Mi., 10.01.2018

Fußball: 3. Liga Strässer und seine Preußen-Mitstreiter auf Werbetour für Ausgliederung

 

Alle zusammen für Preußen Münster? Am Sonntag werden Präsident Christoph Strässer und seine Kollegen auch auf Widerstand treffen. Foto: Heflik

Münster - 

Am Sonntag ist High Noon. Wie geht es weiter für den SC Preußen? Als Kapitalgesellschaft oder als eingetragener Verein? Vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung erläutert Präsident Christoph Strässer noch mal detailliert, warum der Schritt in die GmbH & Co. KGaA für ihn alternativlos ist.

Von Thomas Rellmann

Wo sonst westfälische Küche, asiatische Kost oder das Salatbuffet hoch im Kurs stehen, wo sich Studenten zu Tausenden in der Mittagszeit an Ausgabetheken und Kassen tummeln, entscheidet sich am Sonntag ab 11 Uhr die Zukunft des SC Preußen. In der Mensa am Coesfelder Kreuz. Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft oder Verbleib im eingetragenen Verein? Das ist die Frage, die die Verantwortlichen ihren Mitgliedern in einer außerordentlichen Versammlung stellen.

Präsident Christoph Strässer und seine Mitstreiter werben für diesen einen Schritt auch auf den letzten Drücker noch, sie appellieren an alle Stimmberechtigten und beschwören ihren Kurs, versuchen Ängste zu zerstreuen. „Es wird nicht der Ausverkauf des Fußballs an eine ominöse Kapitalistengruppe“, sagt der 68-Jährige. „Aber wir können nicht in den Strukturen wie vor 120 Jahren verbleiben. Und die gallischen Dörfer können auch nicht dauerhaft erfolgreich sein.“

Der Verein ist aktuell verschuldet mit mehr als drei Millionen Euro. Jedoch verhehlen die Bosse nun auch die „stille Reserve“ (etwa die Tribüne) nicht, deren Wert abzüglich dieser 3,128 Millionen Euro in der Eröffnungsbilanz der angestrebten GmbH & Co. KGaa als für die 3. Liga benötigte Mindesteinlage von einer Million Euro verwendet werden kann.

Geheimes Voting

Das wäre Schritt eins, die volle Kontrolle verbliebe beim e.V. – in Schritt zwei entscheidet sich dann, so Strässer, ob und in welcher Größe Kapitalerhöhungen stattfinden. „Aber ganz sicher nicht durch ausländische Großinvestoren.“ Wer genau konkretes Interesse an einer Beteiligung signalisiert hat, lässt die Clubführung offen. „Es gibt Zusagen, aber diese Leute wollen natürlich erst Sicherheit und nicht vorher ihren Namen irgendwo lesen“, so der Präsident.

Um diesen Weg zu beschreiten, benötigt der SCP am Sonntag zunächst eine Zweidrittelmehrheit für eine Satzungsänderung, die dann wiederum die Abstimmung über die Ausgliederung legitimiert, in der 75 Prozent dafür sein müssen. Dieser komplizierte Weg ist nötig, damit der e.V. nicht im schlechtesten Fall seine Gemeinnützigkeit verliert. Votiert werden soll übrigens geheim, allein um keinen Raum für Anfechtungen zu lassen.

Ohne Ausgliederung schlechte Karten für Stadion-Neubau

Die Entscheidung am Sonntag hat auch auf den geplanten Stadion-Neubau (außerhalb Münsters) sehr konkrete Auswirkungen. Die bereitstehenden Investoren für beide Projekte sind größtenteils identisch – und würden bei einer Ablehnung kaum für eine Arena in Bösensell, Greven oder wo auch immer im Umland parat stehen, so SCP-Boss Christoph Strässer. „Wenn wir ausgliedern, haben wir auch in den Gemeinden außerhalb der Stadt eine bessere Grundlage.“ Dass der SCP gleich auch den Aufstieg ins Visier nimmt, sieht er jedoch nicht. „Das wäre vermessen. Nur als eingetragener Verein werden wir die 3. Liga nicht verlassen – jedenfalls nicht nach oben.“

Verfehlen die Führungskräfte das erste Ziel, ist das zweite bereits obsolet. Und auch wenn dieses scheitert, stecken die Preußen – zumindest für den Moment – tief in der Klemme. Strässer hatte einst seinen Rücktritt angekündigt für den Fall. Jetzt sagt er: „Ich sehe auch die Verantwortung für den e.V. und denke nicht: nach mir die Sintflut. Am Sonntag würde ich also nicht zurücktreten, sondern danach dafür kämpfen, dass der SCP nicht in die Insolvenz geht. Das würde schwierig, aber wenn es gelingt, sollen die übernehmen, die gegen eine Ausgliederung waren.“

Gegner haben mobil gemacht

Metzelder hofft auf mehr Spielraum

SCP-Sportdirektor Malte Metzelder betont wie seine Chefs, dass die Ausgliederung für die Zukunft des Vereins unausweichlich ist. Zumindest, wenn es auch in der Tabelle vorwärts gehen soll. „Allerdings dürfen wir nicht glauben, dass am 15. Januar dann ein Goldesel vor der Tür steht und wir plötzlich mit frischem Geld arbeiten können.“ Der zuletzt mehrere Tage getestete Denis Streker (vereinslos) kommt aufgrund fehlender Spielpraxis zwar eher nicht mehr als Neuzugang in Frage. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass im Winter doch noch eine Verstärkung kommt, wäre ungleich größer mit einem positiven Votum. „Die handelnden Personen vermitteln doch, dass sie zum Wohle des Vereins aktiv sind“, sagt Metzelder. Er weiß, dass nach knüppelharten Einstiegsmonaten unter Sparzwang auch sein Job mehr Entfaltungschancen böte.

Wie gesagt, das ist aus Sicht der Gremien der „worst case“ – aber er ist nicht ausgeschlossen. Von 1491 stimmberechtigten Mitgliedern müsste wohl knapp die Hälfte in die Mensa am Ring kommen, damit die Führungsmannschaft ein sicheres Gefühl bekommt. Denn alle wissen: Die Gegner haben mobil gemacht und werden in großen Teilen erscheinen. Die Befürworter brauchen noch einen Stoß. „Jedes Mitglied ist gefordert“, sagt Strässer, der auf eine „sachliche, faire Diskussion“ vorab hofft. Zumindest theoretisch wäre es denkbar, dass der Club einen neuen Ausgliederungsversuch unternimmt, wenn er an der 75-Prozent-Marke hängen bleibt.

Dass zuletzt auch eine gewisse Eile auftrat, hängt damit zusammen, dass eine Kapitalgesellschaft rückwirkend und damit steuererleichternd nur acht Monate nach Saisonbeginn (1. Juli) greifen kann, also bis Ende Februar. Hier müssen auch noch Einspruchsfristen beachtet werden. Das DFB-Nachlizenzierungsverfahren läuft für den SCP noch bis zum 23. Januar. Setzen sich am Sonntag die Gegner durch, hätte das zumindest keine positiven Auswirkungen auf die komplizierte Zahlenprüfung in Frankfurt.

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