Fr., 13.10.2017

Fußball: 3. Liga Preußen-Trainer Möhlmann predigt vor Haching-Gastspiel Kompaktheit

Nach seiner Top-Vorstellung gegen Osnabrück führt an Tobias Rühle (o.l.) kein Weg vorbei – erst recht, da Adriano Grimaldi ausfällt. Am Freitag stiegen die Preußen in Dortmund in den Flieger (kleines Bild).

Nach seiner Top-Vorstellung gegen Osnabrück führt an Tobias Rühle (o.l.) kein Weg vorbei – erst recht, da Adriano Grimaldi ausfällt. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Zwei Wochen nach dem mitreißenden 4:1-Erfolg im Derby gegen den VfL Osnabrück wollen die Preußen auch in München punkten. Allerdings wird die Aufgabe bei der SpVgg Unterhaching eine durchaus schwere – nicht nur wegen der eher bescheidenden Bilanz gegen die Bayern.

Von Thomas Rellmann

Wie dem klassischen unterschätzten Aufsteiger – gibt es den eigentlich wirklich – wird der SC Preußen der SpVgg Unterhaching ganz gewiss nicht begegnen. Vor dem Liga-Comeback nach zweiwöchiger Länderspielpause im Sportpark (Samstag, 14 Uhr) genügt ein Blick ins Ranking und auf die jüngsten Ergebnisse, um die Qualität des Neulings einzustufen.

„Auch wenn wir durch den Sieg gegen Osnabrück auch durch die Art und Weise etwas für die Außenwirkung und unser Selbstbewusstsein getan haben, wird das eine richtig anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Münsters Trainer Benno Möhlmann. Die Abschlusstabellen der vergangenen beiden Spielzeiten hat er zudem nicht vergessen. Diese wiesen die Vorjahresmeister der eher provinziell anmutenden Regionalliga Bayern jeweils als Überraschungsdritten aus. Die Würzburger Kickers und Jahn Regensburg schafften über die Relegation sogar beide den direkten Durchmarsch.

Zuzutrauen wäre der auch Nachfolger Haching ohne Weiteres. „Nach fast einem Drittel der Saison sagt der Stand schon etwas aus. Und die Mannschaft hat gut ausgebildete Leute dabei aus dem Nachwuchs von Bayern oder 1860“, sagt Möhlmann. „Aber ich freue mich richtig auf diese Partie.“ Ob er weiß, dass der SCP vier von fünf Ligaspielen bei der Spielvereinigung verloren hat und im Mai 2013 einen der schwärzesten Tage der eigenen Drittliga-Geschichte hatte, als die Mannschaft mit dem 0:3 den Aufstieg vergeigte?

Wiebe für Braun?

Schnee von gestern. Auch das heutige Team schleppt ein paar Probleme mit sich herum. Der lange Zeit weit unter Wert spielende Sandrino Braun erwies sich im Derby als wichtiger Zweikämpfer und laufstarker Mann in den Räumen. „Er setzt nach, das hilft beim Gegenpressing“, sagt Möhlmann. Nun muss er die Erfolgsformation ändern. Danilo Wiebe könnte theoretisch eins-zu-eins einspringen. Aber auch eine Umstellung des Systems auf ein 4-1-4-1 ist denkbar – oder eine Komplettrotation mit Nico Rinderknecht als Sechser, Martin Kobylanski im Zentrum und Moritz Heinrich oder Jeron Al-Hazaimeh vorne links. Zudem wird als Ersatztorwart Luis Klante für den angeschlagenen Maximilian Schulze Niehues auf der Bank Platz nehmen.

Dem Coach ist es ganz recht, dass er nicht alle Karten auf den Tisch legen muss. Auch nach dem 4:1 gegen den VfL fand er noch, dass sein Team „zu viele Ballverluste“ hatte. Mit einer druckvollen Spielweise in der Defensive ist diesmal eher nicht zu rechnen. „Die Basis ist die Kompaktheit. Die Meppener haben zuletzt früh gepresst, die Hachinger haben trotzdem hinten rausgespielt“, sagt Möhlmann. Lange Schläge auf die eher quirligen Stephan Hain und Sascha Bigalke würden ja auch nicht viel bringen.

„Wichtig ist, dass wir bereit sind, auch mal einen Meter umsonst zu gehen. Irgendwann kann dieser eine Meter ein Spiel entscheiden, ein Tor verhindern – oder eines für uns bringen“, sagt der Trainer-Routinier. An der grundsätzlichen Einstellung hat er aber ohnehin wenig auszusetzen. „Eigentlich hatte ich nur in Jena das Gefühl, dass der Gegner mehr gekämpft hat“, so Möhlmann. „Und selbst vor Osnabrück war bei uns niemand verzweifelt.“ Daran soll sich auch am Samstag im Süden möglichst nichts ändern.

►  SCP: Körber – Tritz, Kittner, Mai, Menig – Rizzi, Wiebe – Hoffmann, Rinderknecht, Kobylanski – Rühle.

Der Gegner im Check: SpVgg Unterhaching

Ausgangslage: Nach einer unglaublich souveränen Aufstiegssaison (samt Relegation) sind die Hachinger schon wieder bemerkenswert unterwegs. Zuletzt gewannen sie drei Mal in Serie ohne Gegentor und sind nach elf Runden mit 19 Punkten Fünfter. Zu Hause gewannen sie drei von fünf Partien.

Personal: Angreifer Stephan Hain sticht als bester Schütze der Liga (neun Tore) hervor. Auch Sascha Bigalke, Thomas Steinherr, Maximilian Nicu und Keeper Korbinian Müller sind höherklassig erfahren. Verletzt sind derzeit Dominik Stahl, Jim-Patrick Müller, Alexander Piller und Orestis Kiomourtzoglou.

Trainer: Claus Schromm war schon von 2012 bis Anfang 2014 – übrigens Seite an Seite mit Manuel Baum, dem heutigen Bundesliga-Coach des FC Augsburg – im Amt. 2015 kehrte er zurück, konnte den Abstieg aber nicht verhindern. Nach einem Jahr Anlauf brachte er den Club zurück in die 3. Liga.

Kuriosum: Die ohnehin nur spärlich frequentierte Tribüne auf der Gegenseite im Sportpark ist aktuell geschlossen. Die Gemeinde Unterhaching gibt sie unter anderem aufgrund von Rissen im Beton nicht frei. Damit hat sich das Fassungsvermögen des Stadions um 4500 auf 10 500 Plätze reduziert.



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