Fr., 03.11.2017

Fußball: 3. Liga Ein Punkt, der Preußen Münster nicht hilft

Endlich wieder jubeln: Münsters Torschütze Martin Kobylanski lässt sich nach dem 1:0-Führungstreffer feiern.

Endlich wieder jubeln: Münsters Torschütze Martin Kobylanski lässt sich nach dem 1:0-Führungstreffer feiern. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Preußen Münster kommt nicht vom Fleck. Eine starke erste Hälfte langte gegen Fortuna Köln nicht zum Sieg. Das 1:1 (1:1) war in Unterzahl zum Schluss sogar das Maximum für die Gastgeber gegen einen größtenteils enttäuschenden Tabellenzweiten.

Von Thomas Rellmann

Im vierten Drittliga-Heimspiel gegen die Rheinländer gelang erstmals kein Erfolg. Die erhoffte Wende gegen sie wie im Vorjahr blieb aus. Zumindest lehnte sich das Kellerkind auf und überzeugte anfangs spielerisch.

Auch darum droht am Wochenende kein Abstiegsplatz. „35 Minuten war das für unsere Verhältnisse sehr gut. Wir haben aggressiv Bälle gewonnen und die schnell nach vorne getragen“, sagte Trainer Benno Möhlmann. „Aber die Chancenverwertung war leider wieder nicht gut.“

Fotostrecke: 15. Spieltag: Preußen Münster - Fortuna Köln

Das Krisenteam begann in der Tat fünf Tage nach dem 2:6 in Wiesbaden mit Power.  Martin Kobylanski brachte die vielen frühen Ecken brandgefährlich vor das Tor,. Die Kurve peitschte die Spieler lautstark wie lange nicht nach vorne, auf dem Rasen wirkten die Angriffe geradliniger als zuletzt.

Jeron Al-Hazaimeh, Tobias Rühle und Kobylanski kamen zu drei Abschlüssen am Stück (13.). Überhaupt harmonierte die Offensivreihe in neuer Anordnung. Die Führung kündigte sich an – und sie kam. Kobylanski leitete einen langen Ball von Lion Schweers artistisch auf Rühle weiter, der das lange Bein von Ebewa-Yam Mimbala dankend im Sechzehner annahm: Elfmeter. Kobylanski ließ sich nicht lange bitten und verwandelte sicher (15.). Sein sechster Saisontreffer schon!

Fotostrecke: Einzelkritik: SC Preußen Münster - Fortuna Köln

Rühle hätte nach Grimaldis Anspiel beinahe erhöht, scheiterte aber an Tim Boss (21.). Auch Simon Scherder ließ sich erst vom Keeper bei seinem flachen Distanzschuss aufhalten (23.), Rühle hatte serviert. Ja, die Südstädter schwammen, und Münster war knapp eine halbe Stunde wie aufgedreht. Nur war der Vorsprung zu dünn, als sich die Hausherren nun tiefer staffelten. 

Interesse an Sturmtalent Podehl

Auf der Suche nach Verstärkungen für die Zukunft ist der SC Preußen unter anderem auch auf einen der heißesten Spieler der Oberliga Westfalen gestoßen. Maxi Podehl vom ASC 09 Dortmund ist 19 Jahre alt und war in dieser Saison bisher neun Mal in zwölf Partien erfolgreich. In der vergangenen Spielzeit kam der Angreifer, der aus der Jugend von Eintracht Dortmund den Weg nach Aplerbeck fand, auf 16 Tore in 28 Spielen. Auch der SC Paderborn soll auf Podehl aufmerksam geworden sein.

Grimaldi verlangte noch einen Elfmeter nach einer Attacke von Bernard Kyere (33.), ansonsten verlegte sich der SCP eher aufs Kontern, hielt den Gast aber vom eigenen Tor gut fern. Doch mit der ersten Aktion der Fortunen der Ausgleich: Schweers lag getroffen am Boden, als Dominik Ernst flankte und der bis  dato unsichtbare Daniel Keita-Ruel ohne Gegenspieler per Direktabnahme (40.) traf.  

 „Ich habe den Ball geblockt und an eine nicht so angenehme Stelle bekommen. Danach fehlte mir die Luft, ich konnte nicht aufstehen“, so Schweers. „Das kann man auch abpfeifen.“ Glück hatten die Preußen, dass Referee Steffen Brütting Keita-Ruel im Abseits sah, als der Stürmer nach einem Schuss von Okan Kurt Nils Körbers Abpraller einschob  (45.+2).

