Di., 26.12.2017

Fußball: Hallen-Stadtmeisterschaften in Münster Münsters „Boxing Days“

Das Ende des Jahres hält wie immer den Höhepunkt für alle Fußballer bereit – auch die Fans sind zwischen Weihnachten und Neujahr Feuer und Flamme.

Das Ende des Jahres hält wie immer den Höhepunkt für alle Fußballer bereit – auch die Fans sind zwischen Weihnachten und Neujahr Feuer und Flamme. Foto: fotoideen.com

Münster - 

Sie sind eine gepflegte alte Tradition: die Hallen-Stadtmeisterschaften zwischen den Jahren. Die Szene trifft sich und kommt ins Plaudern. Und ganz nebenbei gibt es noch guten Fußball zu sehen.

Von André Fischer

Schlagkräftig ist es, ihr Argument. Gefühlt seit einer Ewigkeit. Wenn die Briten traditionell den zweiten Weihnachtstag zum „Boxing Day“ ausrufen, folgt die Meute reflexartig. Ein lieb gewonnenes Ritual, bei dem sich in der Regel die komplette Familie unter das Publikum mischt. Aber eines, das nicht gänzlich unumstritten ist. Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, lieferte unlängst eine Erklärung dafür, warum der englische Fußball seit Jahren an Krücken geht. „Andere große Nationen legen sich in dieser Zeit auf das heimische Sofa und schauen Premier League“, schimpfte er über das Fehlen der Winterpause auf der Insel.

Nun, Belastung hin, Intensität her: Auch in Münster gibt es keine Schonzeit zwischen den heiligen Tagen und Neujahr. In der Sporthalle am Berg Fidel „boxt“ der Papst. Der Weihnachtsbraten samt Klößen und einem nicht minder kalorienreichen Dessert wird seit vielen Jahrzehnten im Rahmen der Hallen-Stadtmeisterschaften bei einem zünftigen Kick verdaut. 2017 zum 41. Mal. Eine Erfolgsgeschichte, diese fünf „Boxing Days“ mitten im Herzen Westfalens.

Das Geheimnis? Ist einfach erklärt. Das zumindest glaubt Helmut Ossenbeck, 40 Jahre die unnachahmliche Stimme der Spiele. Er verweist schlicht auf den bewährten Termin zwischen den Jahren „Der spielt uns in die Karten“, sagt er überzeugt. „Die Leute haben frei und sind doch froh, wenn sie mal rauskommen.“

Ins gleiche Horn stößt Alois Fetsch, Trainer des Bezirksligisten VfL Wolbeck: „Das ist der Höhepunkt des Jahres. Ein Turnier der Extraklasse, das exzellent organisiert ist. Hier triffst du Freunde und Bekannte aus Münsters Fußball-Szene.“ Fetsch stand einst als Kicker von Wacker Mecklenbeck selbst dort unten und durfte den Titel im Jahr 2000 feiern. „Da kriegst du schon ne Gänsehaut, wenn du bei Spotlight einläufst“ – die gespürte Lebhaftigkeit einer Erinnerung. „So was vergisst du nicht.“ Möglich, dass er nochmals in den Genuss kommt. Der VfL ist noch im Rennen.

„Das ist ein geiles Event“, nimmt Kieran Schulze-Marmeling, Co-Trainer der zweiten Preußen-Vertretung, kein Blatt vor den Mund. Viermal hat er den Budenzauber als Spieler, viermal als Trainer erlebt – mit gerade mal 28 Lenzen. Ach ja, und in der D-Jugend mit seinem Heimatverein TuS Altenberge ist er mal als junger Spross in einem Vorspiel aufgelaufen. Vor 2500 Zuschauern. „Ein Erlebnis.“ Er vertrat am Dienstag seinen „Chef“ Sören Weinfurtner, der Geburtstag feierte. Der Finaltag ist das Ziel der Adler, die mit neun Erfolgen Rekordgewinner sind. „Aber selbst wenn wir scheitern, ist das hier ein Pflichttermin“, sagt Schulze-Marmeling.



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