Di., 15.11.2016

Fußball: 3. Liga Preußen-Bosse beschreiben steinigen Neuanfang beim Fan-Stammtisch

Spannend, was die Preußen-Führung zu sagen hatte: Aufsichtsratsvorsitzender Fabian Roberg (links), Präsident Christoph Strässer (2. von rechts) und Sportvorstand Walther Seinsch (rechts). Durch den Abend führte Moderator Carsten Schulte.

Spannend, was die Preußen-Führung zu sagen hatte: Aufsichtsratsvorsitzender Fabian Roberg (links), Präsident Christoph Strässer (2. von rechts) und Sportvorstand Walther Seinsch (rechts). Durch den Abend führte Moderator Carsten Schulte. Foto: André Fischer

Münster - 

Es war ein Abend der klaren Botschaften. Die Vision Nieberdingstraße hat der SC Preußen beim ersten Fan-Stammtisch unter neuer Führung endgültig begraben. Die Stadt hat sich seit vier Jahren nicht mehr um diesen Standort bemüht. Den Anhängern gaben die Bosse klare Forderungen mit auf den Weg.

Von André Fischer

„Was soll ich tun? Wenn ich so seh’, ich kann den Wind nicht ändern – nur die Segel drehen. Tausend Fragen, schlagen Rad … Was tut gut? Was tut weh? ... Vor, zurück, zur Seite, ran. Herzlich willkommen! Neuanfang .“ Thomas Hübner alias Clueso sprengte im Oktober mit seinem erfrischend neuen Album die deutschen Charts. Seine Botschaft: Für Veränderungen ist es nie zu spät. Wer sich traut, wer Mumm hat, der wagt ihn, den „Neuanfang“. Dass der gleichnamige Titelsong aktuell auf der Geschäftsstelle des SC Preußen rauf und runter läuft, ist nicht überliefert, aber denkbar.

Ereignisreiche Tage liegen hinter dem Club. Spannende Wochen, Monate, mitunter Jahre stehen bevor. Kein Raum für Langeweile. Erst recht nicht beim Fan-Stammtisch, zu dem die neue Führungsriege um Präsident Christoph Strässer, Aufsichtsratsboss Fabian Roberg und Sportvorstand Walther Seinsch am Montagabend Punkt 19.06 Uhr gebeten hatte. Ins Jovel. Rund 400 Fans folgten der Einladung mit einem Lächeln auf den Lippen – schließlich hatte der Verein die Spendierhosen an: drei Fässer Bier waren für lau.

Keine Freudentänze bei der Basis

Ein Versuch, beim Anhang zwecks Stadionneubau und der damit angedachten Ausgliederung der Fußballprofis auf Stimmenfang zu gehen? Wer weiß, die neue Nachrichtenlage sorgte jedenfalls an der Basis nicht unbedingt für Freudentänze. Nach einem weiteren Gespräch mit der Stadt ist amtlich: Der Neubau einer modernen, wettbewerbsfähigen Arena mit einer Kapazität von 40 000 Zuschauern ist an der Nieberdingstraße vor 2027 nicht realisierbar. Pikant: Etwaige Eigentumsverhältnisse sind in dieser Rechnung nicht mal inbegriffen. „Diesen Standort können wir vergessen“, so ein energischer Roberg. Und nun?

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Wollen wir mehr, dann brauchen wir ein neues Stadion

Walther Seinsch, SCP Sportvorstand

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Innerstädtische Alternativen sind rar. Also doch um- anstelle von neu bauen? Das wäre an der Hammer Straße eine denkbare Variante. Aber so ganz und gar nicht nach dem Geschmack der Preußen-Führung. Seinsch: „Ein Ausbau bis auf 22 000 Plätze ist machbar, alles andere aufgrund von Restriktionen undenkbar.“ Ein in­frastrukturelles Problem. Die Gretchenfrage: Gibt sich der SC Preußen damit zufrieden? Dann spielt er laut Seinsch und Co. in den kommenden Jahren allenfalls in Liga drei oder vier eine Rolle – nur keine tragende. „Wollen wir mehr, dann brauchen wir ein neues Stadion“, stellte der Sportvorstand abermals klar – auch im Falle eines Abstiegs in die Regionalliga. „Dann ist das Leben doch nicht vorbei.“ Die Vision lebt weiter.

