Fr., 29.12.2017

Fußball: Hallenstadtmeisterschaften Ein Stück entfernt vom Siedepunkt

Die Tribünen in der Sporthalle Berg Fidel waren schon einmal besser gefüllt. Aber noch immer sind die Stadtmeisterschaften der Amateurfußballer ein Publikumsmagnet.

Die Tribünen in der Sporthalle Berg Fidel waren schon einmal besser gefüllt. Aber noch immer sind die Stadtmeisterschaften der Amateurfußballer ein Publikumsmagnet. Foto: Peter Leßmann

Münster - 

Die Stadtmeisterschaften im Hallenfußball erleben ihre 41. Auflage. Und sind immer noch ein Zuschauermagnet. Doch an manchen Ecken bröckeln die Bilanzen. Längst machen sich die Verantwortlichen vom 1. FC Gievenbeck Gedanken über die Zukunft.

Von Thomas Rellmann

Vorab sei klargestellt: Wenn jemand über diese oder jene Begleitumstände der Stadtmeisterschaft jammert, dann tut er das auf hohem Niveau. Das Turnier ist noch immer ein Kassenschlager, ein beliebter Treffpunkt, an Spannung oft kaum zu überbieten. Mehr Zuschauer als selbst der am schlechtesten besuchte Tag locken in Münster als einzige Sportevents lediglich die Preußen-Kicker oder Reitturniere sowie ab und an die USC-Volleyballerinnen an.

Dennoch lässt sich eine Entwicklung ablesen, die gerade die Vorrunde bestätigte. Das spielerische Niveau klafft immer weiter ausein­ander. Alle acht Gruppenletzten verließen punktlos den Berg Fidel. Einige kassierten sogar richtig Dresche. Dabei sein ist alles, keine Frage. Doch manchmal taten den Besuchern die Teams leid, die zweistellig verloren.

Womöglich steht mit diesem Aspekt auch ein Pro­blem im Zusammenhang, das in den kommenden Jahren fast zwangsläufig auftauchen dürfte: Wie kann Organisator 1. FC Gievenbeck, dessen großer Helferstab nichts an Leidenschaft eingebüßt hat, künftig das 32er-Feld als Modus-Grundlage füllen? Zum dritten Mal hintereinander wurde 2017 auf eine Qualifikation verzichtet. Diesmal gab etwa der IKSV Münster aus Termingründen keine Zusage. 2002 und 2009 mussten noch neun Clubs traurig am frühen Nachmittag des 26. Dezember die Halle verlassen, weil sie in der Vorausscheidung gescheitert waren. 41 Teilnehmer waren der Rekord. Es ist eine (demografische) Frage der Zeit, wann sich der Gastgeber Alternativen überlegen muss. Springt die eigene Reserve ein? Werden Mannschaften außerhalb der Stadtgrenzen zugelassen? Beide Varianten schließt der neue Hallensprecher Christian Wielers, der natürlich in der Organisation auch eine zentrale Rolle einnimmt, aus. „Wir haben Pläne in der Schublade liegen“, sagt er. Die sehen aktuell eher einzelne Dreiergruppen in der Vorrunde vor, eventuell mit Hin- und Rückspiel. Oder darf sich vielleicht eine Art Allstar-Team mit alten Cracks versuchen? „Das könnte auch mal eine interessante Möglichkeit sein“, so Wielers.

Daneben sind die Zuschauerzahlen zuletzt ebenfalls zurückgegangen. 2009 kamen 11 376 Fußballfreunde an fünf Tagen (zwei mehr als ein Jahr zuvor). Ein beeindruckender Bestwert. Dass dieses Level nicht immer zu halten ist, kommt nicht überraschend. Es passt aber ins Bild, dass in dieser Phase vor etwa sieben, acht, neun Jahren, der absolute Siedepunkt der Veranstaltung erreicht war. Auch was die Stimmung auf der Tribüne betrifft. In dem Zeitraum war es üblich, dass die meisten Vereine nicht nur ihre eigenen Blöcke in Beschlag nahmen (an dieser Anordnung hat sich bis heute wenig geändert), sondern dass die Anhänger aus den Stadtteilen dort auch kräftig Alarm machten. Fahnen, Trikots, Schals, Konfetti, vor allem Schlachtrufe und Gesänge waren an der Tagesordnung. Westfalia Kinderhaus, Wacker Mecklenbeck, die Sportfreunde Münster (längst aufgelöst) und viele andere machten mächtig Theater. Vermutlich ist es der Zeitgeist, der aktuell für eine kleine Delle sorgt. Wielers jedenfalls ist überzeugt, dass der Zuspruch der Besucher wieder steigen wird. „Wir haben zum Beispiel in diesem Jahr schon deutlich mehr Tore gesehen als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr“, sagt er.

Recht hat er. Je näher es in Richtung Endrunde geht, desto heißer werden die Tänze auf dem Hallenparkett ja. Für eine Generalkritik gibt es noch keinen Ansatz. Die verschiedenen kleinen Warnsignale sind bei den FCG-Verantwortlichen aber durchaus angekommen.

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