Sa., 18.10.2014

Interview mit Arminia Bielefelds Trainer Norbert Meier „Die Sache hier hat mich gefangen“

 Übungseinheit in Bielefeld mit Trainer Norbert Meier (M.).

 Übungseinheit in Bielefeld mit Trainer Norbert Meier (M.). Foto: dpa

Bielefeld - 

Erstmals steht Trainer Norbert Meier beim Westfalenderby Preußen Münster gegen Arminia Bielefeld für die Ostwestfalen an der Seitenlinie. Unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger sprach mit dem Bielefelder Trainer.

Norbert Meier ist seit dem 23. Februar Trainer beim DSC Arminia Bielefeld . Auf der Alm löste er den populären Stefan Krämer ab. Meier (16 Länderspiele, 292 Bundesliga-Einsätze für Bremen und Mönchengladbach) übernahm die Ostwestfalen auf einem Abstiegsplatz mit dem Auftrag, die Zweite Bundesliga zu halten. Das gelang nicht: In der Relegation gegen Darmstadt 98 gewann Bielefeld auswärts das Hinspiel 3:1, das Rückspiel im eigenen Stadion ging in der Verlängerung 2:4 verloren. DSC-Präsidium und Meier entschieden dennoch, die Zusammenarbeit zu verlängern. Unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger sprach mit dem Bielefelder Trainer.

Münster gegen Bielefeld, das hatten Sie in Ihrer Karriere noch nicht. Kribbelt es schon?

Norbert Meier: Na klar, vor allem im Umfeld. Das ist für beide Fan-Lager doch ein außergewöhnliches Spiel. Aber der Sport soll im Vordergrund stehen. Ich habe es gern, wenn Derbys auf dem Platz entschieden werden.

Was erwarten Sie am Sonntag?

Meier: Ein intensives Spiel. Wir haben die Preußen natürlich beobachtet, ich habe sie zuletzt gegen Wiesbaden gesehen. Das ist fußballerisch eine sehr starke Mannschaft.

In der vergangenen Saison hat Bielefeld das Klassenziel nicht erreicht. Sie sind trotzdem Trainer der Arminia geblieben ...

Meier: Ganz klar, ich hatte nur für die Zweite Liga zugesagt. Doch die Sache hier hat mich gefangen. Als ich in Bielefeld übernommen habe, waren wir 17. und hatten davor elf von 14 Spielen verloren. Die Situation war prekär und die Mannschaft total verunsichert. Und dann kam dieser Endspurt mit Siegen in Bochum und Dresden sowie im Relegationshinspiel in Darmstadt. Das Ende des Rückspiels war grausam, danach ist die ganze Stadt in eine Ohnmacht gefallen.

Was haben Sie gemacht?

Meier: Ich habe mich gestrafft und entschlossen, die Arbeit fortzusetzen.

Mit zwölf neuen Spielern ...

Meier: Ja, es gab einen Umbruch, der war wirklich nicht ganz einfach. Wir haben gute Leute geholt, aber von denen waren auch einige gerade abgestiegen oder sie hatten zuvor in ihren Vereinen nur wenig Spielpraxis. Denen mussten wir erst einmal den Glauben an ihre Qualitäten zurückgeben. Andere Zugänge kamen sehr spät hinzu. Mir war von Anfang an klar, dass es Zeit brauchen würde, um schlagkräftig zu werden. Deshalb war der Start auch etwas holprig.

Aber jetzt läuft es ...

Meier: Ich würde es so formulieren: Vieles greift jetzt besser. Wobei auch bei Niederlagen nicht immer alles schlecht war. Beim 1:5 zu Hause gegen Halle haben wir 60 Minuten lang sehr ordentlich gespielt.

Beim 4:1 zuletzt gegen Dresden sind die Fans sogar ins Schwärmen geraten. Da stimmte nicht nur das Ergebnis, es soll auch ein tolles Erlebnis gewesen sein. Stimmen Sie zu?

Meier: Ich war zufrieden, aber es gibtimmer Dinge zu verbessern. Wenn die Zuschauer glücklich waren, freut mich das. Es ist doch klar, dass wir guten Fußball zeigen wollen. Das ist die eine Geschichte, die Ergebnisse erzählen die andere.

Mit Fortuna Düsseldorf haben Sie das Kunststück vollbracht, von der 3. über die 2. in die 1. Liga zu klettern. Was ist in Bielefeld möglich?

Meier: Tatsächlich erinnert mich die Zeit jetzt ein bisschen an Fortuna. Die Stimmung im Umfeld ist gut, die Zuschauerzahlen steigen. Man spürt, es geht voran. Und das ist nicht selbstverständlich nach dem Abstieg. Ich kann den Fans nur danken für die Treue zum Verein.

Ihr Präsident ist unlängst schon einmal vorgeprescht und hat sich den Wiederaufstieg auf die Fahne geschrieben ...

Meier: Ein Präsident darf das, er ist doch die Mutter der Kompanie. Als Trainer halte ich mich mit solchen Dingen ungern auf. Ich kann immer nur sagen: Der einzige Club in ganz Deutschland, der nach Mundpropaganda hat Taten folgen lassen, ist der FC Bayern. Viele andere sind da schon übel gescheitert.

Aber Bielefeld zählt doch zu den Aufstiegskandidaten ...

Meier: In der 3. Liga gibt es ungefähr zehn Mannschaften, die zu diesem Kreis gehören.

Wie wichtig ist das Derby am Sonntag?

Meier: Na, da geht es schon um einiges. Die Preußen möchten den Anschluss nach vorn herstellen. Wir wollen unseren Platz verteidigen.



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