Mo., 31.07.2017

Fußball: 3. Liga Die Bürde des Absteigers – Würzburger Kickers erwarten die Preußen

Einst Preußen-Spieler, nun Coach von Mittwochs-Gegner Würzburg: Stephan Schmidt (links). Felix Müller (kleines Bild) spielte eine Saison 2015/16 für den SCP.

Einst Preußen-Spieler, nun  Coach von Mittwochs-Gegner Würzburg: Stephan Schmidt (links). ­Felix Müller (kleines Bild) spielte in der Saison 2015/16 für den SCP. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster/Würzburg - 

Zwei Aufstiege, ein Abstieg, die Würzburger Kickers haben bewegte Jahre hinter sich. Am Mittwoch erwartet der Zweitliga-Absteiger in der 3. Liga den SC Preußen Münster. Ein Hauch von SCP liegt dabei bei dem bayerischen Club aus Unterfranken in der Luft.

Von Alexander Heflik

Am 18. Dezember 2016 feierten die Würzburger Kickers vorzeitig Weihnachten. Der Aufsteiger in die 2. Bundesliga hatte gerade Erstliga-Absteiger VfB Stuttgart mit 3:0 abgefertigt, nur fünf Punkte fehlten zur Saison-Halbzeit zu einem direkten Aufstiegsrang. Sollte es wirklich etwas werden mit dem dritten Aufstieg in Serie. Regionalliga-Meister, Sieg über den 1. FC Saarbrücken in der Relegation 2015; Drittliga-Dritter 2016, Sieg über den MSV Duisburg in den Aufstiegsspielen zur 2. Bundesliga. Und jetzt der dritte Durchmarsch?

Der VfB Stuttgart wurde 17 Spieltage später Meister und Rückkehrer in die erste Liga, Würzburg stieg nach einer desaströsen Rückrunde ab. Denn seitdem konnten die Kickers kein Punktspiel mehr gewinnen, siebeneinhalb Monate oder saisonübergreifend 19 Partien ohne Sieg – am Mittwoch will Preußen Münster im Gastspiel im Stadion am Dallenberg aus der 19 eine 20 schrauben.

Kein berauschender Start

„Die Bilanz ist nicht berauschend“, sagt der neue Trainer Stephan Schmidt, und meint nur die ersten beiden Saisonspiele gegen Meppen (2:2) und Werder Bremen II (1:1). Den Ballast der Vorsaison hatte man mit einem gewaltigen Kaderumbau versucht abzuwerfen, 16 Neue kamen, 14 gingen, darunter mit dem Ex-Preußen Nejmeddin Daghfous (SV Sandhausen) ein Leistungsträger. Allerdings ist der Druck von außen groß, gleich 14 Trainer der 3. Liga glauben an die Aufstiegschance der Würzburger. „Wir geben uns bei allen Dingen, die wir zu bewerkstelligen haben, die nötige Zeit“, versucht Schmidt Druck vom Kessel zu nehmen. Was allerdings schwer ist bei den gestiegenen Ansprüchen der Kicker. 2009 noch in der Landesliga, 2012 die Regionalliga erreicht, gab es 2014 das Projekt: „3x3 – in drei Jahren in der 3. Liga.“ Der Weg war anders, langsamer angedacht, vor allem nicht ein Abstieg 2017 in die 3. Liga. Würzburg auf der Überholspur – im Sommer 2017 aber brutal ausgebremst.

Junger Preußen-Kader

Preußen Münster findet sich in der aktuellen Tabelle der 3. Liga auf dem geteilten dritten Rang wieder mit Werder Bremen II und der SG Sonnenhof Großaspach. Aber Münster ist auch der Aufsteiger in der Alters-Tabelle der 3. Liga. Jahrelang verfügte der SCP stets über die älteste Mannschaft der 3. Liga – Platz 20 von 20 Teams. In dieser Saison kommen die Mannen von Trainer Benno Möhlmann nach Angabe des Kicker-Sportmagazin auf ein Kader-Durchschnittsalter von 24,45 Jahre. Das jüngste Aufgebot hat Werder Bremen (22,22 Jahre), gefolgt von der Spielvereinigung Unterhaching (23,65). Schlusslicht hier: SF Lotte mit 26,55 Jahren.

Gar Dritter sind die Preußen beim Altersdurchschnitt der eingesetzten Spieler an den ersten beiden Spieltage. Auch da stellt Werder (23,09) die jüngste Mannschaft, Nach Jena (23,86) folgen die Preußen mit 24,57 Jahren. Jüngerer Kader, aber im Spiel Einsatz der älteren Kräfte gilt für FSV Zwickau, die bisher mit 27,28 Jahren den ältestens Mix auf den Rasen geschickt haben.

Schmidt soll es nun richten als Nachfolger von Aufstiegsheld Bernd Hollerbach. Der 40-Jährige war als Aktive vor allem in der Regionalliga aktiv, kam dabei zwischen 2000 und 2002 auf 65 Partien für Preußen Münster im Mittelfeld. Dann sattelte er um auf Trainer, betreute Juniorenteams (Hertha BSC, VfL Wolfsburg oder Schalke 04), ehe er den Zweitligisten SC Paderborn übernahm. Zwei Spieltage vor dem Saisonende 2013 musste er gehen, obwohl das Team als Tabellenelfter praktisch gerettet war. Aber sechs Partien ohne Sieg sorgen im Ostwestfälischen schnell für hektische Betriebsamkeit.

Schmidts dritter Anlauf

Absolut glücklos verlief die Station bei Zweitligist Energie Cottbus in der Saison 2013/14. Ein Punkt in neun Partien kosteten Schmidt prompt den Job. Aber über die Juniorenteams bei Schalke (U 16 und U 17) fand er letztlich nun den Weg zu den Würzburg Kickers. Die Zweitliga-Absteiger werden generell als erste Aufstiegskandidaten in der 3. Liga gehandelt, eine schere Bürde für den bayerischen Club. Selbstläufer sind das nicht, man muss nur an den FSV Frankfurt oder SC Paderborn denken.►  Preußen-Filiale Würzburg? Stürmer Marco Königs spielte von 2012 bis 2013 in Münster in 49 Drittliga-Partien (9 Tore). Er ist in Würzburg eigentlich erste Wahl. 2015/16 hatte er bei Fortuna Köln in der 3. Liga mit 16 Treffern seine beste Saison. Mittelfeldspieler Felix Müller (24) kam auf 13 Zweitliga-Partien (zwei Tore) nach dem Wechsel von Münster zu den Kickers. Patrick Drewes, in der Vorsaison die Nummer zwei hinter Torwart Max Schulze Niehues, ist auch in Würzburg die Nummer zwei hinter Wolfgang Hesl. Der 24-Jährige kam beim SCP auf drei Drittliga-Partien.



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