Di., 25.07.2017

Fußball: 3. Liga Preußen-Keeper Körber im Interview: „Es gibt kaum mehr alte Schule“

Erster Einlauf als Preußen-Stammkeeper: Nils Körber holte mit dem SCP einen Punkt in Erfurt.

Erster Einlauf als Preußen-Stammkeeper: Nils Körber holte mit dem SCP einen Punkt in Erfurt. Foto: Sebastian Sanders

Münster - 

Die neue Nummer eins beim SC Preußen heißt Nils Körber. Der 20-Jährige gilt als großes Talent, ist aber nur für ein Jahr von Hertha BSC ausgeliehen. Im Interview spricht er über sein modernes wie riskantes Torwartspiel und seine Beobachtungen zum Saisonstart.

Von Thomas Rellmann

Mut zum Risiko, das könnte das Motto von Nils Körber sein. Der neue Stammkeeper des SC Preußen verfährt zwischen den Pfosten (und teilweise weit davor) nach dieser Devise, und er verließ auch vor dieser Saison seine Heimatstadt Berlin, um nicht nur in der Regionalliga-Elf von Hertha BSC Praxis zu sammeln, sondern eine Klasse höher in Münster. Bislang ging der Plan auf. Im Interview spricht der 20-Jährige über sein Torwartspiel, den Start und das Verhältnis zu seinen beiden Konkurrenten.

Der Wechsel im SCP-Tor kam nach der guten Saison von Max Schulze Niehues überraschend. Wie haben Sie Trainer Benno Möhlmann überzeugt?

Körber: Die Vorbereitung war relativ kurz, aber intensiv. Wir haben gut gearbeitet, und ich habe einfach so agiert wie vorher in Berlin. Ich konnte mein Spiel vorführen und bin ein Torwart, der weit vorne steht, der die Abwehr mitnimmt, unterstützt und dirigiert.

Fotostrecke: RW Erfurt vs. SC Preußen Münster - Einzelkritik

Ist diese mutige Spielweise mittlerweile Pflicht für junge Schlussmänner?

Körber: Das sehe ich so. Man sollte es inzwischen erwarten können. Das Spiel ist ja allgemein in den letzten Jahren viel schneller geworden. Ich glaube, wenn man in die erste oder zweite Liga schaut, findet man kaum mehr jemanden aus der alten Schule

Gibt es auch Skepsis, wenn es riskant wird?

Körber: Ich glaube zunächst einmal, dass es der Mannschaft sehr hilft – auch wenn mal ein Ding nach hinten losgeht. Viele sehen es von außen vielleicht nicht, dass man auf diese Weise einige gefährliche Szenen verhindert. Wenn ich drei Mal rauskomme und eher am Ball bin als der Stürmer, kommt es drei Mal gar nicht zum gefährlichen Abschluss. Und dann kann es eben auch mal passieren, dass man einen Ball verpasst. Aber die Großchance gäbe es ja auch, wenn ich auf der Linie bliebe.

Das klingt, als wären Ihnen beim Herauslaufen auch schon Patzer passiert.

Körber: Ja klar, diese Erfahrung habe ich schon gemacht. Natürlich versuche ich die Zahl zu minimieren.

Wie haben Sie das Gegentor beim Auftakt-1:1 in Erfurt erlebt?

Körber: Das war eine gute Ecke, wahrscheinlich hätten wir den Ball schon am kurzen Pfosten rausköpfen können, im Zentrum waren wir ja zu dritt. Danach ging es schnell, wir waren alle relativ überrascht, dass der Ball durchkam. Aber ich glaube, ansonsten standen wir in der Abwehr sehr gut.

Was ist drin mit den Preußen in dieser Saison?

Körber: Für das erste Spiel und dafür dass einige gesundheitlich angeschlagen waren, war das schon sehr ordentlich in Erfurt. Auch wenn es bei den Chancen drei Punkte hätten sein müssen. Die Mannschaft ist recht jung, wir Neuen haben noch nicht in der 3. Liga gespielt. Wir haben eine gute Truppe, für eine Prognose ist es aber noch zu früh.

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Wie ist der Umgang mit den Konkurrenten Schulze Niehues und Luis Klante?

Körber: Das Verhältnis ist gut. Das sind feine Jungs, die Gas geben. Die Situation von Luis als junger Spieler und dritter Mann kann ich noch gut nachempfinden.

Bei Hertha verletzten sich binnen eines Tages alle drei Keeper, Rune Jarstein, Thomas Kraft und Jonathan Klinsmann. Da müssen Sie Ihr Leihgeschäft doch fast schon wieder bereut haben.

Körber: Ach, ja. Zum Glück sind die Blessuren ja nicht so schlimm. Zum Saisonbeginn werden sie alle wieder fit sein. Klar, auf dem Niveau kann man sich als junger Keeper nur schwer über Leistung etwas erarbeiten. Ich habe die ganze letzte Saison gewartet, dass etwas passiert, auch wenn man niemandem etwas Schlechtes wünscht. Dann ist aber nichts passiert. Der Schritt zu Preußen war also logisch für mich.

Fotostrecke: Der Kader für die Saison 2017/18 - Kurzporträts



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