Fr., 06.10.2017

Rad: Hobbyrennstall aus Münster fährt im German-Cycling-Cup vorne mit „Erstklassige „Mannschaftsleistung“ des Leeze-Biehler-Xplova-Teams

Große Bühne für konditionsstarke Männer: Das Leeze-Biehler-Xplova-Team genoss das Heimspiel beim Giro und feierte den Triumph von Stefan Reimer.

Große Bühne für konditionsstarke Männer: Das Leeze-Biehler-Xplova-Team genoss das Heimspiel beim Giro und feierte den Triumph von Stefan Reimer. Foto: Markus Stera

Münster - 

Die zwölfte Auflage des Sparkassen-Münsterland-Giro ist Geschichte. Für das münsterische Leeze-Biehler-Xplova-Team war das Heimrennen ein ganz besonderes.

Von André Fischer

Bei Kilometer 75 zündet Stefan Reimer seinen Turbo. Er steigt aus dem Sattel, bringt ein Höchstmaß an Kraft auf die Pedale – und nimmt Reißaus. Auf der Flucht vor der Konkurrenz, die ihn neidvoll ziehen lassen muss. Nur ein Widersacher hat den Mumm, Reimer die Stirn zu bieten. 50 Kilometer bis ins Ziel. Und dann geht alles ganz schnell. Der Bochumer, der für das münsterische Leeze-Biehler-Xplova-Team startet, mobilisiert nach der finalen Kurve die letzten Reserven, fährt wie im Rausch, reißt entfesselt unmittelbar vor dem Zielstich auf Höhe des Schlosses in der Manier eines Sprinters beide Arme in die Luft. All die Qualen haben sich gelohnt, sind auf einmal vergessen. Der Sieg, er ist seiner, nach 125 Kilometern der Jedermänner im Rahmen der zwölften Auflage des Sparkassen-Münsterland-Giro. Der größte Erfolg in der noch jungen Geschichte des heimischen Rennteams.

„Das war eine erstklassige Mannschaftsleistung“, sagt Florian Otterpohl. Er hat den Hut auf als Sportlicher Leiter. Ist aber genauso gern Teil des Ganzen im rollenden Feld. „Wir haben den Fokus auf den Etappensieg gelegt, uns alle kaputt gefahren“, lässt er durchblicken. Rang zwei in der Teamwertung des German-Cycling-Cup (GCC), der Deutschen Meisterschaft für Hobbyradsportler, war vor dem letzten Akt in Münster bereits in Stein gemeißelt. Was ohnehin als großer Erfolg in den Rennbüchern verbucht werden kann. „Besser waren wir nie“, erklärt Otterpohl. Aber nahe dran. 2014 Dritter, 2015 Vierter, 2016 Dritter – das kann sich doch sehen lassen. Erst recht, weil sich das Team erst 2014 als Lock8-Cycling- Team neu formiert hat und 2017 der prominent besetzten Merkur-Druck-Auswahl beeindruckend das Hinterrad zeigt und diese auf Platz drei verweist.

Luft nach oben bleibt trotzdem. 2018 soll es nicht weniger als der Gesamtsieg sein. „Ziele muss man sich setzen“, lacht Otterpohl. Er und seine Mitstreiter lassen jetzt für drei Wochen ihre Maschinen im Keller verschwinden, um dann im Rahmen der Vorbereitung auf die neue Serie wieder voll einzusteigen. Im Januar ist ein Trainingslager auf Gran Canaria geplant, im März soll es für ein paar Tage nach Mallorca gehen. Auf eigene Kosten. „Geld verdienen wir nicht“, sagt Otterpohl. Klar, Rennkosten und Material seien über Sponsoren gedeckt, aber alles andere ein Zusatzgeschäft.

Während die Einzelinteressen dem Gemeinwohl traditionell beim Leeze-Biehler-Xplova-Team untergeordnet werden, soll es in der kommenden Saison im Rahmen des GCC aber auch in der Individualwertung bei den Männern das Podium sein. Nur um magere 36 Pünktchen schrappte Reimer jüngst als Vierter am Treppchen vorbei. Patrick Altefrohne wurde Fünfter. 2015 war es immerhin Ex-Kapitän Paul Sicking, der die Fahnen des damaligen Leeze-Gebio-Mized-Cycling-Teams hochhielt. Er wurde Zweiter des Gesamtwertung.

Zeit zum Feiern nahm sich die Leeze-Crew nach dem Heimspiel in Münster reichlich. Im Teambus auf dem Schlossplatz wurde auf den gelungenen Abschluss der Saison angestoßen. „Aber wir haben nicht nur gefeiert“, klärt Otterpohl auf. „Wir haben uns viele Gedanken über das nächste Jahr gemacht.“ Auch im Radsport gilt die ergraute Weisheit: Nach der Saison ist vor der Saison – oder: Nach der Qual ist vor der Qual.

►  Am Teamerfolg beteiligt waren im Jahre 2017: Nino Ackermann (Mühlhausen), Patrick Altefrohne (Telgte), Anton Breuste (Hannover), Niko Herz (Hannover), Serge Herz (Hannover), Sascha Jakat (Koblenz), Martin Lensing (Coesfeld), Florian Otterpohl (Havixbeck), Nils Polnik (Ochtrup), Stefan Reimer (Bochum), Erik Santen (Münster), Alexander Schlenkrich (Coburg), Paul Sicking (Münster), Pascal Stork (Koblenz), Gerrit Uber (Hameln), Tobias Wellmann (Hameln), Sebastian Werth (Coesfeld), Ingo Westhoff (Mettmann), Joachim Wiens (Münster), Yannick Zohren (Münster).



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