Mi., 23.08.2017

Fußball: 3. Liga Ex-Preußen-Coach Dotchev im Interview: „Der Verein hatte nicht die Geduld“

Ein Trainerfuchs mit Preußen-Vergangenheit: Pavel Dotchev, der jetzt Hansa Rostock trainiert.

Ein Trainerfuchs mit Preußen-Vergangenheit: Pavel Dotchev, der jetzt Hansa Rostock trainiert. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Mit Hansa Rostock hat Pavel Dotchev einen guten Saisonstart hingelegt und zehn Punkte aus fünf Partien geholt. Vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Club Preußen Münster stellte sich der Trainer den Fragen, die sich rund um das Duell einfach aufdrängen.

Frühere Preußen-Trainer tummeln sich mittlerweile im Plural in der 3. Liga. Horst Steffen beim Chemnitzer FC, Marc Fascher bei den SF Lotte – und natürlich Pavel Dotchev bei Hansa Rostock. Auch wenn der Deutsch-Bulgare nicht einmal zwei Jahre im Amt war in Münster, hat er doch Spuren hinterlassen. Platz vier und vor allem die 72 Punkte – an diesen Marken von 2013 versuchten sich ­alle Nachfolger vergeblich. Vor dem Wiedersehen an der Ostsee am Sonntag (14 Uhr) hat Redaktionsmitglied ­Thomas Rellmann mit dem 51-Jährigen gesprochen.

Es ist im Profi-Fußball alles andere als unüblich, Ex-Clubs zu treffen. Aber Preußen und Dotchev – das muss doch etwas Besonderes sein ...

Dotchev: Ja, das ist es. Und zwar jedes Mal. Mit Erzgebirge Aue gab es ja auch schon Spiele. Ich freue mich drauf, aber vor allem wollen wir mit Hansa den ersten Heimsieg. Das wird schwer, denn Preußen ist in Sachen Substanz weiter als wir.

Wie genau kommen Sie zu diesem Schluss?

Dotchev: Benno Möhlmann ist ein sehr guter Trainer, der weiß, wie das Geschäft läuft. Und er hatte schon mehr Zeit als ich, mit der Mannschaft zu arbeiten. Was die Ausschöpfung des Potenzials betrifft, ist der SCP ein bisschen im Vorteil.

Wenn Sie an Ihre Zeit in Münster denken – was ist hängengeblieben?

Dotchev: Die 72 Punkte, mit denen sonst jeder aufgestiegen ist. Ich habe die Mannschaft 2012 im Kampf gegen den Abstieg übernommen, dann wurden wir unglücklich Vierter. Warum hätten wir in meiner dritten Saison schlechter abschneiden sollen? Doch der Verein hatte nicht die Geduld.

Frustriert Sie das noch?

Dotchev: Wir hatten zwar nur ein Spiel bis Mitte September gewonnen, aber die Umstände meiner Entlassung waren, wenn ich heute überlege, schon merkwürdig. Inzwischen haben wir uns ausgesprochen, mit Ex-Präsident Marco de Angelis habe ich ein Top-Verhältnis.

Von den handelnden Personen sind nicht mehr viele im Amt. Wen kennen Sie bei Preußen noch?

Dotchev: Natürlich Jürgen Keseberg, den Zeugwart. Harry Menzel, den Teammanager. Von den Spielern ist nur noch Max Schulze Niehues dabei.

Sie waren der einzige Trainer, der in Münster Amaury Bischoffs volle Qualität zum Tragen gebracht hat. Nun sind Sie in Rostock wieder vereint, er ist sogar Ihr Kapitän. Wie sehr trifft Sie seine Rotsperre?

Dotchev: Er ist ein Schlüsselspieler. Aber dass er fehlt, kann ich nicht ändern. Es ist schade, er hätte gern gegen Preußen gespielt.

Bischoff ist seit Januar in Rostock. Welche Rolle spielte er bei Ihrer Verpflichtung im Mai?

Dotchev: Das kann ich nicht sagen. Der erste Kontakt von Hansa war aber schon im Februar da. Damals kam mir das zu früh, ich war gerade erst in Aue ausgestiegen. Dann folgte die nächste Anfrage ein paar Monate später. Da habe ich gemerkt, dass der Verein mich wirklich will.

Mit Tommy Grupe, Soufian Benyamina und vor allem Julian Riedel, der Ihnen aus dem Erzgebirge folgte, spielen weitere ehemalige Preußen für die Kogge. . .

Dotchev: Ja, auch sie werden motiviert sein. Aber nicht mehr als sonst. Jule ist ein wichtiger Mann, aber er geht sehr sachlich mit allem um. Wie Amaury hat er in Münster damals keine Perspektive mehr gesehen.

Was ist drin für Ihr Team?

Dotchev: Wir haben 16 Neue, es wäre unseriös, den Aufstieg auszurufen. Wir wollen eine gute Rolle spielen und nichts mit unten zu tun haben. Die Saison danach wird zum Schlüsseljahr. Dann wollen wir angreifen und nichts anderes als den Aufstieg versuchen. Auch wenn das im Prinzip alle Drittligisten wollen.

Wen haben Sie in diesem Jahr auf der Rechnung?

Dotchev: Würzburg und den KSC trotz des schlechten Starts. Wiesbaden hat einen guten Trainer mit Rüdiger Rehm, Magdeburg ist heiß ...

Und in Ihrer Heimat erlebt Ihr Ex-Club Paderborn gerade eine Renaissance.

Dotchev: Ja. Das liegt auch an Geschäftsführer Markus Krösche. Er ist vernetzt, hat als Co-Trainer in der Bundesliga Erfahrungen gesammelt, hat nur die Spieler gehalten, die er halten wollte – und er kennt den Verein in- und auswendig.

Welche Rolle spielt Münster in dieser Saison?

Dotchev: Die Ansprüche sind immer groß. Der Verein ist ambitioniert, sonst hätte er nicht Christoph Metzelder in den Aufsichtsrat und seinen Bruder Malte als Sportdirektor geholt.



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