So., 06.08.2017

Fußball: 3. Liga Chancentod gegen Werder zu Gast bei den Preußen

Das kostet mindestens einen Punkt: Schiedsrichter Steffen Mix entscheidet auf Foulspiel, Bremens Torwart Tobias Duffner markiert den sterbenen Schwan, Tobias Warschewski (rechts) bleibt ohne Torerfolg.

Das kostet mindestens einen Punkt: Schiedsrichter Steffen Mix entscheidet auf Foulspiel, Bremens Torwart Tobias Duffner markiert den sterbenden Schwan, Tobias Warschewski (rechts) bleibt ohne Torerfolg. Foto: Sebastian Sanders

Münster - 

So wie am Mittwoch die Würzburger Kickers, so ließen am Samstag auch die Preußen etliche Chancen ungenutzt. Das 0:1 gegen Werder Bremen II hatten sich die Münsteraner daher selbst zuzuschreiben, auch wenn die Gangart des Gegners und eine Schiedsrichter-Entscheidung für Unmut sorgten.

Von Alexander Heflik

Trost und Zuspruch vom Gegner ist so eine Sache im Fußball. Mitleid. Igitt. Dennoch steckte eine Menge Wahrheit in den Worten von Florian Kohfeldt, dem das als Sieger auch leichter fiel, über den Ausgang der Partie zu sprechen. „Wir hätten uns über den Ausgleich oder auch eine Niederlage nicht beschweren können“, sagte der Coach von Werder Bremen II nach dem 1:0 (1:0)-Auswärtserfolg bei Preußen Münster. Verschnupft, weil seit über einer Woche bronchial angeschlagen, verfolgte Benno Möhlmann die Worte seines Trainerkollegen. Der 63-Jährige kann Dinge wirklich auf den Punkt bringen, dieses Mal bilanzierte er: „Wir haben viele Situationen im Spiel geschaffen, um mehr zu holen. Die Konzentriertheit, und das habe ich auch schon im Training moniert, fehlte uns beim Abschluss. Wir haben das überstrapaziert.“ Es war deutlich mehr drin für die Preußen.

Als Rafael Kazior nach 28 Minuten das 1:0 köpfte nach einer zugegebenermaßen toll getimten Flanke von Thore Jacobsen, da hatten die Preußen einmal gepatzt. Lennart Stoll ließ dem Flankengeber zu viel Platz, Stéphane Tritz konnte nicht aushelfen, in der Zentrale kam Lion Schweers zwei Schritte zu spät. Tor. Doch es schien korrigierbar. „Wir hatten schon vor dem Rückstand die besseren Aktion in Richtung Tor und haben danach auch Druck ins Spiel bekommen“, sah Möhlmann wie die 6571 Zuschauer eine gar nicht schlechte Partie des SCP. Nur vor dem Tor kam alles zusammen, Glück, Pech, Unkonzentriertheiten, manches Mal zu viel Hast und Eile – und ein Schiedsrichter Steffen Mix aus Abtswind, der dem regulären Ausgleich durch Tobias Warschewski (64.) die Anerkennung versagte.

Kommentar: Vieles ist möglich

Eine Heimniederlage, aber das große Lamento bleibt aus. Das hat einen Grund: Die Preußen können bislang durchaus gefallen in der 3. Liga. Vor einem Jahr Tabellenletzter, nun „nur“ unglücklich Verlierer gegen ein Überraschungsteam wie Werder Bremen II.

Der SCP unter Benno Möhlmann ist konkurrenzfähig, allerdings wird die Mannschaft zum einen an der Chancenverwertung arbeiten, zum anderen die Behäbigkeit der ersten Halbzeit ablegen müssen. Es bleibt eine Menge Arbeit, aber der Anfang ist zufriedenstellend. Alexander Heflik

„Dem Schiedsrichter will ich keinen Vorwurf machen“, meinte Mittelfeldspieler Danilo Wiebe nach der Partie diplomatisch. „An einer Entscheidung will ich die Niederlage nicht festmachen“, erklärte auch Möhlmann. Da hatten sie die TV-Bilder von der Aktion noch nicht gesehen, wie Warschewski einen guten Schritt vor Bremens Torwart Tobias Duffner an den Ball kam und geschickt einschob. Der Assistent aber rief seinem Chef zu, dass ein Foulspiel des Preußen dabei gewesen sei. Eine Fehlentscheidung, sie kostete die Hausherren mindestens einen Punkt.

Und sonst? Martin Kobylanski (29.) traf den Pfosten, dann durften praktisch alle Angreifer mindestens einmal ihr Glück versuchen. Der eingewechselte Tobias Rühle belebte die Bemühungen der Adlerträger. Jeron Al-Hazaimeh, auch eingewechselt, hatte in der Schlussphase mehrfach tolle Szenen. Für alle galt: Entweder sie schossen neben oder über das Tor, oder der Torhüter war zur Stelle.

Duffner, der wurde zum Staatsfeind Nummer eins an der Hammer Straße, glänzte mit Paraden und Schauspieleinlagen, irgendwie der Mann des Spiels mit seinen 33 Jahren. Torschütze Kazior kommt gar auf 34 bei der insgesamt jüngsten Mannschaft der 3. Liga. Der Mix machte es, also nicht der Referee Mix, sondern der Werder-Mix. Die Jungen waren stark, aber die Alten machten den Unterschied aus – bei den Bremern. Münster fehlte dieses Mal der alte Hase in der Offensive.

Vier Fragen an Tobias Warschewski

Ihr Tor zum Ausgleich zählte nicht. Wie haben Sie es erlebt?

Warschewski: Ich bin der Meinung, dass ich eher am Ball war. Ich ziehe weg – kein gefährliches Spiel, keine offene Sohle.

 

Hätten Sie nicht dennoch dieses Spiel eigentlich gewinnen müssen?

Warschewski: Ja, es war das Gegenteil der letzten Spiele. Da waren so viele Chancen. Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll. Das Tor war einfach zu.

Im vierten Spiel war es Ihr erster Saison-Einsatz. Können Sie gut warten?

Warschewski: Ehrlich gesagt, bin ich kein geduldiger Mensch. Ich wollte auf den Platz, musste aber abwarten. Es ist die Entscheidung des Trainers. Damit muss man klar kommen, das habe ich hingenommen. Bis jetzt ist es ja auch gut gelaufen.

 

Kann es noch zu einem Wechsel von Ihnen kommen in diesem Sommer?

Warschewski: Nee, glaube nicht. Ich fühle mich wohl.

„So eine abgebrühte Zweitvertretung habe ich noch nicht gesehen“, zollte Rühle später Respekt. Werder machte wirklich sehr vieles richtig, und legte in Sachen Foulspiel und Tackling nach dem Wechsel zwei Schippen drauf. Sechs Verwarnungen und die Ampelkarte für Isaih Young (67.) standen zu Buche, keine davon war umstritten, Jacobsen hätte für ein Foul an Rühle auch noch Rot sehen müssen, Gefangene machten die Gäste für ihren Auswärtserfolg nicht. Das war hart an der Grenze, und vor allem erfolgreich.

So endete der Tag, der vierte Spieltag, erstmals ohne Erfolgserlebnis für die Preußen in dieser Saison. Ein Rückschlag, aber kein K.o. – vor einem Jahr war alles viel, viel schlimmer beim SCP. Das 0:1 haut die Münsteraner in der aktuellen Lage nicht um. Vermutlich.



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