Fr., 13.11.2015

Flüchtlinge spielen Fußball beim SV Wilmsberg Schutz und eine neue Heimat

Borghorst/Ochtrup - 

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft lieferte mit ihren Erfolgen bei den Weltmeisterschaften in Brasilien, Südafrika sowie 2006 im eigenen Land ein gutes Beispiel für die integrative Kraft des Fußballs. Diese entfaltet sich aber nicht nur auf höchster Ebene, sondern vielmehr an der Basis. Auch im nördlichen Kreis Steinfurt.

Von Heiner Gerull

Schon im Juli fand der syrische Kriegsflüchtling Ali Shaheen beim SC Arminia Ochtrup ein neues Zuhause. Nun setzt auch der SV Wilmsberg ein Zeichen für geflüchtete Menschen und für eine positive Willkommenskultur. Am vergangenen Sonntag gehörte mit Diguar Hamo der erste Kriegsflüchtling zum Aufgebot der Wilmsberger B-Liga-Mannschaft. Sechs weitere Akteure aus Syrien und dem Irak warten auf Grünes Licht. Ihre Spielberechtigungen wurden zum Teil schon beantragt. „Dabei steht der sportliche Aspekt hintenan. Vielmehr geht es darum, diese Menschen in die Borghorster Bürgerschaft zu integrieren“, sagt Frank Gläser . Er ist Ansprechpartner für Flüchtlingsangelegenheiten beim SV Wilmsberg.

Angetrieben wird er von dem Beweggrund, den aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens ankommenden Vertriebenen hier Schutz und Hilfe zu leisten. Der Sportverein biete dazu eine gute Gelegenheit. Für all jene jungen Fußballer, deren Träume von einer großen Karriere in ihrer Heimat zerbombt und unter dem Schutt des Krieges begraben wurden.

Der erste Kontakt zu dem Flüchtling aus Syrien entstand am 30. August. An jenem heißen Sommer-Sonntag feierte Steinfurt den 40. Jahrestag des Zusammenschlusses von Borghorst und Burgsteinfurt. Reserviert war bei diesem Fest auch ein Tisch für Kriegsflüchtlinge. „Mit einem bin ich nachmittags zum Waldstadion gefahren. Dort haben wir uns das Spiel zwischen dem SV Wilmsberg und Borussia Emsdetten angeschaut“, erinnert sich Gläser. Sein Begleiter Diguar Hamo war begeistert. Und da er mit großer Zuwendung von der Wilmsberger Fußball-Familie aufgenommen wurde, dauerte es nicht lange, ehe sich ihm weitere Kollegen anschlossen. Durchaus hilfreich bei der ersten Kontaktaufnahme war, dass Selwan Abdul-Rahmann, Torhüter beim SV Wilmsberg, Arabisch spricht. Somit konnte der Keeper in Diensten des SVW sprachlich vermitteln. Darüber hinaus verläuft die Kommunikation untereinander auf Englisch.

Freilich ist das erst der Anfang. „Denn der Hilfebedarf ist groß“, sagt Gläser. Inzwischen habe sich ein fester Kreis gebildet, deren Mitglieder sich bemühen, „unbürokratisch und schnell“, so der 52-Jährige, Beistand zu leisten. Der Kriminalbeamte weiß, wovon er spricht. Denn wie in vielen anderen Gemeinden blieb auch in Borghorst als einzige Möglichkeit rascher Unterstützung, die Kardinal-von-Galen-Halle zweck zu entfremden, indem sie als Notaufnahmequartier hergerichtet wurde. „Man kann sich vorstellen, wie hoch der Geräuschpegel dort ist“, verkündet der Familienvater. Es sei kaum möglich, ausreichend Schlaf zu bekommen. „Wir haben deshalb eine Hand voll Ohrenstöpsel verschenkt“, zeigt Gläser auf, wie praktische Hilfe vor Ort aussieht. Inzwischen konnten einige Familien in Wohnungen untergebracht werden. Doch der Bedarf sei unverändert hoch.

Gläser, der beim SV Wilmsberg auch schon als Jugendtrainer tätig war, will weiterhin seinen Anteil dazu beitragen. Und er sieht Fortschritte. Die Akzeptanz in der Bevölkerung steige, sagt er. Und beim SV Wilmsberg sowieso. „Da sind unsere Neuankömmlinge schon ein fester Bestandteil der Mannschaft.“



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