So., 20.08.2017

Fußball: 3. Liga Der Heimnimbus der Preußen ist futsch

Rettung im letzten Moment: Der aufmerksame SCP-Schlussmann Nils Körber klärt vor Magdeburgs Christian Beck.. Einen schweren Stand hatte Danilo Wiebe (kleines Bild rechts) in den Duellen mit dem Ex-Preußen Marius Sowislo. .

Rettung im letzten Moment: Der aufmerksame SCP-Schlussmann Nils Körber klärt vor Magdeburgs Christian Beck.. Einen schweren Stand hatte Danilo Wiebe (kleines Bild rechts) in den Duellen mit dem Ex-Preußen Marius Sowislo. . Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Michel Niemyer hat dem 1. FC Magdeburg den 1:0-Auswärtssieg beim SC Preußen Münster beschert. Vor 7269 war dies der fünfte Sieg des FCM gegen den SCP in der 3. Liga in Serie. Münster kassierte damit die zweite Heimniederlage in Folge und versinkt nach gutem Saisonstart im Mittelfeld.

Von Alexander Heflik

Marius Sowislo strahlte über beide Ohren. Egal wann und wo in der 3. Liga sein 1. FC Magdeburg gegen Preußen Münster antritt, gewinnt der FCM. Fünfter Anlauf, fünfter Sieg, dieses Mal ein 1:0 (0:0) durch den Treffer von Michel Niemeyer vor 7269 Besuchern im Preußenstadion. Der Ex-Preuße kehrt gerne an die Hammer Straße zurück, wo er von 2006 bis 2009 kickte. „Man bekommt hier immer Geschenke“, sagte er und grinste. Aber auch das meinte der 34-Jährige: „Das Pendel konnte auf beide Seiten schlagen.“

Doch wie schon beim 0:1 gegen Werder Bremen II schlug es für die Gäste aus. Münsters Heimnimbus scheint aktuell gebrochen. So, wie der SCP seine furiose Aufholjagd im Abstiegskampf mit einer Siegesserie in der Vorsaison vor heimischem Publikum untermalte, so haben die Adlerträger ihren Schrecken wohl wieder verloren. Saisonübergreifend wurden drei der letzten vier Heimpartien verloren. Der Trend zeigt, was die Ergebnisse betrifft, nach unten. Vor dem Auswärtsspiel am nächsten Sonntag bei Hansa Rostock wartet auf Coach Benno Möhlmann wieder eine Menge Arbeit.

Doppelpack von Benyamina

Was Preußen Münster kann, kann Hansa Rostock auch. Der nächste Gegner der Preußen, am Sonntag Gastgeber der Partie des 6. Spieltages, gewann bei Zweitliga-Absteiger Würzburger Kickers mit 3:0 (1:0). Münster hatte unlängst 1:0 in Würzburg gewonnen. Nach dem Führungstor von Oliver Hüsing (13.) traf Ex-Preuße Soufian Benyamina (73. und 89.) doppelt vor 6226 Zuschauern. Damit rückte das Team von Pavel Dotchev auf den sechsten Rang in der 3. Liga vor. Rot-gesperrt fehlt bei Hansa dabei Mittelfeldspieler Amaury Bischoff, der im Winter nach Rostock gewechselt war.

Münster gegen Magdeburg war ein Abnutzungskampf, viel Tempo, viele Zweikämpfe, wenige Chancen, Lauern auf den einen großen Fehler des Gegners. Den leichten Punktvorteil der Hausherren vor der Pause mit einigen guten Torannäherungen durch Michele Rizzi, Adriano Grimaldi, Martin Kobylanski und Sebastian Mai setzten die Sachsen-Anhaltiner einen wirklich blitzgescheiten Angriff nach Wiederanpfiff gegenüber: Ballgewinn im Mittelfeld durch Björn Rother, Münsters Danilo Wiebe und Adriano Grimaldi lassen den Magdeburger viel zu leicht gewähren, kluger Pass auf Michel Niemeyer, Tor, auch weil Ole Kittner und Stephane Tritz zu spät kommen. So einfach, aber nahezu perfekt, eine gute Stunde war gespielt. Danach passierte eigentlich nichts mehr.

„Wir waren ein Stück die Glücklicheren heute“, sagte Magdeburgs Coach Jens Härtel netterweise später und verneigte sich vor den Gastgebern. Aber wie schon gegen Bremen beim 0:1 gab den Preußen eine mitfühlende und verständnisvolle Konkurrenz nichts. Braucht kein Mensch. Die Realität wird dadurch auch nicht schöner. Zwei Niederlagen in der Meisterschaft sowie das Aus im Westfalenpokal in Paderborn begleiten die Preußen in die Trainingswoche. Nächste Ausfahrt: Rostocks Stadion.

„Vielleicht müssen wir wieder einen Schritt zurückgehen“, sagte Benno Möhlmann. Wer es nicht sofort verstand, dem erklärte der 63-Jährige das gerne. Das Team müsse die Effektivität der Vorsaison zurückgewinnen, und zwar in der Defensive sicher stehen und nichts anbrennen lassen, die Null halten, und im Angriff aus wenig Chancen ein Tor machen. Effektivität wird das genannt oder auch „fußballerische Nüchternheit auf den Platz bringen“. Der gute Saisonstart gerät, wenn es so weitergeht, schnell in Vergessenheit.



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