Do., 03.08.2017

Fußball: 3. Liga Gänsehautmomente beim Scherder-Comeback

Ein Bild, das viel aussagt über die Gemütslage des Simon Scherder: Nach dem Abpfiff in Würzburg feierten ihn die Fans. Und auch seine Teamkollegen im Hintergrund, (v.l.) Moritz Heinrich, Sandrino Braun und Fabian Menig, freuen sich sichtlich über das Comeback des Sympathieträgers.

Ein Bild, das viel aussagt über die Gemütslage des Simon Scherder: Nach dem Abpfiff in Würzburg feierten ihn die Fans. Und auch seine Teamkollegen im Hintergrund, (v.l.) Moritz Heinrich, Sandrino Braun und Fabian Menig, freuen sich sichtlich über das Comeback des Sympathieträgers. Foto: Jürgen Peperhowe

Würzburg - 

Gänsehaut am Dallenberg: In der 80. Minute der Drittligapartie von Preußen Münster bei den Würzburger Kickers läuft ein Mann auf den Platz, den die Fans dort seit zwei Jahren nicht mehr gesehen haben. Der Empfang von Simon Scherder wird zu einem Fest für alle Beteiligten ...

Von Thomas Rellmann

Noch Anfang Juni wusste Simon Scherder weder ob noch wie und vor allem wo seine Fußballer-Karriere weitergehen würde. Am Mittwoch feierte der 24-Jährige dann ein vielbeachtetes Comeback. In der 3. Liga wohlgemerkt. Dort also, wo er zwischen 2013 und 2015 als eines der heißesten Abwehrtalente gehandelt wurde, ehe das Verletzungspech mit einem Kreuzbandriss im Freundschaftsspiel bei Westfalia Kinderhaus und einer weiteren schweren Knieblessur, ebenfalls in einem Test gegen Heracles Almelo, gnadenlos zuschlug und ihn zu zwei Jahren Auszeit zwang. Als er beim 1:0 der Preußen in Würzburg zehn Minuten vor Schluss für Martin Kobylanski den Rasen betrat, hatte wahrscheinlich jeder Münsteraner in der Flyeralarm-Arena für einen Moment Gänsehaut. Denn als Eigengewächs, das seit 2006 im Verein spielt, ist Scherder eben nicht irgendwer.

Kurz zurück in den Frühsommer. SCP-Sportdirektor Malte Metzelder gab dem Dreierwalder nach längerem Zögern einen Einjahresvertrag, was alle Fans freute, angesichts des schmalen Etats und der langen Pause aber auch nicht ganz risikofrei war. Schon jetzt zeigt sich, dass der Schritt kein Fehler war. „Ich habe mir dann vorgenommen, in der Vorbereitung möglichst alle Einheiten mitzumachen. Das habe ich geschafft“, sagt der Defensivmann. „Und ich glaube, ich habe die Trainer und das Drumherum auch überzeugt, dass da ein ganz ordentlicher Kicker zurückgekommen ist. Ich glaube, alle wissen, was sie an mir haben.“ Coach Benno Möhlmann, der den Spieler schon Mitte Juli „Gewinner der Vorbereitung“ nannte, hat ihn sogar vom reinen Innenverteidiger zum Allrounder umgepolt und brachte ihn am Dallenberg wie zuvor in den Testspielen als Sechser. „Er kann beides“, sagt der 63-Jährige. „Simon ist ein guter Typ. Die Jungs freuen sich, dass er den Anschluss gefunden hat. Und dann war irgendwann auch mal ein Einsatz fällig.“

Auch schon am dritten Spieltag? „So früh habe ich noch nicht damit gerechnet“, sagt Scherder. „Aber das macht mich glücklich. Ich hoffe, es geht so weiter.“ Schon, als er wenige Tage zuvor gegen den SV Meppen erstmals seit Mai 2015 wieder im 18er-Aufgebot stand, kassierte er reichlich Glückwünsche. „Das Warmmachen, die Stimmung im Stadion – das war ja das, worauf ich zwei Jahre hingearbeitet hatte.“ Der Knoten scheint also durchschlagen. „Ich hoffe, meine Leidenszeit ist jetzt erst einmal Geschichte, und ich komme wieder dahin, wo ich vor über zwei Jahren war.“ Sprich: Er möchte verlässlicher Abwehrmann mit gutem Auge und Stammplatz sein. Auch wenn Scherder nie lauthals Ansprüche formulieren würde.

Bliebe nur die Frage, wie er selbst die Sekunden bei der Einwechslung, aber auch später in der Kurve erlebte, als erneut sein Name skandiert wurde. „Das war schon grandios. Ich habe auf dem Platz schon mitbekommen, was die Zuschauer singen, nachher natürlich auch“, sagt der Verteidiger. „Als wir das 1:0 gemacht haben, kam der Gedanke schon mal auf, dass es gleich passieren kann. Dann hat der Trainer mir vertraut, den Laden mit dicht zu halten. Dass wir die drei Punkte über die Zeit bringen, war dann natürlich das Beste.“ Ein Teamplayer war er schon immer.



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