht in den Köpfen seiner Spieler verankern können – wie die Ergebnisse beweisen. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Zehn Punkte bis zum Relegationsplatz, sieben Zähler Vorsprung zur Abstiegszone: Das ist gelebtes Mittelmaß, am Samstag auf dem Platz allerdings noch weit weniger. Quo vadis SC Preußen?

Von Ansgar Griebel

Preußen Münster verliert vor überschaubaren 6330 Zuschauern gegen den VfR Aalen. Dominick Drexler trifft zum 1:0 für Aalen und Lion Schweers unterläuft kurz vor der Pause ein Eigentor zum 2:0-Endstand – das war‘s eigentlich schon. Viel mehr gibt es von diesem Samstagnachmittag an der Hammer Straße nicht zu berichten. Womit kann also dieser Platz gefüllt werden, an dem üblicherweise über Treffer berichtet wird, wo Torgelegenheiten protokolliert oder wenigstens gelungene Spielzüge nachgezeichnet werden. Wenn es da nichts zu erzählen gibt?

Vier Veränderungen und die zehnte Gelbe Karte

Nach dem schon nicht berauschenden Vortrag beim 0:1 in Stuttgart zuletzt änderte Trainer Horst Steffen seine Aufstellung auf vier Positionen. Dass Marcel Reichwein den verletzten Adriano Grimaldi ersetzte, war keine Überraschung. Schon eher, dass Felix Müller hinten links wieder Stéphane Tritz ablöste oder dass Danilo Wiebe halbrechts im Mittelfeld Elie Laprevotte vertrat. Für Benjamin Schwarz (Muskelfaserriss) kehrte der angeschlagene Kapitän Amaury Bischoff zurück. Alle Änderungen verfehlten ihren Effekt. Genau wie die frühen (aber logischen) drei Auswechslungen. Garantiert ist zumindest eine Neuerung in zwei Wochen bei Hansa Rostock.Bischoff, der am Samstag die einzige echte Torchance mit einem Freistoß hatte (45.+2), handelte sich die zehnte Gelbe Karte ein.

Raum also für eine kleine Bilanz, vielleicht sogar die richtige Zeit, um über den „Steffen-Effekt“ zu philosophieren. Ist der schon verpufft, gab es den überhaupt? Der Mann zumindest, der diesem Effekt seinen Namen gibt, wirkte nach Spielschluss desillusioniert: „Dieses Gefühl, mit dem Neuen da geht etwas, mit dem Steffen macht das mehr Spaß, scheint nicht mehr da zu sein“, sagt Horst Steffen, der auch nach der fünften Niederlage in seinem zehnten Preußenspiel nicht niedergeschlagen wirkte und sich wie stets mit breiten Schultern vor seine Mannschaft stellte – der aber zunehmend nachdenklich wirkt. „Manchmal geht es mir wie Ihnen auf der Tribüne. Da schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen und denke: ,Warum spielt der nicht ab, warum schießt der nicht?´“ Beim Abschlusstraining am Freitag haben Torschüsse auf dem Programm gestanden, sagt Steffen – den Abschnitt hätte man sich sparen können. „Über die Flügel geht nichts nach vorne, die Innenverteidiger dribbeln nicht an. So wird das nichts.“

Mit zwei Aufträgen sei sein Engagement in Westfalen verbunden gewesen: „Attraktiver spielen und erfolgreich. Attraktiver haben wir dann und wann gespielt. Erfolgreich? Eher nicht.“ Eine sehr ehrliche Kurzanalyse, die in der Tabelle schonungslos dokumentiert wird. Der SC Preußen ist mit Aufstiegsambitionen ins Jahr gestartet und hat sich jetzt auf Nimmerwiedersehen im tabellarischen Niemandsland festgesetzt, unüberbrückbare zehn Punkte beträgt der Rückstand zum Relegationsplatz, nur noch sieben Zähler trennt das Team vom ersten Abstiegsplatz. Das Gros der Punkte hatte Steffen noch von Vorgänger Ralf Loose übernommen, allerdings auch den massiven Abwärtstrend.

Auf- und Abstieg sollten in Münster kein Thema mehr sein. Was bleibt also? „Wir müssen weiter hart arbeiten und uns Schritt für Schritt weiter entwickeln“, sagt Steffen und kann auch in diesen Zeiten der sportlichen Depression glaubhaft Aufbruchstimmung vermitteln. Er denkt dabei über das Saisonende hinaus. In der Formel-1-Terminologie befände sich der SCP demnach in der Aufwärmrunde, im Juli müsste dann die „schnelle“ Runde folgen, dann zählt es: mit Vollgas über die Startlinie und fehlerfrei über die gesamte Strecke. Auch das ist wohl eine Mammutaufgabe.

Am Samstag überzeugte der SC Preußen zumindest in einer Unterwertung: Mit 5:1 entschieden die Platzherren die Kategorie „Gelbe Karten“ eindeutig für sich. Auch das ist weder attraktiv noch erfolgreich – aber immerhin ein Lebenszeichen. Jetzt hat das Team erst einmal zwei Wochen Punktspiel-Pause, „die die Mannschaft, glaube ich, sehr gut gebrauchen kann“, so Steffen.



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