So., 18.09.2016

Fußball: 3. Liga Preußen-Aufschwung endet gegen Magdeburg am Tabellenende

Das 0:1, der bittere Auftakt: Keeper Max Schulze Niehues (l.) holt nach dem Elfmetertor von Christian Beck (r.) den Ball aus dem Netz. Sebastian Mai (2.v.l.) hatte zuvor Manuel Farrona Pulido (M.) zu Fall gebracht.

Das 0:1, der bittere Auftakt: Keeper Max Schulze Niehues (l.) holt nach dem Elfmetertor von Christian Beck (r.) den Ball aus dem Netz. Sebastian Mai (2.v.l.) hatte zuvor Manuel Farrona Pulido (M.) zu Fall gebracht. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Warum Preußen Münster Letzter ist in der 3. Liga? Das 2:3 gegen den 1. FC Magdeburg lieferte wenige Antworten. Der Gastgeber kämpfte stark, spielte ansehnlich – Moment: einen Punkt gab es doch, der erahnen lässt, warum der SCP die Rote Laterne trägt: das miserable Abwehrverhalten in einzelnen Szenen.

Von Thomas Rellmann

Selbst bei Licht betrachtet und nach der x-ten TV-Wiederholung war Horst Steffen kaum zu widersprechen. „Großartig vorwerfen kann ich der Mannschaft nichts“, sagte der Preußen-Trainer nach dem 2:3 (1:2) zu Hause gegen den 1. FC Magdeburg , der fünften Pleite im siebten Saisonspiel, dem erneuten Abrutschen auf den letzten Platz. Münster hatte schon einige enttäuschende Vorträge abgeliefert zuvor, dieser gehörte nicht dazu.

Und doch bleibt die Lage bedrohlich. Darauf verlassen, dass irgendwann das Glück zurückkehrt – das ist dann doch etwas dünne. Auch wenn Präsident Georg Krimphove sich nach diesem Ergebnis „im falschen Film“ wähnte. Er bracht gleichwohl das Problem auf den Punkt: „Wir müssen bei den zweiten Bällen aufmerksamer sein“, sagte er. Nach dem 0:1 durch Christian Beck per Elfmeter, den Sebastian Mai ohne Übersicht gegen Manuel Farrona Pulido verursacht hatte (6.), schlief die Defensivabteilung des SCP zwei Mal bei Freistößen. Den von Nico Hammann faustete Keeper Max Schulze Niehues in größter Not Felix Schiller vor die Füße (24.), der zum 2:0 einschob. „Wenn der Ball drin ist, kann ich sicher besser klären“, gestand der Torwart, der später gegen Gerrit Müller klasse parierte (39.). Allerdings reagierten in der Szene vor dem zweiten Treffer seine Kollegen beim Abpraller auch nicht. Genau wie beim 3:2 durch Christopher Handke, als einige nach dem ersten geklärten Ball auf Abseits spielten, andere wie Stéphane Tritz und Benjamin Schwarz nicht. Auch in der Schlussphase, als der Gastgeber alles nach vorn warf, klemmte der Rückwärtsgang. „In der zweiten Hälfte müssen wir schon anders verteidigen“, so Steffen. Er sah auch zwei schlimme Mai-Patzer im Aufbau, die Beck (Latte) und Tobias Schwede binnen 60 Sekunden fast das 4:2 ermöglichten (74.). Julius Düker profitierte fast von einem Patzer von Lion Schweers (83.). „Klar, die Jungs müssen schnellstmöglich erwachsen werden“, sagte der Coach. Wie vor Saisonstart befürchtet, tut sich im Abwehrzentrum ein Problem auf, auch bei Formverlust.

Faschers Rückkeher

Mit ihm hatte niemand gerechnet. Doch plötzlich war er da. Der Mann, den einige Fans noch immer verehren. Marc Fascher, Aufstiegstrainer von 2011, kehrte erstmals seit über viereinhalb Jahren an die Stätte seines größten Triumphes und seiner bittersten Erfahrung zurück. Verein und Coach trennten sich Anfang 2012 nicht gerade im Guten. Nun plauderte Fascher mit damaligen Clubangestellten und alten Bekannten. „Mir geht‘s gut, bin wieder in Hamburg. Endlich wieder Regen“, lachte der gut gelaunte 48-Jährige, der bis Mai für zehn Monate bei Al-Salmiya in Kuwait tätig war. „Jetzt lese ich mich wieder in die 3. Liga ein.“ Und nein, in Münster ist er kein Kandidat. Garantiert nicht.

