Mo., 18.12.2017

Fußball: 3. Liga Das bedeuten die 3.128.000 Euro Unterkapitalisierung für Preußen Münster

Kein leichter Job: Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Eidecker stellte die Zahlen vor.

Kein leichter Job: Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Eidecker stellte die Zahlen vor. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Unterkapitalisierung. Das ist der Begriff, mit dem die Finanz-Misere bei Preußen Münster ganz offiziell bezeichnet wird. Drohen jetzt Probleme mit der Lizenz oder Schlimmeres? Das SCP-Präsidium verneint. Die Lage für den Club sei schwierig, aber nicht unlösbar.

Von Alexander Heflik

Das Wort des dritten Advents: Unterkapitalisierung. Und die beläuft sich beim SC Preußen Münster nach Abschluss des Rechnungsjahres 2016/17 auf 3,128 Millionen Euro. „Eigentlich waren es sogar 3,3 Millionen Euro im Sommer“, sagte Hans-Jürgen Eidecker. Er trug das Zahlenwerk bei der Jahreshauptversammlung vor. Das negative Kapital wuchs um weitere 1,076 Millionen Euro auf halt 3,128 Millionen Euro an. Sind das Schulden? Klares jein. Zum dritten Mal in Folge erzielte der 111 Jahre alte Club allerdings einen negativen Ertrag seit der Bilanzierung zum 30. Juni 2014. Mal sehen, was der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in der Nach-Lizenzierung des Winters dazu sagen wird.

„Es ist um ein Vielfaches schwieriger, das als eingetragener Verein zurückzuführen“, sagte das gemeinsam mit Martin Jostmeier für die Finanzen zuständige Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Eidecker. Leichter wäre das nach einer Ausgliederung, glaubt Eidecker. Allerdings: Solange die Liquidität sicher ist, geht es beim Fußball-Drittligisten weiter. Eidecker befürchte keine Probleme bei der Lizenz. Schwierig, aber nicht unlösbar.

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Wir haben Aufgaben vor uns, die nur in einer anderen Aufstellung des Vereins gelöst werden können.

Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Eidecker

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Er, Eidecker, war der Überbringer der schlechten Nachrichten vor 310 anwesenden, davon 279 stimmberechtigten, Mitgliedern. Und Präsident Christoph Strässer erklärte im Gesamtkontext auch dazu: „Wir blicken nach vorn. Und wir haben Aufgaben vor uns, die nur in einer anderen Aufstellung des Vereins gelöst werden können.“ Er meinte – natürlich – die Ausgliederung, über die die Vereinsmitglieder am 14. Januar entscheiden müssen. Und: „Wir müssen raus aus der 3. Liga – nach oben.“ Sagte der Präsident des Viertletzten aus Münster. Mutig, mutig.

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Ein Gesamtetat von 7,430 Millionen Euro reichte im Rechnungsjahr 2016/17 bei Weitem nicht aus, „grüne Zahlen“ schreiben zu können. Nach zehn Saisons mit positiven Jahreserträgen bis 2014 rutschten die Abschlüsse der Preußen seit 2015 rapide tief in den negativen Bereich. Nach 883 000 Euro Differenz 2015 folgten 229 000 Euro im Jahr darauf.

Wobei: Bei den Jahreshauptversammlungen in den beiden vergangenen Jahren war von 504 000 Minusbetrag und im Jahr drauf von 194 000 Euro positivem Ertrag berichtet worden.

Jahres-Minus von 1,076 Millionen Euro

Nun wurde für 2016/17 ein Minus von 1,076 Millionen Euro erzielt. In Sachen Verbindlichkeiten wurden 1,506 Millionen in Form von Darlehen durch Mitglieder von Aufsichtsrat und Präsidium gestemmt. Spannend ist dabei, dass die 1,506 Millionen Euro vermutlich von der negativen Ertragsseite im Fall der Ausgliederung verschwinden würden und einen „Platz“ in der ausgegliederten Abteilung hätten.

„Wirtschaftliche Konsolidierung, für die wir gemeinsam alles tun werden, sowie sportliche Weiterentwicklung“, umriss der Aufsichtsratsvorsitzende Frank Westermann die großen Ziele. „Für mich alternativlos ist die Ausgliederung. Für mich ist ein Stadionneubau alternativlos“, erklärte der Chef des Kontrollgremiums wegweisende Punkte.

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Wo ist das Geld geblieben?

Doch wo war das Geld allein in der Saison 2016/17 geblieben? Das war die Frage, die nicht zur Zufriedenheit aller beantwortet wurde. Durch verminderte Zuschauereinnahmen wurden 151 000 Euro weniger eingenommen, 44 000 Euro an TV-Geldern fehlten. Zudem: 333 000 Euro fehlten bei Transfereinnahmen, das dürfte dem zusätzlichen Gehalt von Trainer Benno Möhlmann sowie der Abfindung für Amaury Bischoff geschuldet sein.

