Mi., 19.04.2017

Fußball: 3. Liga Preußen im Höhenflug – stolzer Rizzi, abgebrühter Warschewski

Tobias Warschewski (l.) liefert sich hier einen Zweikampf mit dem Dänen Malte Amundsen. Spannend wird, wie der Preuße seine Zukunft gestalten will.

Tobias Warschewski (l.) liefert sich hier einen Zweikampf mit dem Dänen Malte Amundsen. Spannend wird, wie der Preuße seine Zukunft gestalten will. Foto: imago

Münster - 

Der Höhenflug der Preußen macht Michele Rizzi stolz. Der Mittelfeldspieler ist auch ohne Kapitänsbinde ein Wortführer der Mannschaft. Unterdessen hat sich Tobias Warschewski bei der U-19-Nationalmannschaft eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Von Thomas Rellmann

Der kleine Makel bleibt. Preußen Münster ist immer noch das Schlusslicht der Auswärtstabelle in der 3. Liga. Aber wen juckt das schon, wenn keine Mannschaft zu Hause mehr Punkte sammelt? Trainer Benno Möhlmann ganz bestimmt. Der ist ehrgeizig hoch drei, war bisher nur in den beiden Eliteklassen als Coach unterwegs und fand selbst am Samstag vor der Pause, als der SCP die beste Halbzeit dieser Saison beim 4:2 (4:0) gegen Fortuna Köln bestritt, am Seitenrand immer wieder Gründe, um sich die Haare zu raufen.

Wichtiger als die Bilanzen zu Hause oder in der Fremde ist aber die Tatsache, dass der aktuelle Zwölfte der Gesamtwertung so etwas wie das Team der Stunde ist und damit den Klassenerhalt im Prinzip in der Tasche hat. Der SC Paderborn hat als einziger noch gefährlicher Club auf den Abstiegsplätzen schon elf Punkte Rückstand, wo doch nur noch 15 vergeben werden. „Und die müssen ja noch gegen uns ran“, sagt Michele Rizzi bemerkenswert selbstbewusst. In Ostwestfalen würden sie das vielleicht genau andersherum formulieren, doch die Preußen haben inzwischen eine unfassbar breite Brust. „Es geht auch um die Art und Weise, wie wir spielen. Wenn wir noch Punkte bräuchten, dann würden wir die auch holen“, fügt der Mittelfeldspieler an, der auch ohne Kapitänsbinde weiter als eines der Sprachrohre fungiert und seine Leistungen in den vergangenen Wochen stetig verbessert hat.

Das Minimalziel hält auch der 28-Jährige für erreicht. „Aber wir wollen die Saison weiter nutzen, uns zu verbessern. Dann haben wir auch fürs nächste Jahr ein besseres Gefühl“, sagt er. „Wie wir uns da unten rausgekämpft haben seit dem Winter – da muss man wohl vor allen den Hut ziehen.“ Ab sofort gilt der Fokus der mittelfristigen Zukunft.

Einer, der in den letzten Wochen keine Hauptrolle mehr spielte, ist Tobias Warschewski. Das Sturmtalent bekam zwar noch Joker-Minuten, stand aber im Schatten von Adriano Grimaldi, dem Spielführer und Mann des Tages gegen Köln. Am Ostermontag durfte sich der Angreifer mal wieder von Anfang an zeigen – und zwar im Trikot mit dem Bundes- statt dem Preußen-Adler auf der Brust. Für die mit zahlreichen Debütanten angetretene U-19-Nationalmannschaft traf der Münsteraner sogar nach 36 Minuten im Test gegen Dänemark in Lübeck zur 1:0-Führung (Endstand 3:1). Ganz routiniert schob er die Kugel aus spitzem Winkel am Fünfereck ins Netz. Nach genau einer Stunde war sein zweites Junioren-Länderspiel beendet. Auftrag erfüllt, die eigene kleine Geschichte geschrieben, die Verbandstrainer überzeugt – und ganz sicher auch weitere Scouts hellhörig gemacht. Zuvor hatte er sogar Tipps vom DFB-Rekordtorschützen Miroslav Klose erhalten, der die Nachwuchsstürmer in den U-Mannschaften begleitet.

Ob Warschewski (Kontrakt bis 2018) beim SCP bleibt, wird eines der spannendsten Themen der nächsten Wochen. Drei Möglichkeiten gibt es: Der Spieler wechselt sofort und spült sehr gutes Geld (mittlerer sechsstelliger Betrag) in die Kasse, oder er bestreitet sein erstes richtiges Seniorenjahr noch vertragskonform an der Hammer Straße – oder aber er verlängert sein Arbeitspapier sogar. Variante drei wäre für den neuen Sportdirektor Malte Metzelder zweifellos ein erstes kleines Meisterstück.



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