Nun hätten es sich die Preußen einfach machen und Schiedsrichter Timo Gerach an diesem Nachmittag den Schwarzen Peter zuschieben können. Der ließ den Magdeburgern um den Ex-Preußen Marius Sowislo im Mittelfeld eine Menge durchgehen und verzichtete drei Mal auf den geforderten Elfmeterpfiff. Jesse Weißenfels war neben Antreiber Edisson Jordnaov (68.) gleich doppelt betroffen (9./56.), doch er winkte ab. „Den ersten kann man schon geben, aber über den Referee sollten wir nicht sprechen“, so der Torschütze. Steffen pflichtete bei: „Nein, wir hadern nicht mit ihm.“

Nun waren da ja auch reichlich positive Aspekte. Vor allem die Leistungssteigerung von Kapitän Michele Rizzi, der auf neuer Position aufblüht und beide Tore vorlegte. Beim 1:2 legte er den Ball nach einer abgefälschten Schwarz-Flanke klug von der Grundlinie zu Weißenfels, der den Ball unter die Latte und in die Maschen drosch (26.). Beim Ausgleich eine ganz ähnliche Szene: Spieleröffnung Kara, Rizzi mit Übersicht, Adriano Grimaldi vollstreckt (47.). Direkt nach der Pause. Da sprach alles für Münster. Die große Chance zur großen Wende. Apropos Grimaldi. Der Stürmer gewann beeindruckend seine Kopfballduelle am Mittelkreis, lief unentwegt fürs Team, zettelte viele Angriffe an. Er hatte aber auch Pech, als Keeper Jan Glinker parierte, nachdem der Preuße angeschossen wurde (9.). Und er vergab zwei Mal (45.+1/62.) das letzte Abspiel, nachdem er sich in beste Position gebracht hatte. Fast symptomatisch für den leidenvollen Preußen-Tag mit so guten Ansätzen.

Tritz beißt auf die Zähne

Es sah nicht gut aus nach diesem Zweikampf in der gegnerischen Hälfte für Stéphane Tritz. Er griff sich an den Unterschenkel, wurde lange behandelt nach dieser 37. Minute – und biss doch auf die Zähne. Der Außenverteidiger hielt durch, war einer der Auffälligsten, jedoch auch beim 2:3 mit im Spiel. Nach dem Abpfiff humpelte der Franzose dennoch mit seiner Prellung aus dem Stadion. Möglich, dass er nun erst recht ausfällt. Trainer Horst Steffen beließ es übrigens bei einem Wechsel. „Es war nicht zwingend notwendig, etwas zu verändern. Das ist eigentlich ja ein gutes Zeichen“, sagte er.

„Die Jammerei muss nun schnell zu Ende sein. Am Mittwoch müssen wir mal eine gute Leistung mit einem guten Ergebnis bestätigen“, sagt Steffen. Er weiß: Geht auch das Kellerduell beim Vorletzten FSV Frankfurt in die Hose, wird es irgendwann doch ungemütlich für ihn im in der Vergangenheit viel früher aufgeregten Preußen-Land.

Applaus von den Fans

Ein gutes Gespür bewies das Publikum an der Hammer Straße. Obwohl nur 6582 Besucher gekommen waren (und davon 1100 lautstarke Magdeburger), tauten die SCP-Fans auf, trieben ihr Team voran und moserten über den einen oder anderen (ausbleibenden) Pfiff. Am Ende gab es aufmunternden Beifall für die Verlierer. „Die Zuschauer haben uns applaudiert. Das war ein Signal auch in meine Richtung“, sagte Trainer Horst Steffen. „Das war erstaunlich, aber schön. Einige riefen sogar: Weiter so, Steffen!“



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4312540?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F