Historisch

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Der Ball liegt einmal mehr bei der Stadt. Dorthin hat ihn zumindest die SCP-Spitze nach dem Luftschloss Nieberdingstraße gekickt. Die Wunschvorstellung: Ein passendes Grundstück samt der Erschließungskosten wird dem Traditionsverein gestellt, alle anderen Kosten tragen private Investoren. Sollte auch dieses Denkmodell kläglich scheitern, heißt es: raus aus Münster . Dagegen dürften sich aber besonders die Ultra-Gruppierungen sträuben.

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Neues Stadion – größerer Ertrag, größerer Etat, größerer Erfolg

Roberg jedenfalls will mit einem neuen „Heim“ viele Förderer für den Club begeistern und ein dem Anlass entsprechendes Ambiente bieten. Seine simple Rechnung: neues Stadion – größerer Ertrag, größerer Etat, größerer Erfolg. „Und dann sind auch die Politiker plötzlich wieder stolz auf uns“, sagte er mit einem zwinkernden Auge. Um in einem Atemzug den Fans im Saal mehr oder weniger die Pistole auf die Brust zu setzen: Ohne Ausgliederung der Profisparte werde das Stadion ein Hingespinst bleiben. „Einem eingetragenen Verein leiht niemand Geld. Wir müssen potenziellen Investoren eine sichere Spardose geben.“

Bis dahin ist es ein weiter Weg. Zurzeit befinde sich der Club in losen Gesprächen, um ein rechtliches Konstrukt auf den Weg zu bringen, wie Anwalt Frank Westermann, Mitglied im Aufsichtsrat, bestätigte. Roberg bat in der Nachspielzeit des Stammtisches, den Ball erst mal flach zu halten und den handelnden Personen eine Portion Vertrauen entgegenzubringen. Oder, um es in den Worten von Clueso zu sagen: „Ein guter Plan ist mehr als eine Idee, werf’ nicht mehr alles in einen Topf, Veränderung braucht ein klaren Kopf ... Herzlich Willkommen! Neuanfang.“

Kommentar: Echte Liebe kennt keine Stadtgrenzen

Besondere Situationen bedürfen besonderer Maßnahmen. Die neue Führungsspitze des SC Preußen hat die Zeichen der Zeit erkannt. Sie sucht bewusst den Dialog mit der Basis. Präsident Christoph Strässer, Aufsichtsratschef Fabian Roberg und Sportvorstand Walther Seinsch ist bewusst, dass Ziele, dass Visionen nur mit der breiten Masse im Rücken verwirklicht werden können. Inwieweit diese indes das anvisierte Stadionprojekt und die damit einhergehende Ausgliederung der Profisparte mittragen wird, ist aktuell nicht messbar. Dafür ist es zu früh. Dafür sind die Pläne nicht ausgegoren genug. Äußerst verhalten fiel dementsprechend der Applaus der Fans im Jovel aus, als Roberg und Co. nochmals fleißig die Werbetrommel rührten für ihre moderne Fußballherberge. Sie ist spürbar, die Verunsicherung. Fakt ist: Will der Drittligist an die großen Fleischtöpfe, sprich in die 2. Liga, muss er wettbewerbsfähig sein. Aktuell ist er es nicht. Nun ist einmal mehr die Stadt am Zug. Zur Not muss ein Umdenken in den Köpfen vieler Fans her. Auch ein Stadion außerhalb von Münster hätte Charme. Echte Liebe kennt keine Stadt-Grenzen.

André Fischer

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