Do., 09.11.2017

Nach positiver B-Probe verliert Vielseitigkeits-Team EM-Silber Reiten: Auch die zweite Überprüfung weist beim Pferd von Julia Krajewski eine unerlaubte Substanz nach

Wegen einer unerlaubten Substanz im Körper ihres Pferdes Samourai wurde Julia Krajewski nachträglich disqualifiziert. Das deutsche Vielseitigkeits-Team verliert so EM-Silber.

Wegen einer unerlaubten Substanz im Körper ihres Pferdes Samourai wurde Julia Krajewski nachträglich disqualifiziert. Das deutsche Vielseitigkeits-Team verliert so EM-Silber. Foto: dpa

Warendorf - 

Das deutsche Vielseitigkeitsteam muss seine Silbermedaille von der EM im August in Strzegom/Polen wieder zurückgeben. Wie der Weltverband FEI bestätigte, ist auch die B-Probe der Medikationskontrolle bei Julia Krajewskis Pferd Samourai du Thot positiv. Bei der unerlaubten Substanz handelt es sich um Firocoxib. Mannschaftsreiterin Krajewski wird nachträglich disqualifiziert, die Equipe fällt im Klassement zurück. Krajewski hat nun 21 Tage Zeit sich zu entscheiden, ob sie eine administrative Strafe annimmt oder vor das FEI-Tribunal zieht.

Krajewski, die mit Einzel-Europameisterin Ingrid Klimke (Münster), Michael Jung (Horb) und Bettina Hoy (Rheine) im Team ritt, beteuerte ihre Unschuld. Sie habe ihrem Pferd die Medikation nicht verabreicht. „Ich schwanke zwischen Hilflosigkeit, Traurigkeit und Wut“, sagte die 29-Jährige. „Ich will seit Wochen nur wissen, wie es zu diesem positiven Fall kommen konnte.“ Ob sie vor das FEI-Tribunal ziehen wird, ließ die Reiterin offen. „Ich habe die schriftliche Begründung und muss weitere Dinge klären. Danach entscheide ich, wie es weitergeht“, erklärte Krajewski. Die administrative Strafe würde eine Geldstrafe von 1500 Schweizer Franken (1300 Euro) sowie Verwaltungskosten in Höhe von 2000 Schweizer Franken (1725 Euro) nach sich ziehen, jedoch keine Wettkampfsperre.

Bei Firocoxib handelt es sich um einen Schmerz- und Entzündungshemmer, der eine „Controlled Medication Substance“ darstellt, aber kein Doping. Die Substanz ist zu therapeutischen Zwecken nur im Training erlaubt. Sie kommt laut Reiterin in zwei Medikamenten vor – in Equioxx für Pferde und in Previcox für Hunde.

Krajewski schließt Fremdeinwirkung nicht aus. Wie sie ermittelte, muss ihr Pferd in Strzegom die Substanz zwischen der Dressur und dem Geländeritt erhalten haben, da eine relativ große Menge nachgewiesen wurde. Bei der Recherche ist Krajewski auf medizinische Daten angewiesen, weil „es in Strzegom, wie auf anderen Championaten durchaus üblich, keine Videoüberwachung der Boxen gab.“ Auch eine Einnahme der Substanz über das Hundemittel Previcox hält Krajewski für möglich. Previcox weist eine vierfach höhere Dosierung von Firocoxib auf, das würde die Mengen im Körper des Pferdes erklären. „Vielleicht lag irgendwo eine Kautablette herum“, so Krajewski.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN zeigte sich geschockt. „Wir sind noch in der Analyse, wieso es dazu kommen konnte. Aber jetzt haben wir einen Fall. Das ist ganz großer Mist und bedauerlich für die anderen Reiter, die ihre Medaille abgeben müssen“, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.



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