Do., 24.03.2016

Jahrestag des Germanwings-Absturzes Haltern hält inne

Jahrestag des Germanwings-Absturzes : Haltern hält inne

Vor der Gedenktafel am Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See zündeten am Donnerstag viele Menschen Kerzen an. 16 Schüler und zwei Lehrkräfte der Schule kamen bei der Germanwings-Katastrophe ums Leben. Foto: dpa

Haltern am See - 

Die Nachricht traf Haltern mit voller Wucht: An Bord der Germanwings-Maschine, die in den französischen Alpen zerschellte, saß eine Schülergruppe mit ihren Lehrerinnen. Ein Jahr ist das her. Die Trauer ist noch immer kaum mit Worten zu beschreiben.

Von Florentine Dame, dpa

Minutenlang ist in Haltern nichts zu hören außer den Kirchenglocken. Wo eben noch geschäftiges Wochenmarkt-Treiben herrschte, sind die Menschen verstummt. Dicht gedrängt stehen sie auf dem Marktplatz der westfälischen Stadt, füllen auch die kleine Fußgängerzone. Viele halten sich bei den Händen. Junge Menschen mit Tränen in den Augen umklammern Grablichter, die sie mitgebracht haben zum Gedenken an die Freunde, die nie wiederkommen.

Die Stadt hält inne, genau ein Jahr nach der Katastrophe: 149 Menschen riss der Copilot von Germanwings-Flug 4U9525 in diesem Moment vor einem Jahr mit in den Tod. Nirgends klaffte die Lücke so offensichtlich wie in Haltern: 16 Schüler aus einer Jahrgangsstufe und ihre zwei Lehrerinnen vom Joseph-König-Gymnasium starben als der Airbus in den französischen Alpen zerschellte. Sie waren auf dem Rückweg von einer vergnüglichen Austauschreise in Spanien. Jetzt ist es wieder der 24. März, 10.41 Uhr.

Während der Gedenkminuten bildet sich um Bürgermeister Bodo Klimpel vor dem Kirchenportal spontan ein Kreis. Hand in Hand erinnern die Menschen an das, was der Bürgermeister das „Schlimmste und Schwierigste“ nennt, was dieser Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg passiert sei. Und noch eines wird deutlich, wenn man sieht, wie die Bürger auch 12 Monate später zusammenrücken: Die Katastrophe gehört zur Stadtgeschichte. Haltern habe entschieden, das Unglück als Bestandteil der Stadtgeschichte anzunehmen, sagt Klimpel.

Während der anschließenden Andacht in der roten Backsteinkirche St. Sixtus bleibt kein Platz unbesetzt. Auch viele Schüler sind gekommen. Trotz der Osterferien ist ihnen die gemeinsame Trauer wichtig. Die beiden Pfarrer wollen auch den vielen Angehörigen ein Zeichen senden, die nach Le Vernet in die Nähe der Unglücksstelle geflogen sind. Die Geistlichen sprechen vom Schmerz, der nicht vergeht. Von Erinnerung, die zusammenbringt. „Es wird immer eine Lücke bleiben“, ist ein Satz der hängen bleibt. Wie riesig diese Lücke ist, wird greifbar als der Pfarrer die Namen der Toten verliest: Es dauert schmerzhaft lang, bis der letzte der 18 Namen verklungen ist.

Haltern und das Joseph-König-Gymnasium traf die Unglücksnachricht an einem fast schon frühlingshaften Tag vor einem Jahr mit gewaltiger Wucht. Viele kannten die Toten, waren im selben Verein, machten gemeinsam Sport, kennen die trauernden Familien. Es dauerte nur wenige Stunden, da waren die Betonstufen auf dem Schulhof zu einem Meer aus Kerzen und Blumen geworden.

Fotostrecke: Haltern am Tag nach dem Flugzeugabsturz

Das Joseph-König-Gymnasium wurde zu einem Ort, an dem Halterns Bürger in den Stunden von Fassungslosigkeit und Trauer immer wieder zusammenfanden. Inzwischen erinnert auf dem Schulhof eine stählerne Gedenktafel an die Toten. Jeden Tag brennt hier eine riesige Kerze.

Am Jahrestag sind viele weitere dazu gekommen. Schüler und andere Bürger, die nicht vergessen wollen, legen frische Blumen nieder. Zwischen zwei Bäumen haben sie eine Girlande mit bunten Wimpeln gespannt. Darauf geschrieben ihre Botschaften an die Toten: „Immer in unseren Herzen“ steht darauf. Oder: „Mama und Papa vermissen dich unendlich.“

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