Mi., 31.01.2018

Fußball: 3. Liga Preußen-Kapitän Grimaldi trifft, wünscht und fordert nicht

Trainer und Kapitän: Marco Antwerpen (l.) und Adriano Grimaldi auf einer Wellenlänge.

Trainer und Kapitän: Marco Antwerpen (l.) und Adriano Grimaldi auf einer Wellenlänge. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Ein Doppelpack in weniger als 15 Minuten – für Adriano Grimaldi fand der Abend ein mehr als versöhnliches Ende. Der Kapitän war beim 5:0 gegen RW Erfurt erneut nur von der Bank gekommen, zeigte dann aber auf dem Rasen sein Format.

Von Ansgar Griebel

71 Minuten lang schmorte Adriano Grimaldi auf der Bank, erst in der Schlussphase durfte der Kapitän des SC Preußen Münster ins Spiel eingreifen und erzielte in Rekordzeit (74. und 86. Minute) zwei Treffer. Zwei Ausrufezeichen und ein deutliches Statement, das der 26-Jährige aber unbedingt korrekt eingeordnet wissen möchte: Nein, es war keine Kampfansage, vielmehr eine Bereitschaftserklärung, die da auf der Anzeigentafel verewigt wurde: „Trainer, ich bin da, wenn ich gebraucht werde“, sollte das heißen.

Schon zum Saisonstart in Erfurt war der Stürmer erfolgreich, im zweiten Spiel folgte gleich Treffer Nummer zwei – doch dann lief beim Chef-Vollstrecker des SCP plötzlich nichts mehr zusammen, erst am 9. Dezember (1:4 gegen Großaspach) traf Grimaldi wieder ins Netz – auch da schon zweifach: erst ins eigene, später in das des Gegners. Natürlich fand der Stürmer den „echten“ Doppelschlag vom Dienstag und damit die Saisontreffer vier und fünf auch „richtig geil“, aber von Frustabbau könne nicht die Rede sein. Im Gegenteil: „Wenn ich eingewechselt werde und zwei Mal treffe, zeigt das doch, dass ich nicht frustriert bin“, sagte Grimaldi nach getaner Arbeit. Es gehe vielmehr um die „Idee“ des von Coach Marco Antwerpen, die jeder Spieler mitzutragen habe. „Und dann ist es unsere Aufgabe mitzuziehen und den Trainer stolz zu machen.“ Auf dem Platz und wenn gewünscht auch von der Bank, so die Ansage des Kapitäns, der aber verständlicherweise schon lieber 90 als 15 Minuten Zeit für seine Tore hätte. „Das soll jetzt nicht heißen, dass ich gerne von der Bank komme. Ich würde in Bremen lieber von Anfang an spielen“, formulierte Grimaldi seinen Wunsch, keinesfalls jedoch eine Forderung. Die Entscheidung bleibe natürlich beim Trainer, der die Botschaft vom Dienstag verstanden hat. „Natürlich mache ich es mir nicht leicht, den Kapitän draußen zu lassen. Adi hat die Geduld mitgebracht und sich in der Schlussphase neues Selbstvertrauen geholt“, so Antwerpen, „er hat gezeigt, dass es sich lohnt, weiterzumachen und mitzuziehen.“

Eine Beschäftigungsgarantie ist das allerdings nicht, zumal auch die anderen drei Treffer sauber von der Fachabteilung Sturm abgeliefert wurden. Tobias Rühle und Doppelpacker Martin Kobylanski zeigten sich ebenfalls von ihrer besten Seite. Dem Trainer bleibt vor dem nächsten wichtigen Spiel am Freitag die Qual der Wahl: Es gibt Schlimmeres.

Freigeist Kobylanski

Der Kerl polarisiert noch immer ein wenig. Obwohl Martin Kobylanski (jetzt acht Treffer) bester Preußen-Schütze der Saison ist und gegen RW Erfurt den Doppelpack schnürte, musste er sich auch dezente Kritik anhören. Bei seinen Freistößen wäre manchmal die Flanke besser als der Abschluss, in ein, zwei Situationen agierte er zu eigensinnig. Doch da war natürlich auch der souverän verwandelte Elfmeter, der edle Schuss vom 3:0 oder die Premium-Vorarbeit vor dem 4:0 durch Adriano Grimaldi. Und was nicht minder bedeutsam ist: Der 23-Jährige ist inzwischen viel besser ins Geschehen integriert und sucht auch mal die Zweikämpfe. „Das war eine Weltklasse-Leistung“, sagte der Pole am Dienstag nach dem Abpfiff. Zudem verriet er, dass er Tor seinem Vater Andrzej, dem früheren Bundesliga-Profi gewidmet hatte, der im Stadion war. Tor zwei galt Co-Trainer Kurtulus Öztürk. Der hatte genau das in der Halbzeit prophezeit.



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