Do., 21.09.2017

Fußball: 3. Liga Preußen fehlt die Abgebrühtheit in der Nachspielzeit

Benno Möhlmann (l.), hier neben seinem Aalener „Zwilling“ Peter Vollmann, grummelte nach dem 1:1 ein wenig. Denn sein Team hatte die Führung, die Stéphane Tritz und Martin Kobylanski (kl. Bild) bejubeln, nicht ins Ziel gebracht.

Benno Möhlmann (l.), hier neben seinem Aalener „Zwilling“ Peter Vollmann, grummelte nach dem 1:1 ein wenig. Denn sein Team hatte die Führung nicht ins Ziel gebracht. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Wenige Sekunden fehlten den Preußen. Am Ende reichte es nur zu einem 1:1 gegen den VfR Aalen, weil die Abwehr etwas schlief in den letzten Sekunden der Nachspielzeit. Richtig einig waren die Protagonisten sich nicht, ob zumindest die Leistung Anlass zur Hoffnung gibt.

Von Thomas Rellmann

Den schmalen Grat zwischen großer Befreiung und erneuter Ernüchterung bekamen die Preußen mit voller Wucht zu spüren. Ein Sieg nach der Führung gegen den VfR Aalen in der 85. Minute, verdient oder glücklich, hätte vieles an diesem tristen Abend verändert. Die Entschlossenheit von Martin Kobylanski war da, anders als zuvor in ähnlicher Lage bei Michele Rizzi, entscheidend. Genau die fehlte auf der anderen Seite, als eine verlängerte Flanke zwischen Sebastian Mai und Stéphane Tritz und damit vor den Füßen von Luca Schnellbacher landete, der den 1:1-Endstand erzielte.

Beim Verteidigen dieses Bigpoints hatten sich die Münsteraner wahrlich schon vorher nicht klug angestellt. Sie ließen vielversprechende Konterszenen liegen und jegliche Abgebrühtheit vermissen. „Da kannst du dann von außen reinrufen wie bekloppt, es bringt nichts“, stöhnte Trainer Benno Möhlmann. „Wir hätten die Sache schon vorher selbst entscheiden können.“ Moritz Heinrich oder Philipp Hoffmann durften sich angesprochen fühlen. „Nach der Pause war unser Aufbau besser, doch nach dem Tor haben wir aufgehört, obwohl wir die bessere Laufqualität hatten. Dann kann ein hoher Ball immer mal durchfliegen“, so der Coach. Kobylanski, der nach seiner Einwechslung fast Mann des Tages geworden wäre, fand ebenfalls klare Worte: „Ein Punkt zu Hause reicht nicht, wir hätten drei mitnehmen müssen. Einen der Angriffe hätten wir zum 2:0 abschließen müssen. Stattdessen haben wir den Ball nur nach vorne gehauen.“ Frust pur.

Na ja, immerhin ließ sich festhalten, dass die Heim-Negativserie mit drei torlosen Niederlagen am Stück so nicht fortgesetzt wurde. Und dass der SCP, zumindest gegenüber den Gästen, konditionell im Vorteil war, was sich an der Überlegenheit nach der Pause ablesen ließ. Zur Wahrheit gehörte aber auch, dass die Aalener im ersten Abschnitt vier Großchancen hatten, ehe die Hausherren mal aktiv wurden. Gerrit Wegkamp scheiterte sogar mit einem Strafstoß an Keeper Nils Körber, Sekunden später setzte er einen Kopfball an den Pfosten. „Geht der Elfer rein, wird es richtig schwer“, so Tobias Rühle. Der Ersatz für Stoßstürmer Adriano Grimaldi hatte einen undankbaren Job zu verrichten. Zündende Ideen fehlten seinen Kollegen gerade vor der Pause. Hohe Bälle auf ihn versprachen nun wirklich keinen Erfolg. „Es war allgemein kein schönes Spiel“, so der 26-Jährige. „In der ersten Halbzeit hatten wir es nicht im Griff, danach wurde es besser. Ich habe versucht, es ordentlich zu machen.“

Drei Fragen an Torhüter Nils Körber

Unabhängig von der Dauer der Nachspielzeit – wie kann so ein Gegentor in der 93. Minute überhaupt passieren?

Körber: Wir haben zu viele Bälle unnötig weggeschlagen. Stattdessen hätten wir die Kugel laufen lassen müssen, Zeit schinden, zur Eckfahne gehen. Dann kam der lange Ball, leicht verlängert, er tickt auf, rutscht zwischen zwei Spielern von uns durch – richtig bitter.

Ob Schiedsrichter-Entscheidungen oder jetzt das späte Tor – zurzeit läuft viel gegen Preußen. Ist das nur Pech?

Körber: Grundsätzlich sollten wir immer auf uns selbst schauen. Aber klar, da waren blöde Szenen, die uns um Punkte gebracht haben. Ob in Rostock oder Paderborn, zu Hause gegen Zwickau, nun gegen Aalen. Da kam viel zusammen. Aber wir müssen weiter Gas geben und arbeiten, das Glück erzwingen. Auch wenn gerade alles gegen uns spricht.

Wie war das bei Ihrem gehaltenen Elfmeter gegen Gerrit Wegkamp?

Körber: Wir schauen immer vorher, wer die Strafstöße wie schießt. Er hatte den letzten Elfer etwas unsicher in die andere Ecke verwandelt. Also habe ich ihn versucht, ihn nach links zu locken. Hat gut geklappt.

Ob er am Samstag (14 Uhr) bei Carl Zeiss Jena erneut vorne ran darf (oder muss) oder vielleicht wieder nach rechts rückt und der etwas größere Hoffmann nach innen. Oder ob Kobylanski (1,78 Meter), der nach eigenen Angaben auch vorne drin spielen kann, dort eine Chance bekommt – alles offen. Rühle bringt es ganz gut auf den Punkt: „Raus kommen wir da jetzt nur gemeinsam. Wenn jeder sein eigenes Brötchen backt, wird es nicht leichter.“

Möhlmann ist da zuversichtlich. „Vom Teamgedanken her haben wir an das Spiel in Paderborn angeknüpft.“ Auch die Unterstützung der Zuschauer war weiter spürbar. Dass nur offiziell 5360 Fans ins Stadion kamen, sollte dem Verein jedoch zu denken geben. Ja, die parallel laufende Bundesliga kostet immer eine höhere dreistellige Zahl. Aber das Wetter war top – und trotzdem kratzte der SCP diesmal am eigenen Drittliga-Minusrekord.



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