Do., 22.09.2016

Leichtathletik: Marathon David Schönherr ist in Berlin auf Attacke gepolt

Jubeln wie in Münster möchte David Schönherr in Berlin. Der 1,76 Meter große Athlet ist bestens vorbereitet und peilt eine Marathon-Bestzeit an.

Jubeln wie in Münster möchte David Schönherr in Berlin. Der 1,76 Meter große Athlet ist bestens vorbereitet und peilt eine Marathon-Bestzeit an. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Dabei sein ist in diesem Fall nicht alles – genaugenommen fast nur Nebensache. Wenn David Schönherr von den Laufsportfreunden Münster in Berlin an den Marathonstart geht, will er 2:27 Stunden später im Ziel sein – spätestens.

Von Thomas Austermann

Wer die Gedächtnis-Kirche erreicht hat und nach 35 Kilometern noch über ausreichend Körner verfügt, liegt gut im Rennen. Normalerweise fühlt sich David Schönherr bei einem Marathon auch dann noch wohl, wenn andere abbauen. Er ist einer von 41 283 Marathonis, die am Sonntag um 9.15 Uhr in Berlin starten. Der 27-jährige FH-Student der Laufsportfreunde Münster, über die 42,195 km schnellster Langstreckler der Stadt, wird die allermeisten abhängen. Wenn der Plan aufgeht. Der besagt, dass eine neue Bestzeit her soll.

Schönherr hat sich die größte deutsche Eintages-Sportveranstaltung ausgeguckt für die Attacke. Im Oktober 2015 lief er in Frankfurt/Main seine gültige Bestzeit von 2:28:06 Stunden. Jetzt soll „eine 2:27 her, mindestens“, sagte er vor der Abreise in die Hauptstadt, wo er bereits zweimal dabei war. Und ahnt, den Bedingungen trotzen zu müssen. „Es dürfte einen Tick zu warm sein für mich.“ Zehn Grad hat er am liebsten. Berlin soll beim Start schon 17 bieten.

Wetter muss akzeptiert werden

Schönherr wird das Wetter akzeptieren, er hat in diesem Jahr alles dem einen Ziel untergeordnet. „Ich habe gut trainiert und drei Läufe über 40 km gepackt.“ Zuletzt in Münster war es wieder zu warm, um die Tempointensität über die längeren Distanzen zu schärfen. „Ich habe mich so spezifisch vorbereitet, dass eine Bestzeit fast Pflicht ist“, legt er die Messlatte hoch. Und verspürt keine Lust, „mich in 2:32 oder so durchzuschleppen.“ Im Zweifel würde er vorher aussteigen und eine nächste Bestzeitchance suchen.

Was Schönherr leistet, ist enorm. Das duale Studium für Therapie- und Gesundheits-Management fordert ihn seit geraumer Zeit in der Uni-Klinik, wo die Ausbildung zum Physiotherapeuten absolviert wird. Da Studenten Geld verdienen müssen, coacht Schönherr dreimal die Woche Laufsportgruppen. „Über meinen Trainingsumfang lacht jeder Triathlet“, weiß der ehemalige Dreikämpfer seines Heimatclubs PV Triathlon Witten. „Mehr als zehn bis 14 Stunden pro Woche sitzen nicht drin.“ Morgens um sechs, nachmittags ab 16 Uhr.

Immer auf den Körper hören

Seit 2012 arbeitet er mit dem an der Uni Münster tätigen Sportwissenschaftler Marcel Reinold zusammen. „Ein sehr guter Mann“, gefällt Schönherr die „kommunikative Art“ seines Trainers. Der akzeptiert, dass der sensible wie kluge Athlet genau „auf den Körper hört“ und bei Beschwerden schon mal aussetzt, auch wenn im Trainingsplan eine Einheit vorgesehen ist. „Ich profitiere sehr davon, dass ich verletzungsfrei geblieben bin. Ein bisschen ist das wohl auch genetisch bedingt.“

Seine Mutter Birgit Schönherr-Hölscher hat ihm wohl etwas mitgegeben – die beendete gerade den Münster-Marathon als drittstärkste deutsche Frau in 3:09 Stunden. Auch sie wird David Schönherr wünschen, dass er zufrieden durchs Brandenburger Tor läuft.

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