So., 23.07.2017

Fußball: 3. Liga Geteilte Freude zwischen Erfurt und Preußen

Adriano Grimaldi lässt sich nach dem ersten Preußen-Tor dieser Saison von den Kollegen feiern. Nach dem Abpfiff bedankt sich das Team beim mitgereisten Anhang.

Adriano Grimaldi lässt sich nach dem ersten Preußen-Tor dieser Saison von den Kollegen feiern. Nach dem Abpfiff bedankt sich das Team beim mitgereisten Anhang. Foto: Sebastian Sanders

Erfurt - 

Ein Punkt zum Auftakt, darauf lässt sich aufbauen. Preußen Münster holte ein 1:1 bei RW Erfurt, danach sahen die Spieler sich im Vorteil. Es war wohl ein Spiel auf Augenhöhe, aus dem die Gäste zumindest mit einem leichten Chancenplus gingen.

Von Ansgar Griebel

Benno Möhlmann und Stefan Krämer waren sich absolut einig: „Damit können wir leben“, bilanzierten die beiden Trainer nach dem 1:1 (1:1) zwischen RW Erfurt und Preußen Münster zum Saisonauftakt. Ein Ergebnis, das bei den Wettanbietern nicht viel wert gewesen sein dürfte. Immerhin empfing am Samstag eine Mannschaft mit ausgewiesenem Heimkomplex ein Team mit amtlicher Auswärtsschwäche. Doch das Resultat war dann eben nicht geteiltes Leid, sondern eher doppelte Freude. „Das war schon ordentlich“, sagte Preußen-Trainer Möhlmann. „Eine Partie mit viel Tempo und einigen Torszenen“, ergänzte Krämer. Himmelhoch jauchzend klingt anders, dennoch hoben beide Trainer abschließend den Daumen für den Saisonauftakt.

Um am Ende darüber spekulieren zu können, ob im Steigerwald zwei Punkte liegengeblieben waren oder einer gewonnen wurde, mussten jetzt in kleinen Runden Detailanalysen herhalten. „Ich denke, dass wir dann doch die etwas klareren Chancen hatten“, erinnerte sich Möhlmann vor allem an einen missglückten Lupfer des völlig freistehenden Tobias Rühle in der ersten Hälfte und einen unpräzisen Abschluss von Martin Kobylanski, der in Durchgang zwei den Ball haarscharf am Erfurter Tor vorbeibugsierte.

Fotostrecke: RW Erfurt vs. Preußen Münster

Etwa zwei Meter weiter links dachte Stefan Krämer gerade über das Geschoss von Vermeille Biankadis nach, dem sich Fabian Menig todesmutig in den Weg warf, oder den Reflex von Preußen-Keeper Nils Körber, der einen Gewaltschuss von Jens Möckel aus der Gefahrenzone faustete. Schlussendlich blieben die beiden Kopfbälle von Holger Neufeld (10.) und Adriano Grimaldi (28.) jeweils nach Ecken von Menz für Erfurt und Kobylanski für Münster, die beiden Szenen, die auf der Anzeigentafel Niederschlag fanden und beiden Teams einen verdienten Punkt mit auf die lange Reise durch die neue Saison auf den Weg gaben. Eine Reise, deren Ende naturgemäß auch nach der ersten Standortbestimmung noch nicht absehbar ist.

Kommentar: Mit Mut zur Jugend

Es war die erste Standortbestimmung für den SC Preußen Münster – nicht mehr und nicht weniger. Dennoch nimmt Trainer Benno Möhlmann mehr mit aus Erfurt als den einen verdienten Zähler. Der Trainer spielt mit der Elf, die die überschaubaren Finanzen des Clubs zulässt – und das mit bemerkenswerter Konsequenz. Traditionell hatten es junge Spieler immer schwer, in Münster Fuß zu fassen, doch in Erfurt standen mit Nils Körber (20), Fabian Menig (23) und Moritz Heinrich (20) gleich drei Hochtalentierte in der Startelf. Dafür mussten bewährte Stammspieler auf die Bank. Das erfordert Mut vom Trainer und Leidensfähigkeit bei den Betroffenen. Der erste Testlauf unter Wettkampfbedingungen ist gut verlaufen, lässt aber auch noch Raum für Verbesserungen. Münster wird sich noch steigern müssen, um in 37 Spieltagen auf eine gute Saison zurückblicken zu können. Aber der Start macht Hoffnung.

