Fr., 03.11.2017

50+1-Regel Neuer Anlauf gegen Kind-Übernahmepläne bei Hannover 96

Der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind strebt eine Übernahme von 51 Prozent an der Hannover 96 Management GmbH an.

Der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind strebt eine Übernahme von 51 Prozent an der Hannover 96 Management GmbH an. Foto: Peter Steffen

Kann Martin Kind endgültig die Macht bei Hannover 96 übernehmen? Über seinen Antrag bei der DFL soll bald entschieden werden. Kind-Kritiker ziehen wieder vor Gericht.

Von dpa

Hannover (dpa) - Der Streit um die Übernahmepläne von Martin Kind bei Hannover 96 geht in die nächste Runde. Vereinsaufsichtsrat Ralf Nestler will vor dem Landgericht Hannover eine einstweilige Verfügung gegen die Pläne Kinds erwirken, teilte die Interessengemeinschaft Pro Verein 1896 mit.

Dabei argumentiere Nestler mit einem Gutachten, das er bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly hatte einholen lassen. Darüber berichtete auch der «Spiegel». Die Gutachter werfen Kind demnach vor, sich mit dem Erwerb von Anteilen «sittenwidrig einen erheblichen Vermögensvorteil» zu verschaffen.

Dabei geht es um die Summe, die Kind für den Kauf eines Anteils von 51 Prozent an der Hannover 96 Management GmbH vereinbart hat. Der Aufsichtsrat des Stammvereins stimmte Anfang August einem Kaufpreis von 12 750 Euro zu. Dem Gutachten zufolge liege der Wert jedoch mindestens bei zehn Millionen Euro. Bereits der ehemalige DFL-Geschäftsführer Christian Müller hatte in einem Gutachten den Verkauf zu diesen Preis als «unvertretbar» eingestuft.

Kind hatte diese Kritik stets zurückgewiesen und wiederholte dies auf Anfrage. Ein Kauf zum Nominalwert der Gesellschaft sei korrekt. «Entsprechende Gutachten liegen uns vor», sagte Kind. Zu der aktuellen Prüfung sagte er: «Wir kennen dieses Gutachten nicht und können es deshalb inhaltlich nicht beurteilen.»

Das neue Verfahren ist nicht der erste Versuch, Kinds Pläne juristisch zu stoppen. Die clubinterne Opposition hatte bereits im August eine einstweiligen Verfügung erreichen wollen, scheiterte aber damit. Aus Protest gegen Kind boykottieren zudem Teile der 96-Fans bei den Bundesligaspielen des Aufsteigers Anfeuerungsrufe und -gesänge.

Der 73 Jahre alte Hörgeräte-Unternehmer ist einer der großen Kritiker der 50+1-Regel im deutschen Profifußball, nach der Investoren anders als zum Beispiel in der englischen Premier League nicht mehr als 49 Prozent der Club-Anteile halten dürfen.

Kind will aufgrund seines 20-jährigen Engagements von einer Ausnahmeregel Gebrauch machen, die eine Mehrheits-Übernahme dank intensiver Club-Entwicklung zulässt. Dazu hat er einen Antrag an die Deutsche Fußball Liga (DFL) gestellt. Die DFL peilt bis zum Jahresende eine Entscheidung an.



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