Alles neu im SCP-Aufgebot

Einmal auf links drehte Trainer Benno Möhlmann seinen Kader im Vergleich zum 2:6 in Wiesbaden. Am auffälligsten waren natürlich die Änderungen in der Anfangsformation, aus der Danilo Wiebe (gar nicht im Kader), Sandrino Braun, Philipp Hoffmann und der leicht angeschlagene Sebastian Mai verschwanden. Vier Neue kamen stattdessen im 4-4-2 zum Einsatz: Jeron Al-Hazaimeh erwartungsgemäß auf der linken Bahn, Simon Scherder etwas überraschend als Sechser, Lion Schweers im Abwehrzentrum als Mai-Ersatz und Tobias Rühle, der erstmals in dieser Saison von Beginn an neben Adriano Grimaldi in der Doppelspitze stürmte. Martin Kobylanski wich so nach rechts aus. Max Schulze Niehues (Grippe) wurde als Ersatzkeeper von Stephan Tantow vertreten. Neu auf der Bank waren A-Junior Justin Steinkötter und der genesene Nico Rinderknecht, dafür mussten Moritz Heinrich und Wiebe auf die Tribüne. 

Die zweite Hälfte gestaltete sich weit weniger spektakulär. Köln hatte die Ordnung gefunden und hielt sich im Vorwärtsgang zurück, Münster war aktiver, ohne klare Momente zu kreieren. „Wir konnten das Tempo nicht halten, einige Spieler haben da Probleme“, befand Möhlmann kritisch. In den seltenen Situationen, die Richtung Strafraum führten, fehlten Präzision, Konzentration und Fortune. Etwa bei Michele Rizzis Versuch (58.) oder scharfen Kobylanski-Freistößen (71./78.).

Interview

Drei Fragen an Preußen-Kapitän Adriano Grimaldi:

Hilft dieser Punkt gegen den Tabellenzweiten wirklich weiter?

Grimaldi: Klar! Wir haben eine super erste Halbzeit gespielt, gekämpft und versucht zurück zu dem zu finden, was uns stark macht. Natürlich wären drei Punkte schöner, aber Köln steht nicht umsonst auf Platz zwei. Es ist doch logisch, dass wir diesen Gegner nicht mit 5:0 aus dem Stadion schießen. Wir haben ein gutes Gesicht gezeigt und müssen so weiter machen.

Welche Rolle haben die Umstellungen gespielt?

Grimaldi: Ach, das ist völlig egal. Wir hatten eine gute Einstellung, haben Willen und Mut gezeigt. Es fehlten nur die Tore, die wir bei unseren Chancen eigentlich hätten machen können.

Nach der Pause war die Partie ausgeglichener. Weil Fortuna die Ordnung wiederfand oder weil Münster nachließ?

Grimaldi: Wir haben losgelegt wie die Feuerwehr und dabei natürlich Kraft liegengelassen. Aber ja, Köln ist auch nicht blind. Ich glaube, wir haben ein gutes Spiel gesehen.

Mit Talent Justin Steinkötter für Kapitän Adriano Grimaldi, der schon in der Halbzeit einen Hexenschuss erlitt, setzte der Coach einen neuen Impuls. Der Sieg geriet aber mit Scherders Ampelkarte nach einem taktischen Foul an Ernst außer Reichweite (81.). Körber musste sogar noch gegen Ernst (85.) und Hamdi Dahmani (87.) retten, Kyere verzog zudem aus spitzem Winkel (89.). „Am Ende mussten wir froh sein über den Punkt – aber mit Einstellung und Auftreten bin ich zufrieden“, so Möhlmann. Immerhin ein kleiner Schritt und kein erneuter Tiefschlag.


SCP: Körber - Tritz, Kittner, Schweers, Menig - Kobylanski, Scherder, Rizzi, Al-Hazaimeh (59. Hoffmann) - Grimaldi (76. Steinkötter), Rühle (84. Mai)

Fortuna: Boss - Bender (90.+1 Falahen), Kyere, Mimbala, Pazurek - Brandenburger, Kegel - Ernst, Dahmani, Scheu (25. Kurt) - Keita-Ruel

Schiedsrichter: Steffen Brütting (Effeltrich)

Tore: 1:0 Kobylanski (15./FE), 1:1 Keita-Ruel (41.)

Zuschauer: 7066

Gelb: Tritz, Scherder, Rühle, Hoffmann / Kurt

Gelb-Rot: Scherder (81.)



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5264337?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686215%2F