Di., 22.03.2016

Volleyball: Damen-Bundesliga USC-Präsident Adler ist hin- und hergerissen

USC-Präsident im Wechselbad der Gefühle: Mal zeigt er sich entsetzt, dann nachdenklich, am Ende aber siegessicher und geradezu euphorisch. Im Sommer warten auf den Clubchef nun schwierige Aufgaben.

USC-Präsident im Wechselbad der Gefühle: Mal zeigt er sich entsetzt, dann nachdenklich, am Ende aber siegessicher und geradezu euphorisch. Im Sommer warten auf den Clubchef nun schwierige Aufgaben. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Sportlich läuft es nach Plan für den USC Münster. Der Einzug ins Playoff-Halbfinale ist ganz nah, das Team harmoniert gut. Doch finanziell droht dem Verein auch in diesem Sommer ein Kraftakt, wie Präsident Jörg Adler einräumt.

Von Wilfried Sprenger

Der vergangene Sonntag hat Jörg Adler richtig Freude bereitet. Mit einem 3:1-Erfolg über den VC Wiesbaden stieß der USC Münster die Tür zum Playoff-Halbfinale weit auf, knapp 1800 Zuschauer (die Zahl wurde nachträglich nach oben korrigiert) sorgten für eine famose Stimmung, und nachher führte der Präsident im VIP-Raum noch viele Gespräche mit ausnahmslos zufriedenen Gästen. „Da waren einige ganz neue dabei, andere schon sehr lange nicht mehr da. Ich hatte das Gefühl, dass an diesem Nachmittag wieder Blut geleckt wurde“, sagte Adler.

Der Clubchef befindet sich in diesen Tagen im Dauerspagat. Da ist natürlich die Freude über den sportlichen Erfolg. „Wir dürfen zufrieden sein. Die Geschichte macht großen Spaß, der Sonntag war fantastisch“, erklärt Adler. Als Präsident hat der ehemalige Zoodirektor aber auch die Aufgabe, das große Ganze im Auge zu behalten und zusammen mit seinen Vorstandskollegen die Zukunft zu planen. Die wird Veränderungen bringen, soviel ist sicher.

Schwieriges Geschäft

Profivolleyball ist ein schwieriges Geschäft. Mehrere Vereine in der Bundesliga haben wirtschaftliche Probleme. Es sind enorme Auflagen zu erfüllen, da schwitzen sie an manchen Standorten Blut und Wasser. Der USC hat vor der Saison viel Geld in die Hand genommen und üppig in die Mannschaft um den neuen Trainer Andreas Vollmer investiert. Das zahlt sich sportlich aktuell aus, wirtschaftlich sind die Dinge offenbar nicht im Lot. „Wir bewegen uns auf dünnem Eis, diese Decke müssen wir unbedingt stabilisieren. Das geht nur über einen harten Sparkurs. Wir sind bemüht, wo immer es geht, Kosten zu dämpfen“, sagt Adler.

Noch mag sich der Präsident nicht über das Gesicht der USC-Mannschaft in der Saison 2016/2017 äußern. „Das machen wir nach dem letzten Spiel, dann schnüren wir das Paket“, so Adler, „zurzeit wir wissen ja gar nicht, wer bleiben und wer gehen will.“ Fakt ist, dass es einiges zu klären und im Zweifel zu verhandeln gibt. Allein Leonie Schwertmann hat einen Vertrag über das Saisonende hinaus. Da wird eine Menge in Bewegung geraten.

Kommentar von Wilfried Sprenger

Auch wenn sich das offiziell anders anhört: Natürlich ist der USC längst dabei, die neue Saison vorzubereiten. Dabei wird es, auch der finanziell angespannten Lage gehorchend, zu einer neuerlichen Zäsur kommen. Siege auf Pump sollen in Münster keine Zukunft haben. Das könnte zu einem bitteren Ende führen. Der Vorstand mit Präsident Jörg Adler an der Spitze hat vor der Saison viel gewagt. Auf nachdrücklichen Wunsch der sportlichen Leitung, die schnellen Erfolg im Sinn hatte. Anscheinend geht die Rechnung auf dem Spielfeld auf, am Samstag kann der USC das Halbfinale perfekt machen. Finanziell war und ist es ein Kraftakt, den der Club nicht ein zweites Mal leisten kann. Da muss jetzt ein bisschen Tempo raus, um auf Dauer wirtschaftlich stabil tragfähig zu sein. Mit Bundesstützpunkt, Internat und Schule hat der Verein feine Ressourcen vor der Haustür. Die gilt es, zwingend zu beachten und zu nutzen beim Blick über den Tellerrand hinaus. Keine Frage: Der USC wird sich im Sommer wieder ein wenig neu erfinden. Der Blick zurück macht dabei durchaus Sinn. Unbedingt sollte auch die Frage erörtert werden, wie es passieren konnte, dass ein gut bezahlter und hoch qualifizierter Trainer wie Benedikt Frank plötzlich auf der Oberliga-Bank sitzt. Da ist an der Spitze der sportlichen Leitung etwas gründlich schief gelaufen.

Und dann wird auch die Position von Benedikt Frank neu zu fixieren sein. Der erst im vergangenen Sommer hauptamtlich eingestellte und bezahlte Techniktrainer sprang in den vergangenen Wochen als Coach des Oberliga-Teams (das in die Abstiegsrelegation muss) in die Bresche. „Da ist der Kosten-Nutzen-Effekt nicht ausbalanciert, wir werden das korrigieren. Benedikt ist ein klasse Typ und es ehrt ihn, dass er da ausgeholfen hat. Doch wir haben ihn als Technik-Trainer für den Bundesliga-Bereich eingestellt. Und das wird er auch wieder sein. Punkt!“, erklärte Präsident Adler.

Im Rückspiel in Wiesbaden kämpft Münster am Samstag um den Einzug ins Halbfinale. Der Verbleib im Wettbewerb, der Einzug in den Kreis der besten vier würde dem USC möglicherweise nicht nur diese Tür öffnen. Es geht auch darum, bestehende Sponsoren zu beglücken und potenzielle neue zu begeistern



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