Mi., 02.08.2017

Fußball: 3. Liga Preußen auf dem Weg zum Traumstart

So sehen Sieger aus: Allen voran Matchwinner Nils Körber. Der Preußen-Keeper war am Mittwochabend mindestens für zwei der drei Punkte in Würzburg im Alleingang verantwortlich.

So sehen Sieger aus: Allen voran Matchwinner Nils Körber. Der Preußen-Keeper war am Mittwochabend mindestens für zwei der drei Punkte in Würzburg im Alleingang verantwortlich. Foto: Jürgen Peperhowe

Würzburg - 

Auswärtssieg, Auswärtssieg: Den Text haben die Preußen-Fans vor Jahren mal aufgeschnappt. Gebraucht haben sie ihn zuletzt selten. Am Mittwoch war es wieder so weit: 1:0 siegten überglückliche Preußen in Würzburg.

Von Thomas Rellmann

Der Traumstart der Preußen in die Drittliga-Saison nimmt Konturen an. Dass das 1:0 (0:0) bei den stark besetzten Würzburger Kickers glücklich und am Ende das Produkt einer Abwehrschlacht war, wird niemand ausblenden können. Unter dem Strich aber stehen sieben Zähler aus drei Runden. Ein erster Schritt zu einer sorgenfreien Saison. Oder vielleicht sogar der Anfang von etwas mehr?

Trainer Benno Möhlmann, der die besten Wünsche zu seinem 63. Geburtstag tags zuvor nicht so gern annahm wie die Gratulationen zum Erfolg, trat gewohnt auf die Bremse. „Es war kein sehr gutes Spiel. Vor der Pause haben wir noch ordentlich gegen den Ball gearbeitet, aber nach vorne zu wenig gemacht. Später mussten wir erkennen, was der Gegner wollte – und haben viel zu viele Chancen zugelassen, die man eigentlich nicht unbeschadet überstehen kann.“ Damit war alles gesagt. Und es widersprach keiner. Dass vor allem ein überragender Keeper Nils Körber der Garant für Münster war, sagte schon eine Menge aus.

Fotostrecke: Einzelkritik: Würzburger Kickers - Preußen Münster

Der junge Torhüter war nach einem Standard gleich mal gegen Sebastian Schuppan gefordert und löste den Auftrag glänzend (8.). Auf der Gegenseite schien Fabian Menig nach Michele Rizzis Freistoß etwas zu überrascht (9.). Hochklassig war‘s nicht, aber vehement in den Zweikämpfen. Gerade Adriano Grimaldi rieb sich vorne erneut auf. Immer wieder gab es nach Zweikämpfen mit ihm Freistöße. Ruhende Bälle waren sowieso für beide das probateste Mittel, gerade als es Mitte des ersten Durchgangs immer zerfahrener wurde. Für den Gast musste das ja kein schlechtes Zeichen sein. Die bis dahin abgebrühte Innenverteidigung mit Sebastian Mai und Lion Schweers patzte dann bei einem langen Ball auf Dominic Baumann gleich im Doppelpack, doch dessen Abschluss bügelte erneut Körber aus (40.). Erst kurz vor dem Seitenwechsel entfachten die Hausherren erstmals so etwas wie Druck. Doch Münsters Deckung blieb im Kollektiv kompakt.

Aus dem breiten Mittelfeld kam trotzdem erneut nicht viel. Logisch war daher die Einwechslung von Philipp Hoffmann, Jeron Al-Hazaimeh musste weichen. Mehr Ideen? Kaum. Erneut eröffnete Körber die Halbzeit mit einer Parade, gegen die abgefälschte Flanke von Maximilian Ahlschwede (51.). Nach und nach näherte sich der Zweitliga-Absteiger einer Führung. Die Orientierung in der SCP-Hintermannschaft ging temporär stiften, Grimaldi musste hinten aufräumen helfen. Doch auch das war festzuhalten: Klare Szenen hatte Würzburg in dieser Phase noch nicht.

Fotostrecke: Saison 2017/18 - 3. Spieltag: Würzburger Kickers - Preußen Münster

Erst Jannis Nikolaou, der nach einem der vielen Kickers-Standards den Abpraller aufnahm, verfehlte den Kasten nur um einen halben Meter (64.). Ansonsten segelten immer wieder die hohen Bälle vor Körbers Tor.

Münster nur noch in der Defensive – doch dann dieser eine, fast geniale Moment. Moritz Heinrich, gerade für Tobias Rühle drin, erspitzelte sich gegen Anthony Syhre den Ball, Grimaldi leitete ihn irgendwie mit der Pike weiter – und dann hatte Rizzi plötzlich freie Bahn und behielt aus 13 Metern die Ruhe beim 1:0 (69.). In trockenen Tüchern war der Sieg trotzdem noch lange nicht. Körber musste gegen Baumann in gleich drei Szenen wirklich alles auspacken (72./74./90.+1) – die letzte Tat war unglaublich.

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Patrick Göbel hatte zudem Pech mit einem Schlenzer ans Lattenkreuz (77.), und Baumann setzte noch einen Kopfball an den Querbalken (80.). Heinrich vollendete auf der Gegenseite einen Konter nicht konsequent (83.), ein Tor hier hätte Möhlmann draußen etwas Zitterei erspart. Von einem verdienten Sieg konnte so oder so schon vorher nicht die Rede sein. Den Jubel beim Abpfiff bremste dieser Fakt natürlich nicht. Und der Coach ließ wissen: „Entschuldigen werde ich mich für den Sieg auch nicht.“

Traumcomeback für Scherder

Einen Gänsehautmoment erlebten die über 300 Preußen-Fans zehn Minuten vor Schluss. Nach mehr als 26-monatiger Pflichtspielpause (zwei Kreuzband-Verletzungen) gab Simon Scherder sein Drittliga-Comeback. Der 24-Jährige kam für Martin Kobylanski und half, den Sieg über die Zeit zu retten. „Ein Wahnsinnsgefühl“, sagte das Eigengewächs, das schon gefeiert wurde, als es das Feld betrat. Nach dem Abpfiff gab es erneut Sprechchöre. „Für so einen Moment habe ich zwei Jahre geschuftet“, so Scherder.



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