So., 17.09.2017

Fußball: 3. Liga Preußen werden in Paderborn zurückgepfiffen

Diskussionsbedarf: Die Preußen-Spieler suchten das Gespräch mit Schiedsrichter Benjamin Cortus, an dessen spielentscheidender Einschätzung gab es aber letztlich kein Rütteln.

Diskussionsbedarf: Die Preußen-Spieler suchten das Gespräch mit Schiedsrichter Benjamin Cortus, an dessen spielentscheidender Einschätzung gab es aber letztlich kein Rütteln. Foto: Jürgen Peperhowe

Paderborn - 

Am Ende stand Drittligist Preußen Münster mit leeren Hände da, weil die Hand von Lion Schweers im Spiel war. Der Schiedsrichter pfiff, Massih Wassey schoss den Elfmeter ins Tor und ein starker Auftritt in Paderborn nahm ein bitteres Ende. 1:2 hieß es beim Abpfiff.

Von Ansgar Griebel

Jeder kennt diese Tage, wenn ein sehr gutes Essen im Restaurant oder ein geselliger Abend in der Kneipe durch zwei kleine Worte urplötzlich zu einem unschönen und ernüchternden Ende kommt: „Zahlen bitte“. Der SC Preußen Münster machte am Samstagnachmittag in der Paderborner Benteler-Arena genau diese Erfahrung, als es nach einem sehr ordentlichen Auftritt, einer bisweilen sehenswerten und fast immer kontrollierten Vorstellung zur finalen Abrechnung kam: Mit 1:2 (0:1) ging die Partie beim Spitzenreiter SC Paderborn verloren, schon zum vierten Mal in der laufenden Spielzeit gab es null Punkte, und in der Tabelle folgte der Sturz auf Rang 14. Zahlen, die allerdings in einem krassen Widerspruch zu den dazugehörigen 90 Minuten standen.

Moritz Heinrich, einer von fünf Neuen in Trainer Benno Möhlmanns Startelf, hatte die Preußen nach 29 Minuten mit einem satten Schuss in Führung und vermeintlich auf Erfolgskurs gebracht. Massih Wassey, Ex-Preuße in Diensten des SC Paderborn, drehte die Partie mit zwei Treffern (67. und 81.) zugunsten der Platzherren, die bis dahin gegen kluge und schnörkellose Preußen auf verlorenem Posten schienen. Bei der Aufarbeitung dieser unnötigen Niederlage hatten die Preußen dann schnell einen Schuldigen gefunden: Schiedsrichter Benjamin Cortus aus Nürnberg. Der Elfmeterpfiff des Referees nach 79 Minuten sorgte zwei Minuten später nicht nur für die Entscheidung auf dem Platz, sondern auch nach Abpfiff für reichlich Gesprächsbedarf. Adriano Grimaldi hatte die Szene nur von der Bank gesehen, weil er in der 50. Minute mit Problemen im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden musste, lieferte jedoch eine unmissverständliche Ferndiagnose: „Verpfiffen“. Der ansonsten stets besonnene SCP-Kapitän war sichtlich angefressen: „Das war jetzt das dritte Mal, dass uns die Schiedsrichter verpfiffen haben. Erst Rostock, dann Zwickau und jetzt das.“ Sportdirektor Malte Metzelder blieb zurückhaltender, in der Sache aber nicht minder deutlich: „Das war eine spielentscheidende Fehlentscheidung.“

Cortus wollte zunächst weiterspielen lassen, entschied dann aber nach Intervention seines Assistenten auf Handspiel und Strafstoß. Wobei das Handspiel wohl nicht umstritten war, der Elfmeter dagegen um so mehr. Aus kürzester Entfernung landete der stramme Schuss von Marlon Ritter an der Hand von Lion Schweers, der zuvor konsequent beide Hände hinter dem Rücken verschränkt gehalten hatte, sie erst bei einer Drehbewegung löste – und prompt getroffen wurde. Auch ein Videobeweis hätte in diesem Fall wohl keine krisensichere Lösung gebracht: Hand ja, Absicht nein. Was nun? Am Samstag gab es Elfmeter.

Drei Fragen an SCP-Trainer Benno Möhlmann

Sie haben den Schiedsrichter in die Kabine begleitet. Was gab es zu sagen?

Möhlmann: Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass er schon vor dem Elfmeter außerhalb des Strafraums zwei Situationen nicht abgepfiffen hat, als der Ball aus deutlich weiterer Entfernung an die Hand geschossen wurde. Aber jetzt will ich zu dem Elfmeter nichts mehr sagen. Es bringt nichts, sich weiter damit zu beschäftigen. Daran ist nichts mehr zu ändern.

 

Mit Adriano Grimaldi droht ein wichtiger Leistungsträger auszufallen. Sturmpartner Tobias Warschewski ist ebenfalls verletzt. Wer stürmt gegen Aalen?

Möhlmann: Wir müssen die Entwicklung bei Adriano abwarten. Tobias Rühle hat gezeigt, dass er es auch kann.

 

U-19-Stürmer Justin Steinkötter hat im Bundesliga-Spiel gegen den MSV Duisburg vier Mal getroffen. Wäre er schon eine Option?

Möhlmann: Justin hat am Donnerstag schon bei uns mittrainiert. Wahrscheinlich hat er deswegen am Samstag vier Mal getroffen. Ich weiß gar nicht, ob er bei uns spielberechtigt ist, aber wir lassen natürlich keine Möglichkeit außer acht.

Schweers hätte seine Hand beim besten Willen nicht aus der Schusslinie bringen können, seine Kameraden ihren Kollegen dagegen schon. Wenn beispielsweise Philipp Hoffmann (62.), Tobias Rühle (63.) oder Sandrino Braun (69.) zuvor ihre Chancen zum zweiten Treffer genutzt hätten oder wenn Simon Scherders Abspiel in der 61. Minute wie geplant bei Fabian Menig und nicht bei Gegenspieler Ben Zolinski gelandet wäre, der für Wasseys ersten Treffer vorlegte, den Keeper Nils Körber an einem noch besseren Tag möglicherweise hätte parieren können. Vieles lief schon recht gut, Kleinigkeiten verdarben den Preußen schließlich dennoch den Tag.

Möhlmann teilte den Unparteiischen auf dem Weg in die Kabine seine Einschätzung mit, wollte es dann aber dabei belassen. Der Preußen-Trainer richtete vielmehr den Blick auf die positiven Aspekte der Partie: „Die Niederlage ist das eine, das andere ist: Ich wollte eine andere Mentalität sehen – und die war auch da. Als Mannschaft war das ein überzeugender Auftritt. Wenn wir weiter so agieren, dann werden auch die Punkte kommen.“



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