Fr., 15.09.2017

Fußball: 3. Liga Gerade jetzt zum Spitzenreiter - Preußen gastieren in Paderborn

Überflieger Paderborn: So wie hier Sebastian Wimmer gegen Danilo Wiebe (r.) hatten die Ostwestfalen gegen die Preußen in den jüngsten drei Vergleichen die Oberhand.

Überflieger Paderborn: So wie hier Sebastian Wimmer gegen Danilo Wiebe (r.) hatten die Ostwestfalen gegen die Preußen in den jüngsten drei Vergleichen die Oberhand. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Vier Spiele ohne Sieg, und ausgerechnet jetzt muss der SC Preußen Münster in einem westfälischen Derby bei Spitzenreiter SC Paderborn antreten. Trainer Benno Möhlmann fordert dabei einen deutlichen Entwicklungsschritt in Sachen Einstellung und Kampf.

Von Alexander Heflik

Benno Möhlmann ergriff das Wort am Freitag in den Mittagsstunden, um den Stand der Dinge beim SC Preußen Münster zu beschreiben. Gut 25 Stunden vor dem Anpfiff der Auswärtspartie (14 Uhr) beim SC Paderborn in der Benteler-Arena nahm der 63 Jahre alte Fußballlehrer seine Mannschaft ins Gebet – und sich selbst nicht heraus aus der Verantwortung: „Zwickau war zuletzt nicht besser als wir. Aber sie sind mehr gelaufen und haben auch mehr gekämpft als wir.“ Es war eine Backpfeife des Coaches für die zuletzt gezeigte Einstellung. Und weiter: „Ich muss das hinkriegen, diese Bewusstseins-Veränderung herbeiführen.“

Anfang einer Krise?

Die Preußen im Spätsommer sind auf dem besten Weg in eine hausgemachte Krise. Kein Sieg und nur ein Punkt aus den letzten vier Spielen, nur ein Torerfolg, dazu das Aus im Westfalenpokal ausgerechnet gegen Paderborn. Das fühlt sich nicht gut an. Das ist fast schon Abstiegskampf.

Nein, nein, so weit wäre es noch nicht, erklärt Möhlmann. Aber die Preußen haben diesen Mix aus Kampfkraft, Disziplin, Geduld und Effizienz verloren, der den Drittligisten in der Rückserie der vergangenen Saison so stark machte. Bei allem fehlt nicht viel, aber in der Summe gab es drei Heimniederlagen in Serie und den Absturz auf Platz zwölf. „Nein, von Abstiegskampf zu sprechen, wäre zu früh. Wir sind nur einen Sieg von der oberen Tabellenhälfte entfernt“, meint Möhlmann zur Saisonvorgabe. Um gleich die Warnung hinterher zu schießen: „Es sind aber auch nur drei Punkte zu den Abstiegsrängen.“ Und jetzt steht eine englische Woche an.

Gegner-Check: SC Paderborn

Ausgangslage: Was für eine Serie! Seit Steffen Baumgart Trainer ist, haben die Ostwestfalen nicht mehr verloren – wettbewerbs- und saisonübergreifend 16 Mal. Dass dazwischen der sportliche Abstieg lag, den nur die Lizenzverweigerung für 1860 München wieder aufhob, ist nur noch ein Randaspekt. Paderborn hat den besten Start in zehn Drittliga-Jahren hingelegt, zuletzt sechs Mal hintereinander gewonnen. Platz eins und sieben Zähler Vorsprung auf Rang vier sind die Konsequenz.Personal: Nur Pascal Itter (Kreuzbandriss) fehlt. Auch ein Grund für den Erfolg. Zudem haben alle Neuen eingeschlagen. Allen voran Ex-Preuße Massih Wassey, aber auch Dennis Srbeny, Christopher Antwi-Adjej vom Regionalliga-Absteiger TSG Sprockhövel oder Keeper Leopold Zingerle.Trainer: Der frühere Bundesliga-Profi Baumgart war bis zu seiner Verpflichtung nur in niederen Klassen aktiv. „Wir haben versucht, Spieler zu bekommen, die hungrig sind“, sagt er. Seine Art kommt an, in der Sommerpause hat er den Kader tatsächlich nach seinen Vorstellungen umgebaut. Vor dem Preußen-Gastspiel sagt er: „Wir werden uns sehr gut vorbereiten und schauen wie wir den Gegner unter Druck setzen können.“Kuriosum: Nicht wenige an der Pader behaupten, dass die wichtigste Personalie weder den Kader noch die Trainerbank betrifft. Das Vereinsurgestein Markus Krösche, erstliga-erprobt und bei Bayer Leverkusen zeitweise Assistent von Ex-Chefcoach Roger Schmidt, ist seit März Geschäftsführer. Er hat das wilde Treiben im Club gestoppt und schnell neue, unaufgeregtere Strukturen geschaffen.

Auftakt in Paderborn, am Mittwoch kommt Ex-Preuße Peter Vollmann mit VfR Aalen, ehe am Samstag der Auftritt bei Aufsteiger FC Carl Zeiss Jena ansteht. Bekannte Drittliga-Weisheit ist, dass es keine leichten Gegner gibt. Aber Spitzenreiter und Tabellenvierter sind schon eine bombastische Ouvertüre vor dem Ende der Trilogie beim aktuellen Schlusslicht Jena.

Englische Woche

„Es ist halt eine englische Woche, ich nehme das pragmatisch. Da müssen wir mit umgehen“, erklärt Möhlmann und will erst einmal ein Erfolgserlebnis aus Paderborn mitnehmen. Mit der Rückkehr zu Kampf und Einsatz, mit einer willensstarken Vorführung wollen die Preußen punkten. „Paderborn hat mit den vielen erfolgreichen Spielen ein gesundes Selbstbewusstsein erlangt. Die arbeiten mit Überzeugung“, erwartet Möhlmann dabei einen kompromisslosen Auftritt der Hausherren.

Personell rätselt der SCP-Coach noch. Es gäbe keine Startelf, die unantastbar sei, zu oft müsse er noch umstellen. Gerade gegen Zwickau beim 0:2 im eigenen Stadion hätten sich einige Kandidaten für einen Wechsel angeboten. In Paderborn hofft Möhlmann, ein paar Schritte weiter zu sein. Mittelfeldspieler Michele Rizzi ist dabei wieder fit. SCP: Körber – Tritz, Kittner, Mai, Menig – Rizzi, Wiebe – Hoffmann, Rühle, Al-Hazaimeh – Grimaldi.



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