Und dann waren da noch 404 000 Euro, die an cocnito, die Firma des ehemaligen Sponsorenbetreuers Dirk Kugel, gezahlt wurden. Man einigte sich dabei außergerichtlich, die Juristen hatten untereinander und unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Wort. Warum Kugel, der eigentlich beim Vermarkter Lagardere eingebunden werden sollte, gehen musste, wurde nicht erörtert. Die große Summe jedenfalls dürfte einer entsprechenden Handelsvertreter-Ausgleichszahlung entsprochen haben.

Und noch das: Die Werbeeinnahmen sanken um 305 000 Euro.

Die Zahlen des SC Preußen Münster

2017 im Detail:

Etat, Gesamterlöse: 7,430 Millionen Euro

Spielbetrieb: 3,652 Millionen Euro

Verwaltung: 382 546 Euro

Amateure: 257 350 Euro

Details: 1,076 Millionen Euro Verlust

Spielbetrieb 151 000 Euro; TV Gelder 44 000 Euro; Transfers 333 000 Euro; Werbeertrag 305 000 Euro; 444 000 (404 000 Euro Cocnito).

Verbindlichkeiten:

870 000 Euro (Banken)

805 000 Euro (div.)

433 000 Euro (sonstige)

1,506 Mio Euro (Darlehen Gremienmitglieder)

Zahlen im Vergleich:

Gesamtetat:

2011/12: 5,981 Millionen Euro

2012/13: 7,652 Millionen Euro

2013/14: 7,891 Millionen Euro

2014/15: 8,218 Millionen Euro

2015/16: 8,171 Millionen Euro

2016/17: 7,430 Millionen Euro

Spielbetrieb 3. Liga:

2011/12: 2,742 Mio. Euro

2012/13: 3,523 Mio. Euro

2013/14: 3,764 Mio. Euro

2014/15: 3,902 Mio. Euro

2015/16: 3,817 Mio. Euro

2016/17: 3,652 Mio. Euro

Verwaltung:

2011/12: 241 169 Euro

2012/13: 366 889 Euro

2013/14: 404 778 Euro

2014/15: 511 647 Euro

2015/16: 468 962 Euro

2016/17: 382 546 Euro

Amateure:

2011/12: 154 544 Euro

2012/13: 211 341 Euro

2013/14: 224 429 Euro

2014/15: 317 572 Euro

2015/16: 306 493 Euro

2016/17: 257 350 Euro

Jahresergebnis:

2011: + 7000 Euro

2012: + 168 000 Euro

2013: + 54 000 Euro

2014: + 39 000 Euro

2015: - 883 000 Euro

2016: - 229 000 Euro

2017: - 1,076 Mio. Euro

Negatives Kapital:

2011: 1,207 Mio. Euro

2012: 1,033 Mio Euro

2013: 979 000 Euro

2014: 940 000 Euro

2015: 1,823 Mio. Euro

2016: 2,052 Mio. Euro

2017: 3,128 Mio. Euro

(SCP seit 2011 in 3. Liga)

Kommentar: Colt auf der Brust

Glaubt man Präsidium und Aufsichtsrat der Preußen, dann führt kein Weg an der Ausgliederung vorbei. Das ist die Perspektive, erst so können finanzielle Lasten jeder Art besser getragen werden. Die Gegner der Ausgliederung spüren den Colt auf der Brust, alle anderen auch.

Alternativlos? Alternativlos!

Das ist die Kernaussage der Jahreshauptversammlung.

Nicht jeder sieht das so. Wobei klarzustellen ist, dass der SCP sparen und die Finanzen neu sortieren muss, sich dabei in der Pleiteliga 3. Liga in guter Gesellschaft mit Vereinen wie Osnabrück, Chemnitz oder Erfurt befindet. Rumgekrebse.

Bei den Preußen wurde aber auch am Sonntag nicht schlussendlich klar, wer nun die Schuld an der wirtschaftlichen Talfahrt trägt. Immerhin steht dem negativen Eigenkapital von 3,128 Millionen Euro eine stille Reserve in Form der Haupttribüne gegenüber. Auch ein geschätzter aktueller Etat von 7,0 Millionen Euro ist nicht ohne.

Was sich sofort ändern muss? 305 000 Euro Rückgang bei Sponsoren ist fatal, ein Exodus der Partner. Die Tendenz ist hochexplosiv.

Dann wäre da der Job für das Team. 151 000 Euro weniger durch Tickets geht auf diese Kappe, Tendenz anhaltend. Der Job für die Kicker: Zuschauer zurückgewinnen.

Alexander Heflik

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