Mo., 17.10.2016

Fußball: 3. Liga Möhlmann nimmt Preußen-Training auf, Strässer bittet um Geduld

SCP-Keeper Max Schulze Niehues (links), der wie Ole Kittner (rechts) am Samstag phasenweise verunsichert wirkte, kassierte elf von 17 Gegentreffern in dieser Saison vor der Pause – er verschuldete allerdings keinen einzigen.

SCP-Keeper Max Schulze Niehues (links), der wie Ole Kittner (rechts) am Samstag phasenweise verunsichert wirkte, kassierte elf von 17 Gegentreffern in dieser Saison vor der Pause – er verschuldete allerdings keinen einzigen. Foto: Peter Leßmann

Münster - 

Alles auf null – am Dienstag nimmt der neue Chefcoach Benno Möhlmann beim SC Preußen das Training in die Hand. Sportlich hat er einiges an Arbeit vor der Brust. Doch auch neben dem Platz müssen sich die Dinge erst noch finden beim runderneuerten Drittligisten.

Von Thomas Rellmann

Der erste richtige Einsatz des Benno Möhlmann beim SC Preußen beginnt am Dienstag um 14 Uhr. Dann leitet der Trainer-Routinier die erste Einheit beim Drittletzten der 3. Liga, der durch den Punkt gegen den SV Wehen Wiesbaden (2:2) sogar einen Mini-Sprung in der Tabelle gemacht hat. Täuschen lassen wird sich der Coach davon nicht. Zu alarmierend ist die Lage im Keller. Münster hat acht Zähler gesammelt und damit Anschluss ans rettende Ufer zu Werder Bremen II (neun) – doch davor klafft schon eine vergleichsweise riesige Lücke zum 15. des Tableaus, dem SC Paderborn.

Möhlmann, der in Bremen lebt und am Montagabend als Sky-Kommentator der Zweitliga-Partie zwischen Eintracht Braunschweig und dem 1. FC Kaiserslautern (1:0) beiwohnte, muss in diesen Tagen natürlich noch viel Organisatorisches erledigen. In einer 48-stündigen Verschnaufpause vom Auslaufen am Sonntagmorgen bis zur Trainingspremiere unter dem 62-Jährigen hatten die Spieler Gelegenheit, sich zu sammeln, um unter dem Nachfolger des beurlaubten Horst Steffen bei null zu starten. Es wird spannend zu beobachten sein, wo der Hoffnungsträger ansetzt. Ob er, wie Interimslösung Cihan Tasdelen gegen Wiesbaden, denselben Spielern vertraut wie der Ex-Coach. Oder ob er eine ganz eigene Idee entwickelt und personelle Umbauten vornimmt. Die Eindrücke dieser Woche werden den Ausschlag geben. Defensive Stabilität unter Einbindung aller Akteure dürfte auch bei Möhlmann unabdingbar sein. Ein wenig erinnert die Situation an den Amtsantritt von Ralf Loose vor gut drei Jahren, der damals eine schwer hadernde Mannschaft von Pavel Dotchev übernahm.

Die Schlafmützigkeit der Münsteraner in der ersten Hälfte ist ein Punkt, den es in den Griff zu bekommen gilt. Wäre nach 45 Minuten Schluss, wären die Preußen Schlusslicht. Elf von 17 Gegentreffer kassierten sie vor der Pause. Nur einmal – gegen Werder Bremen II – gingen sie mit einer Führung in die Kabine, dafür aber in acht von elf Begegnungen mit einem Rückstand. Nur Hansa Rostock erzielte in Durchgang eins ein Tor weniger, Münster gelangen gerade drei der zwölf eigenen Treffer im ersten Abschnitt. Ob die Heimstätte der SF Lotte am Samstag (14 Uhr) das richtige Pflaster ist, um diesen Makel loszuwerden? Immerhin war der Nachbar vom Autobahnkreuz in den vergangenen Jahren so etwas wie ein Angstgegner. Zwei Mal scheiterte der SCP im Westfalenpokal an der Truppe von Trainer-Shootingstar Ismail Atalan (0:1 zu Hause, 1:3 auswärts). Zudem haben die Preußen in der Liga saisonübergreifend die jüngsten sechs Auswärtspartien verloren – wenn auch alle unter Steffen.

Nun soll Möhlmann neue Zuversicht vermitteln. „Als der Name erstmals ins Spiel kam, war ich überzeugt, dass er der richtige ist“, sagt Präsident Christoph Strässer, der allerdings nicht von Anfang an in Überlegungen und Gespräche eingebunden war. Was natürlich dem schnellen und großflächigen Umbruch geschuldet war. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich im gesamten Verein nach dem Neuanfang auf Führungsebene erst mal wieder Strukturen und Verantwortungen finden müssen. Anders formuliert: Die Clubbosse müssen sortieren, wer was macht. Zu Beginn der nächsten Woche ist eine Präsidiumssitzung angesetzt, in der viele Felder auf den Tisch kommen sollen. Zum Beispiel die mögliche Errichtung eines Nachwuchsleistungszentrums, die der Verein viele Jahre vor sich herschob. Oder die Zukunft der erfolgreichen Leichtathletik-Abteilung. Oder das Aufgabenfeld des aus dem Vorstand ausgeschiedenen Geschäftsstellenleiters Carsten Gockel. Und nicht zuletzt die erhoffte Einstellung einer Art Sportdirektor, die sich auch Möhlmann wünscht. „Wir haben das auf der Agenda. Es wäre sinnvoll, da noch jemanden zu holen“, sagt auch Strässer. „Wir müssen sehen, was angesichts der Finanzen machbar ist. Auch das werden wir mit dem Aufsichtsrat besprechen“, so der SPD-Politiker.



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