Mo., 11.12.2017

Fußball: 3. Liga Viktoria Köln beurlaubt Trainer – Preußen Münster am Zug

In Köln beurlaubt, in Münster auf dem Wunschzettel ganz oben: Das Trainergespann mit Marco Antwerpen (stehend) und Kurtulus Öztürk.

In Köln beurlaubt, in Münster auf dem Wunschzettel ganz oben: Das Trainergespann mit Marco Antwerpen (stehend) und Kurtulus Öztürk. Foto: imago

Münster - 

Der Weg ist frei: Marco Antwerpen und sein Assistent Kurtulus Öztürk sind am Montag bei Viktoria Köln beurlaubt worden. Damit könnten beide am Samstag gegen RW Erfurt schon auf der Trainerbank des SC Preußen sitzen.

Von Alexander Heflik

Den vorletzten Akt im Wechseldrama auf den Trainerstühlen läutete Viktoria Köln ein. In den Mittagsstunden des Montags wurden Cheftrainer Marco Antwerpen und sein Assistent Kurtulus Öztürk von ihrer Tätigkeit beim Regionalliga-Tabellenführer freigestellt. Der Grund waren die Gespräche des Trainergespanns mit Drittligist Preußen Münster über einen sofortigen Wechsel an die Hammer Straße. Kölns starker Mann, Franz Wunderlich, schnitt das sowieso nur noch dünne Bändchen zwischen sich und Antwerpen durch – und räumte den Weg frei für eine Verpflichtung durch die Preußen. Vermutlich wird man sich noch kurz um die Ablösesumme rangeln. Am Samstag um 14 Uhr dürfte Antwerpen als 57. Trainer seit 1947 erstmals auf der Preußenbank sitzen. Dann steht das schicksalhafte Abstiegsduell gegen RW Erfurt im Preußenstadion an. Kein Zuckerschlecken knapp vor dem dritten Advent. Das Dienstagstraining wird aber noch Sören Weinfurtner, Trainer der Zweitvertretung, leiten.

Bereits Anfang Dezember war die Demission von Benno Möhlmann von den SCP-Gremien intern beschlossen, wäre die Punktpartie in Lotte (0:0) verloren worden. Die Personalie Antwerpen war da schon „heiß“. Die Sportfreunde Lotte, auch eine Randnotiz, wollten Antwerpen im Sommer bereits als Nachfolger für Ismail Atalan (zum VfL Bochum) holen. Aber der gerade erst bis 2018 verlängerte Vertrag stand im Weg, am Ende sagte Antwerpen ab. Der Sprung in die 3. Liga war vertagt.

Der Aufschub für Möhlmann dauerte nur eine Woche, am Sonntag leitete er noch das Auslaufen und die Spielnachbereitung nach der 1:4-Heimniederlage gegen die SG Sonnenhof Großaspach. Zu diesem Zeitpunkt tagten die SCP-Bosse und informierten nach der Trainingseinheit das Trainergespann Möhlmann/Sven Kmetsch, im Anschluss dann die Mannschaft. „Das war nicht einfach“, blickt Sportchef Malte Metzelder zurück. Und: „Benno Möhlmann hat einen besonderen Bezug zum Verein als Spieler und Trainer, aber auch wegen seiner menschlichen Art. Damit war er weit vorne.“

Dennoch endet nach 390 Tagen seine Ära als Übungsleiter in Münster. Sollten bis zum Wochenende die Wechselformalitäten mit Köln nicht abgeschlossen sein – im Raum stehen dürfte dabei eine branchenübliche Ablösesumme zwischen 20 000 und 30 000 Euro – würde eine Interimslösung kurzfristig weiterhelfen. „Wir haben da was im Kopf“, meinte Metzelder am Montag in der Frühe, wenige Stunden später erfolgte die Freistellung in Köln. Von da an hatte der SCP die Karten in der Hand.

Die Preußen bekamen jedenfalls aus Köln ihr Fett weg. Franz Wunderlich schob überraschenderweise dem Ansinnen der Preußen keinen kategorischen Riegel vor, was für ein angespanntes Verhältnis zwischen Club-Boss und Trainer spricht. Er sagte im „Reviersport“: „Wie wir das alles erfahren haben, ist sehr unglücklich gelaufen.“ Am Sonntag erst habe es die offizielle Anfrage der Münsteraner gegeben.

Doch die Tür wurde nicht prompt geschlossen, verwunderlich bei dieser Tabellenlage der Viktoria. Antwerpen und Öztürk wollten raus aus dem Kontrakt in Köln. Wunderlich wollte Reisende nicht halten, die Gefahr, einen vielleicht unzufriedenen Cheftrainer im Titelrennen gegen den KFC Uerdingen zu haben, ist wohl ein zu großes Risiko. Antwerpens Vertrag lief noch bis Sommer 2018. Glaubt man Aussagen aus dem Umfeld, war er über die kurze Laufzeit nicht erfreut. Die Viktoria scheiterte nur denkbar knapp am Aufstieg in die 3. Liga, zwei oder gar drei Jahre Verlängerung waren erwartet worden.

Preußen Münster dürfte für ihn – auch aus seiner sportlichen Historie heraus als Spieler, der drei Mal zwischen 1996 und 2007 unter Vertrag stand – die ultimative Herausforderung sein. In der aktuellen Lage des SCP gehört schon eine Menge Wagemut mit dazu.



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