Do., 05.10.2017

Tischtennis Sinkende Mitgliederzahlen und weniger Mädchen-Teams

Tischtennis erlebte schon bessere Zeiten. Die Mitgliederzahlen in Deutschland bleiben rückläufig.

Tischtennis erlebte schon bessere Zeiten. Die Mitgliederzahlen in Deutschland bleiben rückläufig. Foto: Witters

Münster - 

Die Tischtennis-Gemeinde teilt das Problem anderer Sportarten. Im Schatten von König Fußball sinken überall die Mitgliederzahlen. Mädchen-Teams wird es schon bald nicht mehr geben. Auch im Kreis Münster machen die Verantwortlichen sich Gedanken.

Von Wilfried Sprenger

Fußball? Läuft! Am Ende des vergangenen Jahres hatte der DFB erstmals über sieben Millionen Mitglieder. Im beinharten Verdrängungskampf zahlen andere Verbände die Zeche. Der Deutsche Tischtennis-Bund zählte 2016 noch 560 000 Mitglieder. Fast 100 000 weniger als zehn Jahre zuvor.

Die Tendenz bleibt rückläufig, vor allem im Nachwuchsbereich. Natürlich macht die Entwicklung auch vor dem heimischen Kreis Münster-Warendorf nicht halt. „Mädchen-Teams sind bereits ein Auslaufmodell“, sagt der Kreisvorsitzende Christoph Menges.

39 Clubs bieten im Kreis Tischtennis an, 13 von ihnen haben keine Jugend-Mannschaft im Spielbetrieb. Das sind 33,3 Prozent. Münster klagt damit auf mittlerem Niveau, Zahlen in anderen Regionen sind noch düsterer. „Spitzenreiter“ im Westdeutschen Tischtennis-Verband (WTTV) ist der Kreis Lippe, dort gibt es mehr Clubs ohne nennenswerte Jugendarbeit als mit.

Menges beobachtet die Entwicklung seit vielen Jahren. Er führt den Sturz der Tischtennis-Aktie nicht nur auf demografische Ursachen zurück. „Viele Kinder haben inzwischen Nachmittagsunterricht, ihnen fehlt die Zeit zum Training. Außerdem gibt es zunehmend weniger Leute, die dazu bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren.“

Einige Vereine in Münster steuern gegen den Kurs. Beim TuS Hiltrup, bei Westfalia Kinderhaus, beim 1. FC Gievenbeck und beim 1. TTC tummeln sich die Talente noch im Training. Das war beim TTC einige Zeit anders. Menges war Jahrzehnte Vorsitzender des Clubs. Rückblickend sagt er: „Erst als wir die Nachwuchsarbeit umgestellt und junge, innovative Trainer gewonnen haben, wurden wir wieder interessant. Heute sind bis zu 30 Kinder in der Halle, der Weg war richtig.“

Bei allem Eifer der Vereine mit nachhaltiger Nachwuchsarbeit: Der Mädchen-Spielbetrieb ist nicht mehr zu retten. 80 Prozent der weiblichen Talente im WTTV spielen bereits jetzt in Jungen- oder Schüler-Mannschaften. Die Zukunft liegt in gemischten Teams. Das muss man so konstatieren, ohne es schlechtzureden. „Das Wichtigste ist doch, dass sich die jungen Leute bewegen und beim Tischtennis bleiben“, erklärt Menges. Werner Almesberger aus der WTTV-Vorstandsriege schrieb unlängst in einem Dossier: „Der Spielbetrieb der männlichen Jugend wird gestützt, und die Mädchen profitieren ganz sicher durch den sportlichen Vergleich.“



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