So., 24.09.2017

Fußball: 3. Liga Willkommen zurück im Keller, SC Preußen

Jena jubelt, Münster gefrustet: Nach dem 2:0 durch Manfred Starke war die Entscheidung gefallen. Münsters Torwart Nils Körber soll vor dem 1:0 Davud Tuma zu Fall gebracht haben.

Jena jubelt, Münster gefrustet: Nach dem 2:0 durch Manfred Starke war die Entscheidung gefallen. Münsters Torwart Nils Körber soll vor dem 1:0 Davud Tuma zu Fall gebracht haben. Foto: Thomas Corbus

Jena - 

Viel tiefer fallen können die Preußen nicht. Zumindest in der Tabelle. Das 0:2 in Jena war das bisher schwächste Saisonspiel. Da ging gerade vor der Pause gar nichts, der Gastgeber lachte sich ins Fäustchen. Und nun? Stellt sich etwa die Trainerfrage?

Von Alexander Heflik

Vor einem Jahr sah es für Preußen Münster nicht gerade rosig aus in der 3. Liga. Wie sich die Bilder gleichen: Nach der 0:2 (0:1)-Auswärtsniederlage bei Aufsteiger FC Carl Zeiss Jena ist die Situation vergleichbar. Münster auf einem Abstiegsrang, Münster seit sieben Partien ohne Sieg, Münster phasenweise erschreckend schwach. Was nun, Benno Möhlmann?

Der Trainer des SCP sah selten in seiner knapp einjährigen Amtszeit so angefasst und auch angeschlagen aus wie nach dieser Partie. Vor allem vor der Pause lief nichts zusammen, es war Fußball zum Abgewöhnen gegen eine Mannschaft aus Jena, die das Motto des Spieltagsmagazins verinnerlicht hatten: „Kämpfen bis zum letzten Hemd.“ Genau das taten die Preußen weder individuell noch als Kollektiv über 90 Minuten. Basisarbeit nicht gemacht, setzten, 5, Versetzung gefährdet.

„Naja, man kann verschiedene Sachen machen. Den Trainer wechseln zum Beispiel. Oder man arbeitet vernünftig weiter und kriegt die Situation hin. Wir spielen ja jetzt auch keinen Chaosfußball“, bilanzierte der 63-jährige Möhlmann, der nicht wirklich einen Gedanken an Aufgabe verschwendet. Die Mannschaft, so der Coach weiter, mache auf ihn nicht ansatzweise den verunsicherten Eindruck, den er bei seinem Amtsantritt im Herbst 2016 als Nachfolger von Horst Steffen vorgefunden habe. Ja, er ist überzeugt, das alles wieder in die richtige Spur zu bekommen.

Abwehrchef Sebastian Mai, der tatsächlich über die gesamte Spieldauer keinem Zweikampf aus dem Weg ging und rettete, was zu retten war, ging härter mit sich und seinen Mitstreitern ins Gericht: „Ich kann nicht erklären, warum wir so spielen. Aber wir hatten keine Chance. Eine 180-Grad-Wende muss her.“ Was er genau damit meinte, konnte nur zwischen den Zeilen erkannt werden. Aber ehe die Preußen die für die 3. Liga notwendige Betriebstemperatur, einen Mix aus Laufbereitschaft und Kampfkraft sowie Härte erreicht hatten, war die zweite Halbzeit schon in vollem Gange.

Und Torwart Nils Körber sagte später etwas, was er sicherlich aufbauend meinte, aber schon anderen strauchelnden Teams zum Verhängnis wurde: „Wir haben gute Einzelspieler, viel individuelle Qualität. Das kriegen wir aber nicht auf den Platz. Wir sind zu gut für diesen Tabellenplatz.“ Wobei die Tabelle im Fußball selten lügt. Die Preußen stecken mittendrin in einer handfesten Krise. Existenzkampf pur ist angesagt.

Der letzte Beweis wurde in Jena erbracht: Das 0:1 entstand mit viel Wohlwollen von Schiedsrichter Felix-Benjamin Schwermer (Magdeburg), der den sanften Körperkontakt von SCP-Keeper Körber mit Jenas Davud Tuma als elfmeterwürdig wertete. Julian Günther-Schmidt verlud Körber, der gegen Aalen beim 1:1 noch einen Strafstoß gehalten hatte. Es war der unverhoffte, aber verdiente Lohn für eine Mannschaft, die bereit war, die Preußen bis zur Autobahnausfahrt Stadtroda-West aus dem Stadion zu treiben, komme was wolle. Münsters Reaktion vor der Pause: kein Wille, kein Biss, kein Kampf, keine Galligkeit, kein Aufbäumen.

Nach dem Wechsel wurde es besser, die Preußen rieben sich endlich in Zweikämpfen auf, und als Jena reihenweise Chancen zum 2:0 verballert hatte, wäre fast das 1:1 gefallen. Doch Tobias Rühle fehlte nach einem glänzenden Pass von Michele Rizzi nicht nur Tempo im Vollsprint, sondern auch die brutale Überzeugungskraft eines Goalgetters, der den Ball versenken will.

Es passte ins Bild, 82 Minuten waren vorbei. Die Preußen gehen am Stock, Möhlmann ist mehr denn je gefordert, seinen Männern Beine zu machen. Samstag steht das Derby gegen den VfL Osnabrück an. Leichter wird es nicht.

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