So., 10.09.2017

Fußball: 3. Liga Drei Gründe für den Negativtrend der Preußen

Nico Rinderknecht (l.), der hier vor Zwickaus René Lange am Ball ist, feierte sein Liga-Debüt für die Preußen, blieb aber weitgehend wirkungslos.

Nico Rinderknecht (l.), der hier vor Zwickaus René Lange am Ball ist, feierte sein Liga-Debüt für die Preußen, blieb aber weitgehend wirkungslos. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Warum es bei den Preußen zurzeit und gerade zu Hause, wo die Mannschaft in der vergangenen Rückrunde fast alles wegräumte, nicht läuft, ist schwer zu erklären. Fest steht aber, dass es im Mittelfeld an Zweikampfstärke, über außen an Offensivqualität und vorne an Formstärke fehlt.

Von Thomas Rellmann

Der reine Tabellenstand ist gar nicht mal so beängstigend. Rang zwölf – da geht es anderen noch etwas schlechter. Doch der Trend, den der SC Preußen seit Anfang August vermittelt, wirkt alarmierend. Ein überaus glücklicher Sieg in Würzburg, zwischendurch ein ordentliches Remis in Rostock, dazu das Verbandspokal-Aus in Paderborn sowie die drei Heimpleiten gegen Bremen, Magdeburg und am Freitag den FSV Zwickau. Pech ist das alles nicht mehr.

Nach dem 0:2 (0:1) gegen die Sachsen, für die die wuchtigen Routiniers Ronny König und Toni Wachsmuth trafen, verwies der am ersten Tor mitschuldige Ole Kittner zwar nicht zu Unrecht auf die Effizienz der jüngsten Gast-Mannschaften an der Hammer Straße: „Mit der ersten klaren Chance steht es 0:1, danach kam bis auf den Standard zum 0:2 auch nichts mehr.“ Doch obwohl das zuvor in den beiden Partien zu Hause ähnlich lief, war der in der Trainingswoche überzeugende und daher für Lion Schweers in die Startelf gerückte Innenverteidiger weit davon entfernt, mit dem Schicksal zu hadern. Geschweige denn mit dem nassen Rasen. „Wir können es nicht auf den Boden schieben. Darauf konnte man schon Fußball spielen. Wir waren einfach nicht zielstrebig genug.“

Kittner ist bekannt für klare und selbstkritische Worte. Daher taugt seine Fragen-Analyse auch zur Basis für Verbesserungen: „Waren wir mutig genug? Entschlossen genug? Bereit, riskante Bälle zu spielen und die Meter mehr zu machen?“ Vernünftige Ansätze. Die Einstellung war ja nicht miserabel. Aber war das wirklich das Maximum? Die großen Zweikampf-Probleme im Mittelfeldzentrum (erst recht ohne den zur Pause verletzt ausgewechselten Michele Rizzi) sind bekannt, die fehlende Offensivpower über außen ebenfalls nicht neu. Allerdings hat Adriano Grimaldi seine Gala-Form der ersten drei, vier Partien verloren. Und das tut weh. „Er muss sehr gut spielen, damit wir als Team sehr gut spielen können“, beschreibt Trainer Benno Möhlmann die befürchtete Abhängigkeit vom Kapitän und Stürmer.

Verstehen kann der Coach die Leistung seiner Truppe dennoch nicht. „Dass es für uns zu Hause nicht gut läuft, ist nicht nachvollziehbar. Die Fans unterstützen uns noch immer. Und eigentlich hatten wir auch sehr gut gearbeitet in der Woche.“ Die Preußen waren gerade daheim in der vergangenen Rückrunde eine Macht. „Vielleicht tragen wir daher noch eine gewisse Überheblichkeit in uns“, so Möhlmann, der außerdem die so ungewöhnliche Anfälligkeit nach Ecken beklagt.

Einen ganz kleinen positiven Aspekt gab es immerhin. Nico Rinderknecht gab nach der Pause sein Debüt. „Bei 100 Prozent kann ich noch nicht sein. Aber in ein, zwei Wochen sollte das möglich werden. Ich habe mich auf dem Platz gut gefühlt.“ Die enttäuschten Zuschauer auf den Rängen konnten das nicht von sich behaupten.



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