So., 30.07.2017

Fußball: 3. Liga Nicht in Grimaldis Wohnzimmer – Sieggarant der Preußen

Großer Jubel, linker Haken: Adriano Grimaldi brach das Eis.

Großer Jubel, linker Haken: Adriano Grimaldi brach das Eis. Foto: Sebastian Sanders

Münster - 

Preußen Münster hat das erste Heimspiel der neuen Saison mit 3:0 gegen den Aufsteiger SV Meppen gewonnen. Für den Drittligisten trafen Adriano Grimaldi, Martin Kobylanski und Jeron Al-Hazaimeh. Lange ausruhen kann sich der SCP nicht, am Dienstag geht es gleich wieder auf Reisen.

Von Alexander Heflik

Dann ergriff der Hausherr das Wort in aller Deutlichkeit, in allen Sprachen. Not in my house. Nicht in meinem Wohnzimmer. Auch nicht in meiner Kemenate. Liebe Meppener, im Preußenstadion sitzt für Euch nichts drin – Adriano Grimaldi benutzte dafür die klarste Sprache aller Fußballer: ein Tor. Es war einer von vielen richtig gut gespielten Diagonalpässen als Spieleröffnung von Innenverteidiger Sebastian Mai, der die Ouvertüre einläutete. Dann kam Grimaldi, nahm den Ball mit der Brust an, schüttelte Marcel Gebers und Jovan Vidovic voller Selbstvertrauen und mit maximaler Wucht von sich ab, schaute kurz hoch, sah, wo Torwart Eric Domaschke stand – und traf. Das 1:0 für die Preußen nach 51 Minuten gegen den SV Meppen war der Knackpunkt in einer bis dahin völlig offenen Partie. Von da an konnte der Sieger nur SC Preußen Münster heißen, Grimaldi sei Dank.

Meppens Traum platzt

So zerplatzten die Träume des Aufsteigers aus Meppen an der Hammer Straße, der SCP startete mit einem am Ende souveränen 3:0 (0:0)-Erfolg in die 19teilige Heimspielserie der neuen Saison. Alles wie gehabt, weil unter Benno Möhlmann die Heimspielstärke vorherige Saison entwickelt und nun im gerade angebrochenen Spieljahr konserviert wurde. 9130 Zuschauer sahen das Spektakel, welches es vor allem wegen der Hausherren nach der Pause war.

„Wir hatten Phasen, wo es nicht so gut für uns lief“, erklärte „Türöffner“ Grimaldi später. Und: „Am Ende war es für uns ein perfekter Tag.“ Tatsächlich hatte der SCP einen langen Anlauf und vor allem eine sattelfeste Abwehrkette benötigt, um gegen die giftigen Gäste nicht in Rückstand zu geraten. Münsters Mittelfeldreihe bekam vor der Pause die Dinge nicht in den Griff, lief meistens der Musik hinterher. Zum besten Zweikämpfer taugte in dieser Phase vor allem Coach Möhlmann, der wie Rumpelstilzchen am Seitenrand mitmachte ob der vielen verlorenen Duelle. Allerdings musste SCP-Schlussmann Nils Körber bei seinem Heimdebüt nur einmal gegen Martin Wagner (33.) seine bei Hertha BSC erlernte Klasse nachweisen.

Anlaufphase für Hausherren

Der SCP ratlos und lethargisch vor der Pause – nach dem Wechsel ein ganz anderes Bild. Der Aufsteiger aus Meppen wurde abgekocht, zudem spielte der SCP seine individuelle Klasse jetzt aus. Nach der Superaktion von Grimaldi zur Führung, folgte der Geniestreich des Martin Kobylanski. Auch hier musste Michele Rizzi bei der Vorarbeit ein glatte Eins gegeben werden, als er einen Konter über das ganze Feld einleitet und genau rechtzeitig auf Kobylanski flankte. Der 23-Jährige überwand der SVM-Torwart mit einem gefühlvollen Heber. Geplant oder missglückte Flanke?

„Gegen Rheden habe ich im Testspiel genau so ein Tor geschossen. Ich wollte direkt schießen“, erklärte Kobylanski und beendet für sich diese Debatte. Mein Wille, mein Tor. Und: „Wir haben unsere Heimstärke wieder unter Beweis gestellt.“

Mai überzeugend

Grimaldi stark, Kobylanski stark, aber beim 3:0 durch Jeron Al-Hazaimeh (86.) wurde deutlich, dass auch Sebastian Mai einen richtig guten Tag erwischt hatte. Der 2016 vom FSV Zwickau gekommene Innenverteidiger spielte ohne Feld und Tadel, und bereitete zwei Tore vor. „Das war sehr, sehr gut von uns. als wir uns schwergetan haben im Spielaufbau, konnten wir dennoch die Null halten“, bilanzierte er. Nach einer Saison, in der er „Drittligaluft geschnuppert habe“, sei er angekommen beim SCP. Der Teamgeist sei ein Plus, der Start viel besser als im Vorjahr. Überbewerten wollte er das alles nicht: „Es sind doch nur ganz vier normale Punkte.“

Kommentar

Vor einem Jahr: Null Tore, null Punkte, Drittletzter – Alarmstimmung bei den Preußen. Vier Tore, vier Punkte, Dritter in der noch frischen Saison 2017/18 – Durchatmen erlaubt. Ein Anfang ist gemacht, endlich mal wieder ein positiver. Auch die Zuschauerzahl, die drittbeste Resonanz am 2. Spieltag, sorgt für zufriedene Gesichter. Der SCP ist sehr vernünftig und seriös aus den Startlöchern gekommen und kann mit einer Portion Gelassenheit den Fortgang der englischen Woche in Würzburg und gegen Bremen II in Angriff nehmen.

Die Preußen verfügen auf den ersten Blick über ein kompaktes Team mit individuellen Speerspitzen wie Grimaldi und Kobylanski. Trainer Möhlmann hat den positiven Fluss konserviert. Es gibt also Hoffnung.

  Alexander Heflik



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