  Ansgar Griebel

Erste Erkenntnisse nahm Möhlmann allerdings schon mit aus dem Steigerwald. Gleich drei junge Neuzugänge standen in Erfurt von Beginn an auf dem Platz und sammelten dort mehr als nur Sympathiepunkte. Vor Körber (20), der nach Ansage Max Schulze Niehues als Nummer eins im Kasten ablöste, besetzten Fabian Menig (23) und Florian Heinrich (20) die linke Außenseite. Das Trio löste seine Aufgabe gut. „Einige Wochen“ will Möhlmann abwarten, ehe er schlussendlich darüber empfindet, ob es sich bei den noch vergleichsweise namenlosen „Neuen“ um Ergänzungen oder Verstärkungen handelt. Ein erster Fingerzeig wurde aber am Samstag gegeben.

Fotostrecke: RW Erfurt vs. SC Preußen Münster - Einzelkritik

Ganz entscheidend für den ordentlichen Start war indes ein „Alter“: Kapitän Grimaldi, der sich pünktlich zum Anpfiff ebenso wie die anderen Erkältungsopfer Rühle, Danilo Wiebe und Sebastian Mai einsatzfähig gemeldet hatte, war nicht nur Torschütze, sondern auch Kopf der Mannschaft. Fast jede aussichtsreiche Situation ging von Münsters Nummer 39 aus, der zudem ständig unterwegs war und die teilweise etwas zu großen Räume zwischen sich und den nachrückenden Kollegen unermüdlich beackerte. Auch Grimaldi selbst war nach dem Abpfiff eher zufrieden. „Wir hatten leichte Probleme in das Spiel zu finden, hatten dann aber alles im Griff.“ Auch der Torjäger sah am Ende seinen SCP als Punktsieger in dieser Partie: „Ich würde sagen, es stand am Ende 60:40 für uns.“ Nun werden in der Tabelle keine Prozente vergeben – nur Punkte. Jeweils einer für Münster und Erfurt – und das war gut so.

Frust auf der Bank

Auf der Bank saßen die Frustrierten. Max Schulze Niehues und Jeron Al-Hazaimeh – in der vergangenen Spielzeit nicht aus der Stammelf wegzudenken, mussten am Samstag Sitzfleisch beweisen. Da halfen auch die tröstenden Worte des Trainers im Anschluss wenig: „Max hätte auch nicht mehr Gegentore zugelassen.“ Benno Möhlmann hat nach wie vor großes Vertrauen in seine ehemalige Nummer eins, die den Saisonstart von außen erlebte und einen fehlerfreien Start von Konkurrent und Kollege Nils Körber sah. „Hätte Max gespielt, wäre das Spiel ein anderes gewesen. Jede andere Ballberührung verändert ein Spiel“, so Möhlmann. Ob „anders“ schlechter oder besser bedeutet, ließ Möhlmann völlig offen. Aktuell bleibt Körber jedenfalls Möhlmanns Nummer eins von zwei nahezu gleichwertigen Keepern. Gleich für zwei Stammplätze hatte sich Al-Hazaimeh empfohlen und fand seinen Platz neben Schulze Niehues auf der Bank. Allerdings konnte der sich den Frust noch einige Minuten von der Seele schießen. Beinahe hätte er per Linksschuss zwei Minuten vor Schluss noch den Sieg herausgeschossen.



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