Mi., 04.10.2017

12. Sparkassen-Münsterland-Giro Taktische Meisterleistung des Rose Teams Münsterland

Die Pose eines Siegers: Christian Müller gewann das Rennen der „Jedermänner“ über 95 Kilometer.Bitte recht freundlich: Ex-Profi Fränk Schleck aus Luxemburg mit Katharina Venjakob.

Die Pose eines Siegers: Christian Müller gewann das Rennen der „Jedermänner“ über 95 Kilometer.Bitte recht freundlich: Ex-Profi Fränk Schleck aus Luxemburg mit Katharina Venjakob. Foto: Sparkassen-Münsterland-Giro

Münster - 

Das Rose Team Münsterland war in Münster so erfolgreich wie nie zuvor unterwegs. Gastfahrer Christian Müller gewann bei den Jedermännern über die 95 Kilometer.

Von André Fischer

„Stark für die Region!“ Mit diesem Slogan wirbt das Rose Team Münsterland auf seiner Internetdomain. 18 durchtrainierte Frauen und Männer, die ambitioniert und leistungsorientiert ihrem Hobby nachgehen. Ja, das ist es, das bleibt es – allem Zeitaufwand zum Trotz. „Wir lieben das und freuen uns riesig, wenn wir Erfolg haben.“ Das sagt Bruce Merschformann, Teamchef der flotten Truppe – mit einem Hauch von Zurückhaltung. Spätestens seit Dienstag kann er diese ablegen. So preisgekrönt wie bei der zwölften Auflage des Giro kamen die Münsteraner nie zuvor daher.

Erstmals überhaupt triumphierte der Rose-Tross vor den Toren des Schlosses in der Teamwertung über die 95 Kilometer bei den Jedermännern. Da kullerte das eine und andere Tränchen – vor Freude. Der Lohn für ein taktisch herausragendes Rennen. Anteil an diesem Ergebnis hatte vor allem einer: Christian Müller. Ein Gastfahrer. Aber keiner, der mal eben kurz ohne großes Training „reinschneite“. Der Gute war immerhin Straßenweltmeister bei den Amateuren 2015 und viele Jahre einer der besten Jedermann-Fahrer. „Wir hatten schon befürchtet, dass er vorne dabei ist“, sagt Merschformann mit einem Lächeln. Um zu ergänzen: „Für unser Team ist das die beste Werbung.“

35 Fahrer ins Krankenhaus

Bei einem Rennen der Jedermänner kam es bereits unmittelbar nach dem Start nach etwa 300 Metern zu einem Massensturz, wie die am Giro beteiligten Rettungsdienste in einer Pressemitteilung bekannt gaben. Hierbei verletzte sich eine Person so schwer, dass diese vom Notarzt versorgt werden musste und mit dem Rettungswagen ins nächstgelegene Krankenhaus transportiert wurde. Auch bei anderen Radrennen kam es immer wieder zu Stürzen. Radfahrer mussten behandelt und teilweise transportiert werden. Ein Radfahrer erlitt nach der Beendigung des Rad­rennens einen Herzinfarkt am Schlossplatz, konnte jedoch vom Rettungsdienst erfolgreich reanimiert werden. Insgesamt mussten 35 Fahrer durch den Rettungsdienst in die umliegenden Krankenhäuser zur weiteren Behandlung gebracht werden.

Müller selbst, Richter im beruflichen Alltag, hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten allerdings etwas zurückgezogen. Der Radsport, der lange sein Leben bestimmte, ist an die zweite Stelle getreten. „Früher habe ich 25 000 Kilometer in einer Saison gemacht, jetzt sind es vielleicht noch 12. 000“, sagt er. Und doch reicht es noch, um die Konkurrenz in Grund und Boden zu fahren, denn der Vorsprung im Ziel war beachtlich. Kein Wunder, dass er beide Arme in die Höhe reckte – diese Geste des Triumphes, die hat er noch nicht verlernt.

Er zeigte am Tag der Deutschen Einheit selbst einem Ex-Profi das Hinterrad. Fränk Schleck, sensationell Dritter bei der Tour de France 2011, gehörte über die 95 Kilometer zu den prominentesten Startern. „Das bin ich meinem Kumpel Fabian Wegmann einfach schuldig gewesen“, so der Luxemburger, der eng mit dem Sportlichen Leiter des Giro befreundet ist. Der Tour-de-Suisse-Sieger von 2010 packte kurzerhand auch seine Frau ein, die auf der kleinen Runde (65 Kilometer) unterwegs war. „Die Kinder haben wir für zwei Tage verkauft“, scherzte der 37-Jährige – und posierte auf dem Schlossplatz für ein Foto mit Katharina Venjakob. Münsters zweifache Amateurweltmeisterin startete ebenfalls als Gastfahrerin für Rose über die 95er-Distanz und entschied die Wertung der Frauen für sich. Über 65 Kilometer stellte das Team mit Paula Weg ebenfalls eine Siegerin. „So oft habe ich unser Trikot noch nie auf dem Podium gesehen“, platzte Merschformann vor Stolz. Stark – vor allem für die Region!

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