Fr., 11.08.2017

Fußball: Westfalenliga Preußen-Rekordspieler Kara ist auch sechstklassig ehrgeizig

Will es in der Westfalenliga wissen: Mehmet Kara

Will es in der Westfalenliga wissen: Mehmet Kara. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Er war der Starspieler des SC Preußen, kickte in der ersten türkischen Liga, war Leistungsträger im deutschen Fußball-Unterhaus. Jetzt hat es Mehmet Kara in die Westfalenliga verschlagen. Nicht ganz freiwillig. An einen Abschied denkt er nicht. Mit seinem hervorragend dotierten Vertrag habe das aber nichts zu tun.

Von Alexander Heflik

Einen Großteil seines Fußballer-Lebens hat Mehmet Kara beim SC Preußen Münster verbracht. Er kam 2007 zum damaligen Oberligisten vom Klassenrivalen Hammer SpVg. „Mehmet wer?“, hieß es. Trainer Roger Schmidt wollte den dribbelstarken und flinken Linksaußen unbedingt. Er kannte den Türken, der in Bergkamen wohnte und nach einem unglücklichen Gastspiel bei Gaziantepspor in der ersten türkischen Liga unbedingt zurück wollte zur Familie. Deshalb also Hamm, eine Zwischenstation. Später, als Schmidt es zum Bundesliga-Coach bei Bayer Leverkusen gebracht hatte, antwortete der Fußballlehrer auf die Frage, welchen Fußballer er sich für seine Mannschaft wünschen würde: „Den jungen Mehmet Kara.“ Nicht Ronaldo, Messi oder Kroos. Natürlich sagte Schmidt das augenzwinkernd, er, der damals mit Bayer in der Champions League spielte, während Kara in der 3. Liga kickte – aber es steckte auch ein Schuss Wahrheit in der Aussage. Kara hatte was, etwas ganz Spezielles und Aussterbendes im Profifußball. Haken schlagen, dribbeln bis zum Sankt-Nimmerleinstag, ein Künstler an der Kugel. Vor allem Schmidt kitzelte das aus dem Türken heraus. „Fußballgott“ schallte es von den Rängen, jetzt darf er nur noch „Himmlisches“ in der Westfalenliga zeigen.

Denn Kara ist das, was man bei einem Vertragsspieler aussortiert nennt. Der 33 Jahre alte Familienvater, der einst bei SuS Oberaden als Junior begann, wurde in die U-23-Auswahl abgeschoben.

„Ich respektiere die Entscheidung, ich bin Profi. Anfangs fiel es mir nicht so leicht. Aber jetzt bin ich sechs Wochen mit der Mannschaft zusammen, es macht Spaß“, sagt er. Dass er als Stinkstiefel, als verwöhnter Ex-Starkicker daherkommt, war sowieso nicht zu erwarten. Mehmet Kara ist ein netter, ein freundlicher Mensch. Die Aufgabe mit der U 23 reizt ihn, extrem pragmatisch meint er: „Für mich ist wichtig, dass ich spielen kann. Ein Traum wäre es, mit der Mannschaft aufzusteigen.“ Drei Kinder hat er mittlerweile, das Älteste wird eingeschult. Aus Oberaden bildet er eine Fahrgemeinschaft nun mit Dominik Voß. Er sagt: „Ich bin top-fit.“ Bei Trainer Sören Weinfurtner wird er, wenn nichts Außergewöhnliches mehr passiert, sein letztes Vertragsjahr verbringen. Der erste Auftrag führt nach Bielefeld.

Ist Kara der Rekordspieler im Adler-Dress? Er kommt auf 301 Pflichtspiel-Einsätze mit 61 Toren und 30 Assists in 3. Liga, Regionalliga, Oberliga, DFB- und Westfalenpokal eingerechnet, dazu noch mal gut und gerne 100 Testpartien. Am 3. August 2007 stand er in der Oberliga-Startelf gegen die SpVgg Erkenschwick, Münster siegte mit 2:0. Zwei Wochen später traf er bei Eintracht Rheine (4:2) erstmals in einer Punktpartie. Nach vier Spielzeiten verabschiedete er sich zum Zweitligisten SC Paderborn (2011), wurde eine Saison später für knapp eine Million Euro zu Genclerbirligi Ankara verkauft, wo er nach einen halben Jahr dankbar das Angebot der Preußen annahm und an die Hammer Straße zurückkehrte. Zwischen 100 000 und 150 000 Euro flossen deshalb zwischen den Clubs. Der Wintertransfer der Preußen befeuerte damals, im Frühjahr 2013, die Aufstiegsträume beim SCP.

Doch hatte es bei Schmidt/Kara noch gefunkt, war es zwischen Coach Pavel Dotchev und dem sensiblen Mittelfeldspieler allenfalls ein Zweckbündnis. Selbst als Kara den Tag aller Tage im Preußen-Dress erlebte und mit einem Hattrick innerhalb von 14 Minuten vor 15 000 Zuschauern das Derby gegen den VfL Osnabrück (3:1) entschied, selbst an diesem 2. März 2013, wollte Dotchev den Rastelli nicht wirklich loben.

Die Kurve zeigte in den letzten Spielzeiten nach unten, sein letzter Drittligaeinsatz war im Dezember, acht Minuten auf eigenem Platz gegen Paderborn. Endstand 0:1.

Aber er, Kara, Fußballgott a.D., hat einen gültigen Vertrag. Den erhielt er im Januar 2015, sein großer Fürsprecher war der damalige Präsident Dr. Marco de Angelis. Letztlich wurde die Entscheidung von allen akzeptiert, obwohl der damalige Sportchef Carsten Gockel eigentlich andere Ideen hatte. „Ich habe mir diesen Vertrag erarbeitet“, sagt der Spieler. Kara ist ein stolzer Mann, auch mit Blick auf diesen Kontrakt. Ohne Murren hat er die Zurückstufung in die Reserve hingenommen. Er betont: „Die anderen können reden, was sie wollen. Dieser Verein bedeutet mir immer noch ganz viel.“ Kara will bleiben.

► VfB Fichte Bielefeld - Preußen Münster II (Sonntag, 15 Uhr, Sportanlage Russheide)



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