Di., 29.11.2016

Boxen: Deutscher Meister Tarik Ibrahim hat Dynamit in den Fäusten

Ein echtes Erfolgsduo: Tarik Ibrahim und Trainer Stipan Prcic vom BC Münster 23, der selbst jahrelang im ehemaligen Jugoslawien für sein Land in den Boxring stieg.

Ein echtes Erfolgsduo: Tarik Ibrahim und Trainer Stipan Prcic vom BC Münster 23, der selbst jahrelang im ehemaligen Jugoslawien für sein Land in den Boxring stieg. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Der sensationelle Titelgewinn bei den Deutschen Meisterschaften der Elite-Boxer soll nur der Anfang gewesen sein. Tarik Ibrahim will kein „Fliegengewicht“ bleiben – das Talent vom BC Münster 23 sieht nun Nationalmannschaftsehren entgegen.

Von André Fischer

Sein Händedruck wirkt wie ein Schraubstock. Fest, zupackend, durchsetzungsstark. In der Wissenschaft werden Menschen mit diesen Eigenschaften als selbstbewusste Persönlichkeiten, als gefestigte Wesen charakterisiert. Auf den jungen Mann, der mir gerade in den Räumlichkeiten des BC Münster 23 die Hand gegeben hat, scheint das zuzutreffen, das zumindest vermittelt mir seine Begrüßung.

Ganz konträr zu meinem ersten Empfinden: Da sah ich einen 1,74 Meter großen, durchtrainierten aber relativ ranken und schlanken Burschen, der gar nicht so robust erschien. Das täuscht wohl. Denn: In den Fäusten des 20-Jährigen steckt Dynamit. Bei der Deutschen Meisterschaft der Elite-Boxer in Straubing hat Tarik Ibrahim jüngst wirklich alles, was ihm vorgesetzt wurde, aus dem Ring gekegelt. Im Fliegengewicht in der Klasse bis 52 Kilogramm. Nationale Spitze. Top!

Auch Yigitcan eingeladen

Nachwuchs-Bundestrainer Oliver Vlcek hat seine Fühler nicht nur nach Tarik Ibrahim ausgestreckt. Eine Einladung zum „Odivelas Box Cup“ ins sonnige Portugal vom 8. bis 12. Dezember flatterte auch Özev Yigitcan in die sportliche Heimat am Schifffahrter Damm. Der 19-jährige gebürtige Gelsenkirchener aus dem Boxzentrum Münster ist Schützling von Stützpunkt-Trainer Farid Vatanparast. Er tritt in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm an und ist seit August 2015 auch Schüler des Sportinternats in Münster.

Das eigentliche „Schwergewicht“ räumte er im Halbfinale aus dem Weg. Ronny Beblik, sechs Jahre älter, erfahrener und amtierender Deutscher Meister. Der Erfolg gegen den Chemnitzer hatte etwas Sensationsträchtiges. Zumal das Urteil der Kampfrichter nach den drei Runden einstimmig ausfiel. „Das haben mir nicht so viele Leute zugretraut“, sagt Ibrahim. Der Linksausleger zog seinem Kontrahenten schnell den Zahn mit seiner langen rechten Geraden, die Wirkung zeigte. Im Finale haute der BC-Boxer dann nochmals einen raus, Usub Tamoev (Schwerin) wurde nach dem zweiten Niederschlag der Gesundheit zum Wohle vorzeitig zum Verlierer erklärt – und Ibrahim riss beide Arme in die Höhe. Knapp 650 Kilometer entfernt im westfälischen Münster tat es ihm Stipan Prcic gleich. Der 50-jährige Trainer des gebürtigen Eritreer verfolgte das Duell per Livestream von daheim und machte obendrein einen Luftsprung. „Da haben sich all die Anstrengungen und Entbehrungen gelohnt.“ In der Tat hatte er seinem Schützling in der Vorbereitung auf die DM so einiges abverlangt. Beispiel gefällig? Um konditionelle Grundlagen zu schaffen, ließ er Tarik und dessen Bruder Salah, der gerade bei der U-19-Weltmeisterschaft in St. Petersburg im Ring stand, zehn Mal 800 Meter um den Sportplatz laufen – mit jeweils einminütiger Verschnaufpause. Wahnsinn!

All das „Leiden“ hat sich ausgezahlt. Es gibt Schlimmeres, als Deutscher Meister zu sein. Aber auch Besseres. Weltmeister vielleicht. 2017 steigt das kontinentale Kräftemessen in der Hansestadt Hamburg. „Ein Traum, wenn ich dabei wäre“, lächelt Ibrahim. Dafür muss er im März durch das Nadelöhr Chemiepokal in Halle-Neustadt.

Vorab geht es vor Weihnachten noch nach Portugal. Dort kommt er dann bei einem internationalen Turnier zu Nationalmannschaftsehren. Nachwuchs-Bundestrainer Oliver Vlcek hatte unmittelbar nach dem Straubing-Coup Coach Prcic telefonisch kontaktiert. Die nächste Herausforderung.

Tarik Ibrahim kommt also nicht zur Ruhe. Seine Termine sind ganz eng getaktet. Selbst für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt samt Punsch hat er kaum Zeit. Wenngleich: „Ich trinke lieber Kakao. Alkohol ist Gift für meine Zellen“, sagt der drahtige jungen Mann mit dem festen Händedruck. Die Zukunft gehört ihm.



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